Bei Werder Bremen hat man den März zum "Monat der Wahrheit" ausgerufen. Gleich sieben Spiele stehen auf dem Programm. Neben vier Partien in der Bundesliga soll gegen Augsburg ein weiterer Schritt Richtung Titelverteidigung im DFB-Pokal gemacht werden, und auf dem Weg ins Viertelfinale der Europa League wollen die "Grün-Weißen" Spaniens Tabellen-Dritten FC Valencia ausschalten.

Zum Auftakt des Spiele-Marathons wollten die Hanseaten gegen den VfB Stuttgart ihre Erfolgsserie der vergangenen Wochen fortsetzen und sich mit einem Sieg über die Schwaben als Verfolger Nummer eins der Clubs auf den fünf Europapokalplätzen festsetzen.

Tore garantiert

Auf Tore durften sich die Zuschauer verlassen: Immerhin trafen die beiden stärksten Angriffsreihen der Rückrunde aufeinander. Der VfB erzielte in den sieben Spielen der Rückrunde mit 18 Treffern zwei mehr als in der gesamten Vorrunde, Werder netzte in der Zeit 16 Mal ein - genau so häufig wie der FC Bayern München.

Außerdem gab es in zuvor 43 Bundesligaspielen zwischen den Traditionsvereinen im Weser-Stadion nie ein torloses Unentschieden. Und diese Statistik hatte Bestand: Am Ende standen vier Treffer zu Buche, zwei für jedes Team zwei. In einer Partie mit zwei Halbzeiten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, fielen alle Tore vor den Augen der Werder-Fans in der Nordkurve.

"Erste Halbzeit verschlafen"

"Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und sind zu spät aufgewacht. In so einem Spiel muss man von Anfang an da sein", analysierte Thomas Schaaf den 0:2-Rückstand seiner Mannschaft zur Pause. Pavel Pogrebnyak (15.) und Sami Khedira hatten den VfB (43.) in Führung geschossen. "Es ist natürlich positiv, dass man noch mal kommen kann", konnte der Werder-Coach der Partie aber doch noch einen positiven Aspekt abgewinnen.

Auch Torsten Frings konnte sich über den Punkt nach der Aufholjagd, die Hugo Almeida in der 75. Minute einläutete, nicht freuen: "Der VfB hat einen starken Lauf, aber am Ende waren wir näher am Sieg", ärgerte sich der Kapitän, der seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Jens Lehmann vom Elfmeterpunkt zum 2:2 überwand (81.), über "zwei verlorene Punkte". Tröstlich sei, "dass wir einen direkten Konkurrenten im Kampf um die Europapokalränge auf Distanz gehalten haben".

Manager-Kritik an Zuschauern

Klaus Allofs hätte sich "natürlich einen Sieg gewünscht", verwies aber auf die Verletzten-Misere. So hatte Schaaf keinen Defensivspieler auf der Bank und musste in der 69. Minute für Sebastian Prödl Angreifer Markus Rosenberg auf die für ihn ungewohnte rechte Abwehrseite stellen.

"Sicher müssen unsere Spieler die Belastung aus den drei Wettbewerben und den Nationalmannschafteinsätzen verkraften, aber dennoch dürfen wir es unseren Gegnern nicht so leicht machen wie heute. Wir sind in einer Phase, in der wir oben rankommen können an den fünften Platz. Da hätte ich noch mehr Entschlossenheit gewünscht", so der Manager, der sich auch mehr Unterstützung von den Fans gewünscht hätte.

"Ich habe den Eindruck, dass einige hier in Bremen nicht begreifen, dass wir unseren jungen Spielern helfen müssen. In anderen Stadien werden gerade die jungen Spieler besser unterstützt, wenn es mal nicht so läuft. Mir fiel negativ auf, dass bei schlechten Aktionen immer gleich ein Raunen oder sogar Pfiffe zu hören waren, aber es bei starken Aktionen ruhig blieb. Dann soll man wenigstens danach die Jungs anfeuern." Sie können es gebrauchen in diesem harten Monat.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs