Gelsenkirchen/Pilsen - Nach der Pleite in Mönchengladbach will Schalke 04 in der Europa League beim tschechischen Meister Viktoria Pilsen Wiedergutmachung betreiben. Dabei soll der in der Bundesliga gesperrte Jermaine Jones helfen. Vor dem Abflug ins Ungewisse war Huub Stevens allerbester Laune. "Wir haben eine ganz große Krise", sagte der Coach und lachte lauthals los, ehe der Flieger in Düsseldorf zum Europa-League-Spiel bei Viktoria Pilsen abhob.

"Ich schlage jeden Morgen eine neue Zeitung auf, dann steht wieder was anderes drin." Die ist abgehakt, die Wut verraucht, alles Krisengerede Unsinn, wollte der Niederländer damit demonstrieren.

Doch ganz so leicht ließ sich vor dem Hinspiel in der Zwischenrunde beim weitgehend unbekannten tschechischen Meister am Donnerstag (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) nicht zur Tagesordnung übergehen. Das begann schon im Flugzeug: Erst verzögerte sich der Start, weil eine Tür nicht richtig schloss. Dann war die Landebahn in Prag eingeschneit. Am Ende stiegen Stevens und Co. eine Stunde später als geplant in den Mannschaftsbus nach Pilsen. Im Hotel "Golden Fish" staunten sie nach ihrer Ankunft nicht schlecht: Die Doppelbetten waren durchgesägt worden, damit jeder Spieler alleine schlafen kann.

Hoffnungen ruhen auf Jones

Stevens hatte nach dem vorläufigen Abschied aus der Bundesliga-Spitzengruppe Konsequenzen angedroht. Wie sie aussehen, wollte er noch nicht verraten, deutete aber einige Umstellungen an: "Einige haben es schon erfahren." Schließlich muss er im Team Platz machen für Rückkehrer Jermaine Jones, der im Europapokal spielberechtigt ist. "Er ist wenigstens einer, der redet", sagte Stevens über den US-Nationalspieler, auf den er in der Bundesliga nach dessen Tritt auf den gebrochenen Fuß von Marco Reus noch zwei Spiele verzichten muss. Fraglich ist noch der Einsatz von Superstar Raul (Wadenprobleme) und Jefferson Farfan (Erkältung).

Ein Wechsel im Tor steht dagegen wohl nicht an, auch wenn Lars Unnerstall zuletzt Schwächen zeigte. "Er ist ein junger Torhüter", sagte Stevens und erinnerte an einen der Vorgänger: "Manuel Neuer hat, als er anfing, auch Fehler gemacht. Das wird ganz schnell vergessen. Und ich sehe ihn auch bei Bayern München Fehler machen."

Die klaren Worte des Trainers, der am Montag die Mannschaft auf dem Trainingsplatz regelrecht zusammenfaltete, sind bei den Spielern angekommen. "Wir müssen zurück zur Basis", sagte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, für den die Europa League erst jetzt "richtig los geht. Unser Ziel ist natürlich das Finale."

Seit sieben Spielen ungeschlagen

Abwehrspieler Christoph Metzelder verwies auf frühere Rückschläge in dieser Saison: "Wir haben uns immer ganz gut da rausgearbeitet." In der Tat antworteten die "Königsblauen" auf die drei Niederlagen zuvor unter Stevens stets mit einer Erfolgsserie: Dem 1:2 gegen Kaiserslautern im Oktober folgten vier Siege und zwei Unentschieden, nach dem 0:2 in Dortmund Ende November gewann Schalke fünf Mal in Folge, und nach dem Pokal-Aus kurz vor Weihnachten begann S04 das neue Jahr mit zwei Siegen und einem Remis.

In der Europa League ist der Bundesliga-Vierte sogar seit sieben Spielen ungeschlagen und hat in den letzten drei Auswärtsspielen kein einziges Tor kassiert. Der Gegner aus der Bierstadt sei "eine große Unbekannte", sagte Metzelder, warnte allerdings: "Sie haben in der Champions League ganz ordentlich gespielt. Das wird so oder so ein unangenehmer Gegner." Der tschechische Meister erreichte in der Königsklasse gegen den AC Mailand immerhin ein 2:2.

Seitdem hat der Club aus Westböhmen einen Leistungsträger verloren: Nationalspieler Petr Jiracek ging Felix Magath und dem VfL Wolfsburg ins Netz, im Sommer wird ihm Stürmer Vaclav Pilar folgen. Zudem sorgte der Dopingfall des Verteidigers David Bystron für Aufregung, der für zwei Jahre gesperrt wurde.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Pilsen: Cech - Rajtoral, Cisovsky, Sevinsky, Limbersky - Horvath, Darida - Perzela, Kolar, Pilar - Bakos

Schalke: Unnerstall - Höwedes, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Höger, Jones - Obasi, Raul, Draxler - Huntelaar