Bayern München hat nach Startschwierigkeiten zu Saisonbeginn in die Erfolgsspur gefunden. Traditionell dominieren in solchen Fällen offensive Strahlemänner wie Franck Ribery und Arjen Robben die Titelseiten. Doch in München gibt es auch einen stillen Gewinner.

2008 als Nummer zwei hinter Torwart-Talent Michael Rensing verpflichtet, erlebt Jörg Butt im Tor des Fußball-Rekordmeisters derzeit seinen zweiten Frühling.

"Sind mit Jörgs Leistungen sehr zufrieden"

Seit dem vierten Spieltag steht er zwischen den Pfosten. Sein Spiel ist nicht spektakulär, der 35-Jährige strahlt auf und neben dem Platz vor allem zwei Dinge aus: Sachlichkeit und Ruhe. Es passt ins Bild, dass Butt in der laufenden Saison in drei Wettbewerben noch keine einzige Gelbe Karte gesehen hat. "Wir sind mit Jörgs Leistungen sehr zufrieden", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Deshalb wurde der Vertrag mit dem 351-maligen Bundesliga-Spieler vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League am Mittwochabend gegen den AC Florenz bis 2011 verlängert.

"Ich fühle mich topfit", sagte Butt, "und solange das der Fall ist, möchte ich auch Fußball spielen." Glaubt man der Prognose von Oliver Kahn, war es nicht Butts letzter Vertrag. "Wenn er weiter so hält, kann er noch fünf Jahre spielen", sagte der Mann, der in München von 1994 bis 2008 eine Ära prägte, der "Bild-Zeitung" und fügte hinzu: "Ich glaube, man wird mit Jörg als Nummer eins in die kommende Saison gehen."

Kahns Ratschlag: Keine Elfmeter mehr schießen

Allerdings empfahl Kahn seinem ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen, keine Elfmeter mehr zu schießen. Auf seinen Bundesliga-Stationen in Hamburg und Leverkusen war diese Spezialität die einzige Extravaganz, die sich Butt leistete, "aber das passt nicht zu einem großen Verein", findet Kahn. Butt erzielte bisher 26 Tore und würde es wohl verkraften, wenn keine weiteren dazukämen. Er muss nichts mehr beweisen.

2002 wurde er als dritter Nationalkeeper hinter Kahn und Stuttgarts Jens Lehmann Vize-Weltmeister. Anders als seine beiden Kollegen, die stets ein Hauch von Exzentrik umwehte, gibt Butt an, dass ihn nur eine einzige Sache wirklich aus der Ruhe bringe: "Gegentore". Kein Gegner muss Angst davor haben, dass ihm Butt an die Gurgel geht (Kahn) oder seinen Schuh hinter das Tor wirft (Lehmann).

Mit leisen Tönen zurück ins Rampenlicht

Diese Haltung befähigte Butt 2008 dazu, sich mit 34 Jahren beim FC Bayern noch einmal hinten anzustellen. Der gebürtige Oldenburger hat damit Erfahrung - er ist ein Stehaufmännchen. Zum HSV kam er 1997 als Nummer drei und arbeitete sich nach vorn, ehe er 2001 zu Bayer Leverkusen wechselte. Dort schaffte er es 2002 bis ins Finale der Champions League und war unantastbar, bis er 2007 nach einem Handspiel außerhalb des Strafraums mit Rot vom Platz flog und von einem Tag auf den anderen durch seinen Nachfolger Rene Adler ersetzt wurde.

Butt machte keinen Ärger. Er wechselte zu Benfica Lissabon, wo er in einem turbulenten Jahr nicht glücklich wurde. Doch er ergab sich nicht seinem Schicksal, sondern feilte an seinen Fähigkeiten. "Ich habe oft nach dem Training an meiner Strafraumbeherrschung gearbeitet", erinnert sich Butt. Dann wechselte er nach München, wo er sich Rensing gegenüber so loyal präsentierte, wie man es von ihm erwartet hatte, und wartete auf seine Chance. Das Warten hat sich gelohnt.