Tourrettes/Frankreich - Die Deadline rückt immer näher, die Streichkandidaten werden vor dem Tag der Wahrheit immer selbstbewusster: "Ich geben in jedem Training Vollgas und werde alles dafür tun, um im endgültigen Kader zu stehen. Natürlich glaube ich daran", sagt Ilkay Gündogan (21).

Der "Double"-Gewinner von Borussia Dortmund war bei der Nominierung des vorläufigen EM-Kaders der deutschen Nationalmannschaft ebenso überraschend dabei wie der Schalker Shootingstar Julian Draxler (18), der nach nur rund einer Woche beim DFB-Team leise seine Ansprüche anmeldet.

Kämpfen um jede Chance



"Der Bundestrainer hat mir bestätigt, dass ich körperlich voll auf der Höhe bin", sagt Draxler: "Ich hätte in den ersten Einheiten einen guten Eindruck gemacht und soll so weitermachen. Natürlich kämpfe ich jetzt um meine Chance." Der dribbelstarke Mittelfeldspieler nimmt sich bei seinem Bemühen einen Rat seines ehemaligen Klubkollegen Raúl zu Herzen: "Er hat mir mit auf den Weg gegeben, dass ich so unbekümmert wie im Verein spielen und den Spaß am Fußball behalten soll."

Sowohl Gündogan als auch Draxler wissen, dass sie am 29. Mai, wenn Bundestrainer Joachim Löw bei der UEFA seinen endgültigen Kader für die EURO in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) benennen muss, zu den am meisten gehandelten Streichkandidaten zählen. Drei Feldspielern und einem Torwart aus dem vorläufigen 27-köpfigen Aufgebot muss Löw spätestens dann mitteilen, dass sie am 4. Juni nicht mit nach Danzig fliegen.

Bender-Zwillinge auf der Kippe



"Das wird eine schwere Entscheidung, weil alle ihre Sache sehr gut machen. Wir müssen aber an den Erfolg der Mannschaft denken, da bleibt für Gefühle kein Platz. Aber es tut immer weh, wenn man einen Spieler nach Hause schicken muss", sagt Löw, der nach eigener Aussage noch keine Vorauswahl getroffen hat.

Neben Gündogan und Draxler stehen auch die Zwillinge Sven (Borussia Dortmund) und Lars Bender (23/Bayer Leverkusen) auf der Kippe. "Es wäre ein Traum, wenn wir es beide schaffen würden. Wenn nicht, werde ich meinem Bruder täglich anrufen", sagte Sven mit einem Augenzwinkern. Im Training machen beide Benders eine hervorragenden Eindruck.

Schmelzer hat Ticket nicht sicher



Bangen um seine EM-Fahrkarte muss auch noch Marcel Schmelzer. "Ich werde jedes Training dafür nutzen, dass ich meine Form halten kann und dann beim endgültigen 23er-Kader dabei bin", sagt der BVB-Verteidiger, der natürlich darauf hofft, dass DFB-Kapitän Kapitän Philipp Lahm von Bayern München auch bei der Nationalmannschaft auf der rechten Seite spielt: "Dann möchte ich meine Chance selbstverständlich nutzen."

Eine Überraschung könnte es sogar noch im Angriff geben. Nachdem Löw verraten hat, dass er sich den künftigen Dortmunder Marco Reus auch gut in der Rolle des Stoßstürmers vorstellen kann, darf sich auch der Stuttgarter Cacau seiner Rolle als dritter Stürmer hinter Miroslav Klose und Mario Gomez nicht mehr zu sicher sein.

Wer folgt nach Neuer?



Spannend wird auch, wer hinter Manuel Neuer als Torwart Nummer 2 und 3 mit zur EM fährt. Hinter dem Bayern-Keeper kämpfen Tim Wiese (30), Ron-Robert Zieler (23) und Marc-André ter Stegen (20) um die beiden Positionen dahinter. Der künftige Hoffenheimer Wiese verschwendet nach eigenen Angaben überhaupt keinen Gedanken daran, dass es ihn erwischen könnte. "Natürlich fahre ich mit", sagt der Routinier ohne Selbstzweifel.

Der Gladbacher Überflieger ter Stegen, ebenso wie Draxler einziger Akteur im vorläufigen Kader ohne Einsatz in der A-Mannschaft, stellte klar: "Wenn man die Chance hat, muss man sie nutzen. Bis zum Tag der Entscheidung gilt es, alles aus sich herauszuholen. Natürlich will ich mit zur EM." Und Zieler macht deutlich: "Im Fußball kann man nie 100-prozentig sicher sein. Aber ich bin schon ein Jahr dabei und fühle mich als Bestandteil der Mannschaft."