München - Wenn am Samstagabend der FC Bayern München und der VfB Stuttgart im Berliner Olympiastadion das Endspiel um den DFB-Pokal bestreiten, wird Giovane Elber auf der Tribüne sitzen und hin- und hergerissen sein. Denn mit beiden Vereinen verbindet er sehr schöne Erinnerungen, mit beiden Clubs gewann er den Pokal. Der 40 Jahre alte früherr Ausnahmestürmer spricht im Interview mit bundesliga.de über die Chancen des Rekordmeisters aufs Triple, die Konkurrenz im FCB-Sturm und die Perspektive der Schwaben.

bundesliga.de: Herr Elber, der FC Bayern hat am vergangenen Samstag das Champions-League-Finale in London gegen Borussia Dortmund gewonnen. Waren Sie dabei?

Giovane Elber: Ja, sicher. Die Stimmung im Stadion war der Wahnsinn, das war richtig klasse. Es war eines der besten Endspiele, die ich gesehen habe. Dortmund kam besser ins Spiel und hat in den ersten 20 bis 25 Minuten gut gespielt, Bayern hatte kaum Torchancen herausgespielt. Aber dann hat sich die Klasse des FC Bayern durchgesetzt. Am Ende haben sie verdient gewonnen. Ich war nach dem Abpfiff fix und fertig.

bundesliga.de: Die Bayern können nun nach Meisterschaft und Champions-League-Gewinn sogar noch einen draufsetzen. Jetzt wartet im Pokalfinale der krasse Außenseiter VfB Stuttgart auf die Bayern.

Elber: Der FC Bayern wird alles geben, weil er die einmalige Chance hat, das Triple zu holen. Sie haben eine sehr starke Mannschaft, ganz egal, ob nun Ersatzspieler oder Stammspieler zum Einsatz kommen. Die Mannschaft ist immer da. Aber der VfB Stuttgart hat nichts zu verlieren. Vielleicht spielen sie so befreit auf, dass sie den Bayern ein Bein stellen können.

bundesliga.de: Die letzten Begegnungen der beiden Clubs waren eine einseitige Angelegenheit für die Bayern. Sind die Stuttgarter chancenlos?

Elber: Was vorher in der Bundesliga passiert ist, das interessiert in einem Endspiel nicht mehr. Es ist das Finale, ein einziges Spiel. Die Jungs vom VfB wissen, dass sie alles geben müssen. Das erwarten die Fans ganz besonders gegen die Bayern. Sie können als Außenseiter befreit ins Spiel gehen. Schließlich ist der FC Bayern Meister und Champions-League-Sieger.

bundesliga.de: Sie haben für beide Vereine gespielt. Wem drücken Sie mehr die Daumen?

Elber: Ich drücke beiden Teams die Daumen, auf der anschließenden Party bin ich auf alle Fälle dabei. Für Fredi Bobic, mit dem ich ja noch zusammengespielt habe, wäre es der erste Titel als Sportdirektor. Ich hoffe, dass es beim VfB wieder besser wird. In dieser Saison ist es in der Bundesliga nicht so gut gelaufen. Das Gute ist, dass der VfB bereits für die Europa League qualifiziert ist. Auf der anderen Seite gehören aber auch dem FC Bayern meine Sympathien, weil er diese Saison mit drei Titeln krönen kann.

bundesliga.de: Sie haben als Spieler vier Mal im Finale in Berlin gestanden und immer gewonnen. An welches Spiel denken Sie am liebsten zurück?

Elber: Mein schönstes Erlebnis in Berlin war eindeutig der Pokalsieg mit dem VfB Stuttgart im Jahr 1997. Das war mein erster Titel in Deutschland. Vor der Saison hatte niemand auf uns gesetzt. Dann standen wir im Endspiel gegen den Zweitligisten Energie Cottbus. Es war mein letztes Spiel für Stuttgart. Ich hatte den Fans versprochen, dass ich bis zum Schluss für den Verein alles geben werde. Ich habe dann auch im Finale beide Tore geschossen. Der liebe Gott war so lieb zu mir und hat entschieden: "Giovane, mach die Tore und bleib in guter Erinnerung." Es war der perfekte Abschied.

bundesliga.de: Sie können es als ehemaliger Topstürmer am besten beurteilen. Schätzen Sie Mario Mandzukic besser ein als Mario Gomez?

Elber: Nein, das glaube ich nicht. Der Junge spielt aber in seiner ersten Saison für die Bayern schon klasse. Mario Gomez hatte Verletzungspech. Dadurch wurde Mandzukic Stammspieler und blieb es auch. Außerdem ist auch ein Claudio Pizarro noch da, der auch immer für ein Tor gut ist. Ich weiß nicht, welcher Stürmer noch kommt. Doch Bayern ist im Angriff momentan so gut besetzt - es funktioniert auch mit den Stürmern, die derzeit da sind.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski