Platt, satt, matt - die als WM-Stars gehandelten Spieler glänzen nicht, sondern versagen reihenweise. Während der Stern eines Thomas Müller in Südafrika aufgegangen ist und strahlt, sind Lionel Messi, Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo, Franck Ribery und Kaka schon längst verglüht - und zu Hause.

Jeden Abend um 18 Uhr gehen am Life Center in Johannesburg die Lichter an. An den 138 m hohen Wolkenkratzer ist eine 44 mal 42 Meter große LED-Leinwand montiert, auf der - passend zum jeweiligen Spiel - die Porträts der Superstars erscheinen. Das Problem nur: Es sind kaum noch welche im Turnier.

Messi hinterlässt kaum Eindrücke

Nicht nur der WM, auch dem Life Center gehen die Stars aus. Am Samstagabend grüßte dort mal wieder Cristiano Ronaldo, obwohl der Portugiese längst nicht mehr in Südafrika und dort auch nicht aufgefallen ist - außer mit einer unappetitlichen Rotz-Attacke vor dem Abflug.

Kurz zuvor hatte sich auch Messi verabschiedet, der unbestritten beste Fußballer der Welt. Ohne Inspiration, überspielt, glücklos. Der einzige bleibende Eindruck: Ein Abdruck seiner Stollen auf dem Oberschenkel von Arne Friedrich. "Er ist da draufgesprungen und hat mir eine kleine Markierung gegeben", sagte das "Opfer" anschließend über seine einzige unangenehme Begegnung mit dem Weltfußballer. Und das in einem WM-Viertelfinale.

Nur wenige Stars überzeugen

"Alle Verantwortung fiel auf Messi, und Messi ist nicht Maradona", schrieb die argentinische Tageszeitung "Clarin". Dabei hatte Messi dem gesamtem Turnier seinen Stempel aufdrücken wollen. Wie so viele andere, die es auch nicht schafften. Wie Didier Drogba, Samuel Eto'o, Fernando Torres, Steven Gerrard.

Michael Essien und Michael Ballack haben sowieso verletzt gefehlt, und der stets als unverzichtbar angesehene DFB-Kapitän musste zuschauen, wie ihm Thomas Müller, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger den Rang abliefen. Die großen Stars - wo sind sie geblieben? Diego Forlan hat überzeugt, auch David Villa, Wesley Sneijder - dann wird es schon dünn.

Galerie der Unrühmlichen

Und wer hätte gedacht, dass ein 20-Jähriger aus Pähl am Ammersee, der noch vor 14 Monaten gegen Wacker Burghausen in der 3. Liga gespielt hat, ein WM-Star wird? Die Werbemacher der Porträts auf jeden Fall nicht, deshalb haben sie ein gewaltiges Problem. Denn sie haben auf die Falschen gesetzt. Uruguay im Halbfinale, Ghana und Paraguay im Viertelfinale: sie kamen (fast) ohne Spieler aus, deren Trikots sich millionenfach verkaufen lassen.

Am Life Center in Johannesburg wird das überdeutlich. Andere Bilder als jene von Wayne Rooney, der eigentlich ein Tor bejubelt, jetzt aber seine Verzweiflung kilometerweit über die ganze Stadt zu schreien scheint, waren offenbar nicht eingeplant. Und so erstellen die 207.520 LEDs in einem Rahmen aus 15 km Stahlkabel weiterhin eine Galerie der Unrühmlichen. Jeden Abend ab 18 Uhr. Immerhin: Ab und zu können sich die Marketing-Strategen dazu durchringen, Mesut Özil auf die Stadt blicken zu lassen.

Rechts und links übrigens wird die Leinwand von 90 m hohen Riesenplakaten flankiert. Zu sehen sind darauf Cristiano Ronaldo und der Brasilianer Robinho - zwei weitere Gescheiterte. Die WM in Südafrika ist ein Turnier der versagenden Stars.