Nach dem bitteren Aus im UEFA-Pokal ließ Dieter Hoeneß mit seiner Bankettrede im Athener Fünf-Sterne-Hotel "Royal Olympic" erst gar keine schlechte Stimmung aufkommen.

"Die Mannschaft hat in diesem Jahr Großartiges geleistet. Wir können stolz sein", sagte der Manager von Hertha BSC Berlin totz der 0:4 (0:0)-Niederlage zum Jahresabschluss beim griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus.

"Haben die Messlatte sehr hoch gelegt"

Auch das bewegende Comeback von Lucio nach 15 Monaten Verletzungspause half, den anfänglichen Ärger über das Scheitern in der Gruppenphase zu vergessen und den Blick auf Großtaten im neuen Jahr zu richten.

Darum gab Hoeneß seinen Spielern vor dem Weihnachtsurlaub mit auf dem Weg: "Wir haben die Messlatte sehr hoch gelegt. Diese Herausforderung müssen wir annehmen."

Dass die Krönung einer starken Hinrunde mit der besten Punktausbeute der Vereinsgeschichte (33 Zähler) verpasst wurde, hat sich der Bundesliga-Dritte selbst zuzuschreiben. Gegen den seit anderthalb Jahren zu Hause ungeschlagenen Double-Gewinner aus Griechenland vergaben die Berliner in der ersten Halbzeit klarste Torchancen und brachen nach dem Seitenwechsel förmlich ein.

"Wenn wir in Führung gehen..."

"Wenn wir in Führung gehen, verwette ich mein Leben darauf, dass dieses Spiel ganz anders läuft", meinte Verteidiger Josip Simunic, der kurzfristig mit Wadenproblemen ausgefallen war und in der Abwehr schmerzlich vermisst wurde.

Die größte Chance zur Führung vergab Marko Pantelic. Der Serbe brachte in der zehnten Minute das Kunststück fertig, den Ball aus fünf Metern nicht im leeren Tor unterzubringen.

Am Ende wurde die Hertha von den Gastgebern vor 33.000 heißblütigen Fans im Karaiskakis-Stadion durch Gegentore von Dudu (54.), Luciano Gelletti (67./Foulelfmeter), Vassilis Torosidis (86. ) und Diogo (88.) bestraft. Das schmeckte Berlins Trainer Lucien Favre gar nicht: "In der zweiten Halbzeit hatten ein paar Spieler Probleme mit dem Tempo."

Symbolischer Haarschnitt

Ein besonderer Lichtblick war die lang ersehnte Rückkehr von Lucio. 447 Tage nach seiner schlimmen Knieverletzung im Ligaspiel bei Schalke 04 durfte der Brasilianer vier Minuten lang wieder Fußball-Luft schnuppern. "Diese vier Minuten waren die wichtigsten in meinem Leben. Mein Knie war wie ein verwüstetes Land, das langsam wieder aufgebaut werden musste", sagte ein gerührter Lucio.

Als Symbol für das Ende seiner Leidenszeit ließ sich der 29-Jährige beim Bankett von Kapitän Friedrich seine lange Mähne abschneiden. Die Haare hatte er seit dem 28. September 2007, an dem sich Lucio einen Patellasehneneinriss sowie einen Riss des vorderen Kreuzbandes, des Innenbandes sowie des Innenmeniskus zugezogen hatte, wachsen lassen.