München - Stéphane Chapuisat erinnert sich immer wieder gern an das Duell Borussia Dortmund gegen Juventus Turin. Im Mai 1997 stand er in der Elf des BVB, als der Triumph im Finale der Königsklasse gegen die Alte Dame (3:1) im Münchener Olympiastadion perfekt gemacht wurde.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der heutige Scout sowie Stürmer-Trainer von Young Boys Bern, über seine Erinnerungen, das jetzige Rückspiel im Signal-Iduna-Park und warum die Dortmunder im Europapokal sehr weit kommen können.

"Highlight in meiner Spieler-Karriere"

bundesliga.de: Stéphane Chapuisat, als Sie kurz vor Weihnachten erfuhren, dass der BVB im Achtelfinale der Champions League auf Juventus Turin trifft, kamen da bei Ihnen sofort Erinnerungen hoch?

Stéphane Chapuisat: Natürlich, denn dieses Endspiel in der Champions League war eines der größten Highlights in meiner Spieler-Karriere. Es ist eine sehr spezielle Erinnerung.

bundesliga.de: Wie fanden Sie das Hinspiel in Turin, wo Juventus 2:1 gewann?

Chapuisat: Es war sehr interessant. Es ging hin und her. Man darf nicht vergessen, dass der BVB eine schwere sportliche Phase in dieser Saison hatte. Meiner Meinung nach hat Dortmund eine gute Leistung geboten, vor allem in der ersten Halbzeit. Dortmund hätte es verdient gehabt, in Führung zu gehen. Nach der Pause hat sich Juve gesteigert. Insofern können wir uns auf ein tolles Rückspiel freuen.

bundesliga.de: War in Turin nicht mehr drin für die Borussia?

Chapuisat: Es ist schwer zu sagen. Dortmund hat einen Fehler in der Defensive begangen und ist dafür sofort bestraft worden. Beim zweiten Tor stand die Abwehr falsch und wurde somit ausgekontert. Juventus Turin hat ein großartiges Team, das bei jedem Angriff erfolgreich sein kann. In Dortmund muss nun der BVB solche Fehler vermeiden, sonst wird es schwer.

"BVB hat auf jeden Fall das Potenzial"

bundesliga.de: Welche Chancen sehen Sie bei Ihrem ehemaligen Verein? Sind Sie optimistisch?

Chapuisat: Dieses 1:2 lässt auf vieles hoffen. Es ist sehr schwer, eine Prognose zu wagen. Es ist definitiv alles möglich. Der BVB muss ein gewisses Risiko eingehen und wird versuchen müssen, das Tor zu treffen. Aber die Italiener sind auch jederzeit in der Lage ein Tor zu erzielen. Sie brauchen nicht viele Möglichkeiten, um zu treffen. Insofern muss die Borussia vorsichtig bei Juves Aktionen sein und auch in der Defensive kompakt stehen. Der BVB hat auf jeden Fall das Potenzial Juventus in Bedrängnis zu bringen. Wenn er alle Mann an Bord hat, einen guten Tag erwischt und seine Möglichkeiten vor dem gegnerischen Tor ausnutzt, dann wird der BVB die nächste Runde erreichen.

bundesliga.de: Ist Marco Reus Dortmunds Waffe Nummer eins?

Chapuisat: Zwar ist Marco Reus ein hervorragender Spieler, aber ich mag besonders Ilkay Gündogan. Er war viele Monate außer Gefecht und nun ist er wieder der Alte. Seine Erfahrung und seine Präsenz tun der Mannschaft sichtlich gut. Dortmunds Stärke ist auch das Selbstbewusstsein, das die Elf wieder hat, nachdem es in der Bundesliga wieder deutlich besser läuft als in der Hinrunde.

"BVB muss seine Form bestätigen"

bundesliga.de: Sollte der BVB ins Viertelfinale einziehen, ist diesem Team dann in der Königsklasse noch mehr zuzutrauen?

Chapuisat: Klar genießt die Bundesliga die Priorität, aber in der Champions League können die Dortmunder durchaus für viel Furore sorgen, weil sie mit wenig Druck aufspielen können und nichts zu verlieren haben.

bundesliga.de: Und was trauen Sie Dortmund in der Bundesliga zu? Klappt es noch mit dem Einzug in den Europapokal?

Chapuisat: Der BVB muss seine Form der letzten Wochen bestätigen und weiter viele Punkte sammeln. Wichtig werden die Duelle mit den direkten Konkurrenten wie zum Beispiel Borussia Mönchengladbach oder die TSG 1899 Hoffenheim. Wenn Dortmund diese ansteigende Form weiter zeigen kann, ist ein Platz unter den ersten Sechs drin. Wichtiger ist erst einmal, sich definitiv von den Abstiegsbedrohten Teams zu entfernen und sich dabei ein Polster verschaffen. Es wird auf jeden Fall sehr interessant zu sehen, wie es beim BVB weitergeht.

Das Interview führte Alexis Menuge