Der Franzose mit der Nummer sieben ist beim FC Bayern einer der Erfolgsgaranten: Als linker Teil der als "Robbery" bekannten Flügelzange sorgt Franck Ribery mit seiner unglaublichen Schnelligkeit und Ballsicherheit stets für Gefahr beim Gegner.

Auf die Entscheidung im Finale der "Königsklasse" gegen Inter Mailand hatte der 27-Jährige allerdings keinen Einfluss: Der Franzose war wegen einer Rot-Sperre aus dem Halbfinalhinspiel gegen Lyon gesperrt. Eine gute Nachricht hatte Ribery dann aber doch noch für alle Bayern-Fans: Einen Tag nach dem 0:2 gegen Inter verkündeten Club und Spieler die Vertragsverlängerung bis 30. Juni 2015.

bundesliga.de präsentiert zehn Dinge über den Tempodribbler mit dem Spitznamen "Flagada" (dt.: hundemüde, schlapp), die Sie vielleicht noch nicht wussten:

Familie

Franck Ribery wurde am 7. April 1983 in Boulogne-sur-Mer, einer knapp 45.000 Einwohner zählenden Stadt am Ärmelkanal, geboren. Als Sohn eines Bauarbeiters wuchs er mit seinen drei Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Im Jahr 2002 konvertierte Franck zum Islam und trägt seitdem den muslimischen Namen Bilal Yusuf Mohammed. Im selben Jahr heiratete er seine algerisch-stämmige Frau Wahiba Belhami, mit der er zwei Töchter hat (Hiziya und Shahinez). Francks jüngerer Bruder Francois ist ebenfalls Fußballspieler und steht seit Januar diesen Jahres beim Amateurclub Le Touquet unter Vertrag.

Narben

Die beiden großen Narben, die über Riberys rechte Gesichtshälfte verlaufen, zog er sich bei einem Autounfall zu. Als Zweijähriger flog er durch die Windschutzscheibe des Familienautos und musste mit insgesamt 100 Stichen genäht werden. Seit dem Unfall stehen auch einige seiner Zähne schief, was ihm als Kind die unschönen Spitznamen "Quasimodo" und "Frankenstein" einbrachte. Mit der Zeit habe er aber gelernt, damit umzugehen. "Die Narben haben mir bei meiner fußballerischen Entwicklung geholfen", sagt der 1,72 Meter große Mittelfeldspieler heute. Sie entfernen zu lassen, komme nicht in Frage.

Beschwerlicher Weg

Im Alter von sechs Jahren begann "le petit Franck" das Fußballspielen in seiner Heimatstadt beim FC Conti, der mittlerweile seine Tribüne nach Ribery benannt hat. Als Zwölfjähriger schaffte er den Sprung ins Internat des OSC Lille, musste dieses aber vier Jahre später aufgrund schlechter Schulnoten wieder verlassen. Er kehrte nach Hause zurück und führte als 17-Jähriger den Viertligisten US Boulogne in die 3. Liga. 2002 wechselte Ribery zum Ligakonkurrenten Olympique Alès, wo er jedoch kein Geld bekam. Er wurde sogar aus seiner Wohnung geworfen und musste nebenbei gemeinsam mit seinem Vater auf dem Bau arbeiten, um finanziell überleben zu können.

Durchbruch in der Heimat

Nach einer weiteren Station beim Drittligisten Stade Brestois hatte Ribery endlich Glück. Jean Fernandez, Trainer des Erstligisten FC Metz, erkannte das Talent des damals 20-Jährigen und gab ihm seinen ersten Profivertrag. Nach einer starken Halbserie folgte der Sprung ins Ausland zu Galatasaray nach Istanbul. Mit "Gala" gewann er 2005 zwar den türkischen Pokal, verließ den Club aber trotz eines drei weitere Jahre andauernden Vertrags noch im Sommer wegen Streitigkeiten. Der Verein hatte ihm mehrere Monatsgehälter nicht gezahlt. Ribery ging zurück nach Frankreich, wo er bei Olympique Marseille wieder unter seinem Entdecker Fernandez spielte und 2006 zum Nationalspieler wurde.

Europas Elite

Durch seine überragenden Leistungen im Trikot von Marseille, die ihn zu Frankreichs Fußballer des Jahres 2007 machten, stand der 24-Jährige bald ganz oben auf der Einkaufsliste sämtlicher europäischer Top-Clubs und unterschrieb im Sommer desselben Jahres beim FC Bayern München einen Vier-Jahres-Vertrag. Gleich in seiner ersten Saison beim Rekordmeister avancierte "Flagada" mit gar nicht schlappen elf Toren und acht Assists in 28 Ligaspielen zu einem der Leistungsträger beim Gewinn des "Doubles" aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Gekrönt wurde die Saison 2007/08 durch die wiederholte Auszeichnung zum besten Spieler Frankreichs und erstmals auch zu Deutschlands Fußballer des Jahres.

Équipe Tricolore

In der Nationalmannschaft debütierte der beidfüßige Mittelfeldspieler im Alter von 23 Jahren. Am 27. Mai 2006 lief er beim Testspiel gegen Mexiko zum ersten Mal im Trikot der Grande Nation auf und reiste nach zwei weiteren Testspielen mit der Nationalmannschaft zur WM in Deutschland. Dort erzielte Ribery beim 3:1-Achtelfinal-Sieg gegen Spanien sein erstes Länderspieltor und schaffte mit Frankreich den Sprung ins Finale, wo es Italien im Elfmeterschießen aber unterlag. Ribery selbst wurde im Endspiel in der 101. Spielminute für David Trezeguet ausgewechselt, der später als einziger vom Punkt scheiterte und so Frankreich den Titel kostete.

Spaßvogel

Bei aller Brillianz auf dem Spielfeld macht Ribery auch abseits des Platzes häufig von sich Reden. So griff Lukas Podolski seinerzeit im Trainingslager in eine Wurst aus Zahnpasta, die der Franzose an die Türklinke zu seinem Zimmer geschmiert hatte und Daniel van Buyten musste schon einmal "zehenfrei" in die Schuhe schlüpfen, da sein Kumpel ihm die Socken abgeschnitten hatte. Unvergesslich bleibt auch die Dusche für Oliver Kahn, der von dem Franzosen und van Buyten mit einem Eimer Wasser vom Dach des Trainingszentrums begossen wurde. Außerdem ging er 2008 mit dem DFB-Pokal stiften oder baute im Wintertrainingslager 2009 in Dubai einen Unfall mit dem Mannschaftsbus.

Abergläubisch

In der Saison 2008/09 fiel beim Franzosen, der die ersten fünf Spiele wegen eine Verletzung verpasst hatte, immmer wieder eine besondere Marotte auf: Beim Torjubel küsste Franck Ribery ein Armband an seinem linken Handgelenk. Was hat es damit auf sich? Es ist ein Talisman, den ihm seine Frau Wahiba gebastelt hat und ihren Namen trägt. "Das ist ein Stück aus dem Verband, den ich bei meiner Verletzung tragen musste", erklärte der Franzose: "Meine Frau hat es mir gegeben und zu mir gesagt: Wenn du es im Spiel trägst, dann bringt es dir Glück, du spielst gut und schießt Tore." Und es hat geklappt: In den zehn Spielen nach seiner Rückkehr erzielte Ribery sechs Tore in Serie und legte vier Treffer auf.

Zeichentrickfigur und Comedy-Star

Da sich Franck Ribery für keinen Spaß zu schade ist, ist es auch kein Wunder, dass er für seinen amerikanischen Schuhausrüster als Pink-Panther-Karikatur in einem Werbespot auftrat und in einem Verfolgungsrennen dank seiner pinken Schuhe sogar übers Wasser laufen konnte. Sein komödiantisches Talent stellte er während der Saison 2007/08 zur Schau, als er im Rahmen einer Werbeaktion als TV-Star im französischen Fernsehen auftrat. Beim Sender Direct 8 wurde "Die Franck Ribery Show" ausgestrahlt, in der der Nationalspieler in diversen Sketchen zu sehen war und beispielsweise nichtsahnende Passanten als lebende Schaufensterpuppe erschreckte.

Lieblingsspieler

Selbst ein Weltklasse-Spieler wie Franck Ribery hat Fußballer, die er bewundert oder mit denen er gerne einmal kicken würde. Für den Bayern-Star ist zum Beispiel Lionel Messi der beste Spieler der Welt, doch er würde gerne mal mit einem von Messis Kollegen zusammen spielen. "Xavi ist ein sehr guter Spieler, der sein Team sehr gut lenkt und organisiert, dazu sehr sicher im Passspiel ist. Er ist gerade in einer absoluten Ausnahmeform", nennt Ribery seinen Favoriten. Als Kind war übrigens ein ehemaliger Bayern-Spieler Riberys Vorbild: "Mein Idol war Jean-Pierre Papin." Kein Wunder, denn wie Ribery selbst kommt auch Papin aus Boulogne-sur-Mer.




Zusammengestellt von Gregor Nentwig