Im Regen von Port Elizabeth ist Uruguays Stern wieder aufgegangen - dank Luis Suarez. Der Matchwinner sprang mit einem Riesensatz über die Werbebande und riss sich schreiend das Trikot vom Leib, als er dem Weltmeister von 1930 und 1950 den ersten Viertelfinal-Einzug seit 40 Jahren beschert hatte. Die Fans flippten beinahe aus vor Freude.

Es war Suarez' drittes Turniertor, das beim 2:1 (1:0) gegen Südkorea im ersten Achtelfinale der WM von Südafrika die Entscheidung brachte.

Der Matchwinner war anschließend den Tränen nahe. "Ich habe immer von diesem Moment geträumt. Als ich das zweite Tor erzielt hatte, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Ich konnte es gar nicht fassen", berichtete der 23 Jahre alte Stürmer von Ajax Amsterdam.

Realistische Halbfinal-Chance für die "Urus"

Suraez zerstörte damit den Traum der Asiaten von einem Erfolg wie 2002. Damals waren die WM-Gastgeber erst im Halbfinale an Deutschland gescheitert. "Meine Mannschaft hat alles getan, was in ihrer Macht stand. Sie hat die Partie phasenweise bestimmt. Ich habe ihr nichts vorzuwerfen. Wir haben in diesem Turnier einen wesentlichen Schritt nach vorne getan", sagte Trainer Huh Jung-Moo.

Weitaus größere Schritte macht allerdings Uruguay. Die "Celeste" hat nun sogar eine gute Chance auf den Halbfinal-Einzug, denn es wartet auf dem Weg dorthin kein Hochkaräter: Gegner ist Ghana, das in einem packenden Fight über 120 Minuten die USA ausschaltete. Das Viertelfinale findet am 2. Juli in Johannesburg im Ellis Park statt.

Torwartfehler beim ersten Treffer

Suarez hatte seinen goldenen Moment in der 80. Minute. Er tanzte zwei Gegenspieler aus und schlenzte den Ball aus rund 20 Metern an den Innenfosten. Von dort prallte der Ball ins Tor. Das 1: 0 hatte Koreas Torhüter Jung Sung-Ryong Suarez mit einem kapitalen Fehler praktisch geschenkt (5.). Für Südkorea traf Lee Chung-Yong (68.). Die größte Chance zum Ausgleich vergab in der 87. Minute noch Lee Dong-Gok.

Uruguay war selbstbewusst ins Spiel gegangen, doch schon nach viereinhalb Minuten musste sich Torhüter Fernando Muslera mit einem Faustschlag beim Torpfosten bedanken. Park Chu-Young schlenzte einen Freistoß aus 18 Metern über die Mauer, Muslera wäre dabei chancenlos gewesen - er hatte sich nicht bewegt und sah nur paralysiert zu, wie der Ball ans Aluminium flog.

Südkorea benötigte nach dem 0:1 einige Minuten, um seine Verwirrung in den Griff zu bekommen. Strukturiertes Spiel konnten die Asiaten nicht aufziehen, weil die Passgenauigkeit fehlte und Uruguay die Offensivspieler zumeist hart attackierte. Durch ihre Schnelligkeit waren die Asiaten aber dennoch immer gefährlich.

Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte in einer recht fair geführten Begegnung nicht allzu viele knifflige Entscheidungen zu treffen, übersah aber nach einem Schuss von Maximiliano Parreira ein klares Handspiel von Ki Sung-Yueng im Strafraum (44.). Zwei weitere Patzer ließen die Hoffnung Starks auf weitere WM-Einsätze schwinden.

Offener Schlagabtausch im strömenden Regen

In der Halbzeit kam der Regen, und das Spiel auf dem sowieso schon ramponierten Rasen wurde vor 30.597 Zuschauern unter verschärften Bedingungen fortgesetzt. Südkorea drängte sofort auf den Ausgleich. In der 13. Minute kam Kim Jae-Sung nach Flanke von Lee Young-Pyo einen Schritt zu spät, kurz darauf schoss Park Chu-Young aus 14 Metern übers Tor.

Uruguay hatte keine andere Wahl, als die Verteidigung zu stärken und auf gelegentliche Entlastungsangriffe zu setzen. Den Südkoreanern fehlte allerdings das Durchsetzungsvermögen - so auch in der 58. Minute, als der in die Startelf gerückte Du Ri Cha eine Flanke auf Kapitän Park Yi-Sung schlug. Asiens bester Fußballer von Manchester United köpfte, Muslera war zur Stelle.

Dann kam der Ausgleich durch einen Kopfball von Lee, es war Uruguays erstes Gegentor bei der WM in Südafrika. Es folgte ein offener Schlagabtausch bis zum Abpfiff mit dem besseren Ende für Uruguay.

Schema:

Uruguay: Muslera - Maximiliano Pereira, Lugano, Godin (46. Victorino), Fucile - Arevalo Rios, Perez, Alvaro Pereira (74. Lodeiro) - Cavani, Forlan, Suarez (84. Fernandez) - Trainer: Tabarez

Südkorea: Jung Sung-Ryong - Cha Du-Ri, Cho Yong-Hyung, Lee Jung-Soo, Lee Young-Pyo - Ki Sung-Yueng (85. Yeom Ki-Hun), Kim Jung-Woo - Kim Jae-Sung (61. Lee Dong-Gook), Park Ji-Sung, Lee Chung-Yong - Park Chu-Young - Trainer: Huh Jung-Moo

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)

Tore: 1:0 Suarez (8.), 1:1 Lee Chung-Yong (68.), 2:1 Suarez (80.)

Zuschauer: 30.597

Gelbe Karten: - Kim Jung-Woo, Cha Du-Ri, Cho Yong-Hyung