Kaiserslautern - Fredi Bobic wollte sich nicht lange mit der Nachlese aufhalten. Was den Sportdirektor des VfB Stuttgart in Kaiserslautern ebenso verärgert hatte wie Coach Jens Keller war weniger die Tatsache, dass man nur einen Punkt beim Aufsteiger mitnehmen konnte.

Und vielleicht hätten sie selbst noch akzeptiert, dass ein wie aufgedreht spielendes Team wie der FCK es vor diesem Publikum schaffen kann, einen Drei-Tore-Rückstand auszugleichen.

Was sie aber nicht hinnehmen wollten, war die Tatsache, dass der VfB beim 3:3 auf dem Betzenberg mit etwas mehr Konzentration als Sieger vom Platz gegangen wäre: "Jeder Spieler hat nach der Pause ein paar Prozent weniger gegeben", sagte Bobic, "das rächt sich in der Bundesliga sofort."

Deutliche Worte für einsichtige Spieler

"Das darf uns natürlich nicht passieren", zeigte sich Keeper Sven Ulreich einsichtig, "wir haben nach dem dritten Tor zu viel verwaltet und nicht mehr weitergespielt. Nun geht es gegen Köln wieder darum, diese Punkte zurückzuholen."

Auch Nationalstürmer Cacau, der den Treffer zum zwischenzeitlichen 0:2 erzielt hatte, war zerknirscht: "Wir haben nach der 3:0-Führung nicht mehr so konsequent gespielt, und uns zu viele Fehlpässe erlaubt."

Die Selbstkritik ihrer Spieler werden die VfB-Verantwortlichen sicher positiv vermerken. Die Zügel dürfte in den Tagen bis zum wichtigen Spiel gegen Köln am kommenden Sonntag aber angezogen bleiben. "Es ist gerade schon lauter geworden in der Kabine", berichtete Bobic eine halbe Stunde nach Abpfiff, "es werden auch in der Woche noch mal deutliche Worte fallen."

Spielerisch deutlich überlegen

Nun könnte man es sich leicht machen und zum wiederholten Mal die Janusköpfigkeit des Stuttgarter Teams beklagen. Vor Wochenfrist ein grandioses 6:0 gegen Werder Bremen und nun gleich drei Gegentore in einer Halbzeit bei einem Aufsteiger, der schon geschlagen schien.

Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Denn zum einen ist der Sieg gegen Bremen auch deshalb so hoch ausgefallen, weil sich in der grundüberholten Stuttgarter Arena selten ein Team so desolat präsentiert hat wie die Bremer Anfang November.

Und zum zweiten dürften auch die eingeschworensten der eingeschworenen FCK-Fans nicht bestreiten, dass der VfB insgesamt trotz der unmittelbaren Tabellennachbarschaft spielerisch deutlich überlegen war. Das Mittelfeld um Christian Träsch, Christian Gentner, den stark verbesserten Arthur Boka und Timo Gebhardt zählt in der Form der letzten Wochen sicher zu den besten der Liga. Und vorne haben Cacau und Ciprian Marica den Formanstieg der vergangenen Wochen gegen Lautern bestätigt - mindestens.

Wiedergutmachung gegen defensive Kölner

Dass Bobic und Keller dennoch unisono für die kommenden Tage ein paar unangenehme Trainingseinheiten ankündigten, ist allerdings nachvollziehbar. Schließlich ist ein guter Lehrer mit dem begabten aber schlampigen Schüler strenger als mit einem, der sich redlich bemüht, aber früh an seine Grenzen stößt.

Beim VfB wollen sie nun bestens vorbereitet in die nächste Prüfung gehen. Dass da ausgerechnet der weidwunde 1. FC Köln zu Gast ist, muss die Aufgabe nicht unbedingt erleichtern. Khalid Boulahrouz, das steht bereits fest, wird am Sonntag nicht im Kader stehen. Der Abwehrspieler zog sich in Kaiserslautern einen Muskelfaserriss zu.

Indes dürfte sich der VfB taktisch einigermaßen gut auf das Spiel einstellen können. Schließlich tritt der FC auswärts stets extrem defensiv auf: "Hurra-Fußball", sagte Bobic schon in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions, "werden die Kölner bei uns sicher nicht spielen."

Christoph Ruf