"Ich will Meister werden", hatte Felix Magath als frischgebackener Trainer von Schalke 04 im Interview mit der "Bild am Sonntag" im Sommer verkündet.

Doch auch wenn der Meister-Macher sich damals, vor nicht einmal sechs Monaten, eine Frist von vier Jahren zugestanden hatte, klang sein Ausspruch ob des durchwachsenen Abschneidens der "Knappen" in der Saison 2008/09 ziemlich optimistisch, vielleicht sogar überheblich. Heute allerdings nicht mehr.

Hochgelegenes Winterlager

Nach einer sensationellen Vorrunde, mit der selbst die euphorischsten Anhänger des Revierclubs wohl nicht gerechnet hätten, stehen 34 Punkte und Rang 2 in der Schalker Bilanz. Zum Tabellenführer aus Leverkusen beträgt der Abstand sogar nur einen Zähler.

Dem Trainer macht das Lust auf mehr. "Wir haben mit dem zweiten Platz in der Bundesliga und der Viertelfinal-Teilnahme im DFB-Pokal eine sehr gute Ausgangsposition. Wir wollen die Chance nutzen, das Bestmögliche rauszuholen. Dazu wollen wir die sportliche Substanz stärken", erklärte Magath Anfang Januar.

Die Meisterschaft soll her

Im Klartext: Neuzugänge sollten her – und sie kamen! Nachdem im Dezember mit Stürmer Bogdan Müller (21, SpVgg Neckarelz) und Innenverteidiger Tore Reginiussen (23, Tromsö IL) zwei Perspektivspieler geholt wurden, folgten kurz nach dem Jahreswechsel drei Transfers, die dem Team sofort weiterhelfen sollen.

Stürmer Edu, der für den VfL Bochum und Mainz 05 bereits auf 77 Bundesligaeinsätze und 17 Tore verweisen kann, soll ebenso den Angriff verstärken, wie Alexander Baumjohann, der nach drei Jahren bei Borussia Mönchengladbach und Bayern München bereits zum zweiten Mal für die "Königsblauen" spielt. "Alexander ist eine sehr gute Verpflichtung für uns. Er hat schon eine gute Entwicklung hinter sich und soll bei uns noch viel besser werden", sagt Magath und hofft, dass er hilft, "die Meisterschaft zu holen".

Guter Einstand

Von der Schale sprechen mag Baumjohann selbst nicht, doch er macht keinen Hehl aus seinen Zielen: "Ich will auf meiner Lieblingsposition, der Zehn, dazu beitragen, dass Schalke wieder dahin kommt, wo es hingehört: Unter die ersten Drei."

Dass er das Zeug dazu hat, bewies der Techniker, der in der vergangenen Saison maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Gladbacher hatte, gleich beim ersten Testspieleinsatz. Gegen Zweitligist Fortuna Düsseldorf (5:5) holte der 22-Jährige den Elfmeter zum 1:0 heraus und bereitete das 2:2 durch Edu vor.

Was ein Mal klappt…

Die größte Überraschung gelang dem Schalker Manager-Trainer aber wohl in der Verpflichtung von Peer Kluge. Der 29-Jährige, der bereits 180 Bundesliga- und 70 Zweitligapartien bestritten hat, wechselt vom 1. FC Nürnberg ins Ruhrgebiet. Der Mittelfeldspieler soll auf der Sechser-Position für Stabilität im Mittelfeld, aber auch für Impulse nach vorne sorgen, so wie dies der Brasilianer Josue in Wolfsburg unter Magath getan hatte.

Den Stil als sportlicher "Alleinherrscher" aus der Wolfsburger Meistersaison setzt Magath auf Schalke fort. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich auch dort der gleiche Erfolg einstellt.

Gregor Nentwig