Köln - Derby-Time in Stuttgart. Am Samstag (ab 15 Uhr im Liveticker) empfängt der VfB Stuttgart den Sport-Club Freiburg zum 32. Südwest-Derby in der Bundesliga. Für den VfB kommt das Duell mit dem südlichen Nachbarn genau richtig im Abstiegskampf. Denn in der Vergangenheit waren die Breisgauer häufig ein perfekter Aufbaugegner für die Stuttgarter.

Und den kann der VfB auch gut gebrauchen. Wie im Vorjahr stecken die beiden Clubs aus Baden-Württemberg vor dem direkten Aufeinandertreffen wieder voll im Kampf um den Klassenerhalt. Stuttgart kann mit einem Sieg mit dem Sport-Club punktemäßig gleichziehen. Gewinnt Freiburg, sind die Breisgauer erst einmal weg.

"Nicht verrückt machen lassen"

VfB-Coach Huub Stevens versucht, die auch im Hinblick auf die Tabelle besondere Brisanz des Duells herunter zu reden. "Du kannst über Endspiele sprechen oder sonstwas", sagt der Niederländer, "aber jedes Spiel steht für sich, jedes Spiel ist wichtig."

Dass es aber bei diesem Duell nicht nur um drei Punkte geht, weiß auch Freiburgs Linksverteidiger Christian Günter: "Wir wissen um die Brisanz, die so ein Derby ohnehin mit sich bringt. Die Spiele gegen den VfB waren schon mit den Jugendmannschaften des SC keine normalen Spiele, das waren immer besonders heiße Angelegenheiten", sagt das Freiburger Eigengewächs bei scfreiburg.com. Und fügt an: "Durch die Konstellation im Abstiegskampf kommt auch dieses Jahr noch mehr Druck dazu. Aber wir dürfen uns von der Atmosphäre in Stuttgart, die sicherlich sehr aufgeheizt sein wird, nicht verrückt machen lassen."

Stuttgart historisch vorne

Im Vorjahr war die Konstellation vor dem Derby am 29. Spieltag ähnlich. Freiburg war 14., Stuttgart stand auf dem Relegationsplatz. Der VfB gewann 2:0, verließ damit die Abstiegsplätze und blieb bis zum Saisonende auf Platz 15. Und auch im Hinspiel in dieser Saison bedeutete das Derby für den VfB den (zwischenzeitlichen) Aufschwung. Im ersten Spiel unter Coach Huub Stevens gab es nach zuvor drei Niederlagen am Stück am 13. Spieltag ein 4:1, Stuttgart gab die Rote Laterne ab.

Überhaupt liegen die Schwaben historisch gesehen in diesem Duell deutlich vorne. Von den bisher 31 Spielen gewann der VfB 19, Freiburg zehn bei zwei Remis. In der jüngeren Vergangenheit geht die Bilanz sogar noch deutlicher zugunsten der Landeshauptstädter: sechs der letzten sieben Spiele und sogar die jüngsten vier Derbys in Folge gewann Stuttgart. In der Landeshauptstadt hat der SC zwölf von insgesamt 15 Spielen verloren, Trainer Christian Streich ist in seiner Amtszeit gar noch ohne jeglichen Punktgewinn am Neckar. "Die Drucksituation ist hoch", sagt der 49-Jährige.

"Mentale Höchstleistungen abverlangt"

Hoffnung können die Schwaben auch aus ihrer wiedergefundenen Heimstärke ziehen. In den jüngsten drei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena gegen Hertha, Frankfurt und Bremen holten sie sieben Punkte. In den kommenden Wochen haben sie es zudem in der eigenen Hand, spielen nach Freiburg auch noch gegen Mainz, Hamburg und Paderborn. VfB-Sportvorstand Robin Dutt, der als Coach 2008/09 den SCF in die Bundesliga führte, findet deshalb, den Spielern werde jetzt "eine mentale Höchstleistung abverlangt. Auch weil wir noch gegen direkte Konkurrenten spielen."

Weniger positiv sieht bei den Schwaben jedoch die Personalsituation aus. Der kampfstarke Geoffroy Serey Dié ist gesperrt, und hinter dem Einsatz von Torjäger Daniel Ginczek (Foto) steht ein großes Fragezeichen. Der Stürmer, der jeweils zwei Treffer gegen Eintracht Frankfurt (3:1) und Werder Bremen (3:2) und einen weiteren beim 1:2 beim FC Augsburg erzielte, laboriert an muskulären Problemen und konnte am Donnerstag nicht mit der Mannschaft trainieren. Stevens beziffert die Einsatzchance auf "unter 40 Prozent" und dürfte als Ersatz auf den Bosnier Vedad Ibisevic bauen. Dafür kehrt Martin Harnik nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück - der Österreicher hatte im Hinspiel zwei Tore erzielt.

"Alles selbst in der Hand"

Freiburg spielt an den abschließenden fünf Spieltagen noch gegen die vier Mannschaften, die aktuell hinter dem Sport-Club stehen. Von einem Endspiel schon jetzt gegen Stuttgart will Günter daher nicht reden: "Wenn man ein Endspiel verliert, ist der Wettbewerb vorbei. Wenn eine von beiden Mannschaft am Samstag verliert, ist sie noch längst nicht abgestiegen, dann sind noch vier Spieltage zu absolvieren." Der 22-Jährige ist vom Klassenerhalt seines Teams überzeugt: "Wir haben es in den nächsten Wochen selbst in der Hand und können den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen. Und das wollen wir uns nicht nehmen lassen." Ein Sieg in Stuttgart wäre ein guter Anfang.

Tobias Schild