Die entscheidende Frage hat Ivica Olic seinen Kindern schon vor ein paar Tagen gestellt. "Ich habe sie gefragt, mit was für einem Trikot sie ins Stadion gehen werden und sie haben Bayern München geantwortet." Insofern: Alles im Lot im Hause Olic vor dem Duell seines aktuellen gegen seinen ehemaligen Club.

Bereits in der Winterpause der vergangenen Saison wurde der Wechsel des kroatischen Stürmers vom Hamburger SV zu den Bayern bekanntgegeben: "Der FC Bayern war immer mein Traum, schon als ich in Moskau gespielt habe. Als es das Angebot gab, habe ich nicht lange überlegt", sagte Olic im Interview mit dem "kicker".

Programmierter Konkurrenzkampf

Die Chance, in der Startformation zu spielen, ist bei keiner anderen Bundesligamannschaft so niedrig wie beim FC Bayern. Das wusste auch der 30-Jährige. Was er allerdings zum Zeitpunkt seiner Entscheidung noch nicht wusste, war, dass sein neuer Verein mit Mario Gomez einen weiteren Topstürmer an die Isar holen würde.

Ergebnis der Münchner Einkaufspolitik: In der Offensive tummeln sich mit Klose, Toni, Gomez und Olic gleich vier Spitzenkräfte. Und dazu noch der junge Thomas Müller. Ein gewaltiger Konkurrenzkampf.

Olic schon vier Mal in der Startformation

Obendrein hatten die Bayern mit Louis van Gaal einen neuen Trainer geholt, und bekanntlich wurde Olic' Wechsel noch in der Ära Klinsmann abgewickelt. Viele Fragezeichen also für den kroatischen Nationalspieler: Welche Formation würde van Gaal wählen? Wie viele Stürmer kommen entsprechend zum Einsatz. Wieviel Kredit bekommt jeder Angreifer vom Trainer?

Letztlich verkürzen sich die ganzen Fragen aber auf eine einzige: Spiele ich? Die Antwort: Ja. Olic kann bislang zufrieden sein. In der Bundesliga stand er bis dato vier Mal in der Startformation und wurde zwei Mal eingewechselt. Die Bilanz: Zwei Tore und eine Torvorlage. Er ist schlau genug, keinen Druck auszuüben. "Ich habe kein Problem damit, von der Bank zu kommen. Und ich weiß, dass ich noch besser werden kann", sagt Olic. Sowas hören Trainer gern.

"Ich freue mich riesig auf den HSV"

Die Umstellung nach dem Wechsel fiel Olic nicht schwer: "In München fühlte ich mich sofort so, als würde ich schon lange hier spielen. Mittlerweile läuft bei mir auch nur noch 'Stern des Südens' im Autoradio", berichtet er und schmunzelt.

Auf die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte freut sich der Angreifer sehr: "Als ich im Sommer den Spielplan gesehen habe, da dachte ich: Siebter Spieltag, das ist noch ganz weit weg. Aber jetzt ist es soweit und ich freue mich riesig. Ich hatte beim HSV sehr viel Spaß, das Spiel findet in einem der besten Stadien statt, da kann man sich doch nur freuen."

Sollte ihm bei seinem Ex-Club ein Tor gelingen, will er keine großen Jubel-Arien anstimmen. "Aus Respekt", wie der Stürmer sagt.

"Es wird ein große Spiel"

Klar, dass sich van Gaal vor dem Duell gegen den HSV Infos von Olic geholt hat. "Ich habe ihm gesagt, dass der HSV eine starke Heimmannschaft ist und ihm meine Meinung über den Spielerkader mitgeteilt. Es wird ein großes Spiel."

Sehr wahrscheinlich wird Olic aktiv dabei sein. Sein Vorteil beim Kampf um die Plätze im Münchner Star-Ensemble: Er ist ein arbeitender Stürmer. Er holt sich die Bälle aus dem Mittelfeld, reißt Löcher, läuft sich stets die Seele aus dem Leib und gibt keinen Zweikampf verloren. Und: Er ist torgefährlich.

In seinen beiden Spielzeiten in der kroatischen Liga erzielte Olic in 56 Spielen 37 Tore. Bei ZSKA Moskau machte er zwischen 2003 und 2006 insgesamt 78 Ligaspiele und traf 35 Mal. Und in seinen zweieinhalb Jahren beim HSV machte der 65-malige kroatische Nationalspieler 78 Bundesligapartien und war 29 Mal vor dem Tor erfolgreich.

Er ist keiner, der große Worte macht, er lässt Taten sprechen. "Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung", sagte einst Albert Einstein. Keine Beschreibung könnte besser auf den Kroaten Ivica Olic zutreffen.

Barnabas Szöcs