Köln - Im Sommer wechselte Stefan Reinartz vom Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Bei den Hessen will der 26-Jährige wieder regelmäßig spielen und die Form wiederfinden, die ihn einst zum Nationalspieler machte.

Der Anfang verlief vielversprechend. Im Interview mit bundesliga.de spricht Stefan Reinartz über den Saisonstart, die Systemfrage und die Rolle, die Bastian Oczipka beim Wechsel spielte.

bundesliga.de: Stefan Reinartz, die Eintracht hat zum Saisonauftakt einmal gewonnen, einmal unentschieden gespielt und einmal verloren. Wie ordnen Sie den Start ein?

Stefan Reinartz: Es ist nicht extrem in eine Richtung gegangen. Von den Ergebnissen war es okay. Wir haben uns leistungsmäßig noch Luft nach oben gelassen.

bundesliga.de: Haben Sie den Eindruck, dass die Mannschaft so langsam Schwung aufnimmt?

Reinartz: Das erste Spiel in Wolfsburg (das 1:2 verloren ging, die Red.) fand ich gar nicht so schlecht. Die Partie gegen Augsburg war von der Leistung her nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. In Stuttgart war das Ergebnis sehr gut, die Leistung okay. Wir sind noch ein Stück weit in der Findungsphase. Wir haben eine klare Spielidee und arbeiten noch daran, wie wir die am besten umsetzen.

"Es gibt noch Verbesserungspotenzial"

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Niedermüller

bundesliga.de: Skizzieren Sie doch einmal die Spielidee.

Reinartz: Wir wollen von hinten heraus Fußball spielen und öfter den Ball haben als der Gegner. Das hat bis jetzt nur bedingt funktioniert, wobei das natürlich auch von der Spielweise der gegnerischen Mannschaft abhängt. Gegen den VfB Stuttgart, der extrem gepresst und sehr laufintensiv gespielt hat, macht es nicht so viel Sinn, am eigenen Strafraum mit einem Flachpass hinten rauszuspielen. Grundsätzlich wollen wir aber schon einen gepflegten Spielaufbau haben.

bundesliga.de: Beim Spiel in Stuttgart standen bei der Eintracht vier Neuzugänge in der Startelf. Von den Leistungsträgern der letzten Saison hat eigentlich nur Kevin Trapp den Verein verlassen. Die Mannschaft ist also noch realtiv eingespielt. Kommt diese neue Spielidee der Mannschaft entgegen?

Reinartz: Das werden wir sehen. Ich denke schon, dass wir es können. Die Spielidee ist prinzipiell gut. Es gibt im Moment mehrere konkurrierende Systeme in der Bundesliga. Unsere Spielweise ist im Vergleich zu anderen momentan nicht unbedingt die topmodernste und angesagteste. Viele Mannschaften gehen sehr auf Gegenpressing und zweite Bälle. Ich bin selbst gespannt, was sich in der Bundesliga durchsetzen wird und wohin sich der Fußball entwickelt.

bundesliga.de: Sie sind vor allem auch deshalb nach Frankfurt gegangen, um mehr Spielpraxis als zuvor in Leverkusen zu bekommen. Sie haben die ersten drei Bundesliga-Spiele durchgespielt und auch schon ein Tor geschossen. Ist Ihnen die Eingewöhnung in Frankfurt leicht gefallen?

Reinartz: Es läuft noch nicht alles optimal. Der Start war okay. Man merkt aber natürlich, dass mit zehn neuen Mitspielern noch nicht alles vom ersten Tag an funktionieren kann und noch ein paar Abstimmungsprobleme vorhanden sind. Wir sind ordentlich gestartet, aber es gibt noch Verbesserungspotenzial.

bundesliga.de: Welche Rolle hat Ihr Teamkollege Bastian Oczipka bei Ihrem Wechsel nach Frankfurt gespielt, den Sie noch aus gemeinsamen Zeiten in Leverkusen gut kennen?

Reinartz: Ich habe mich natürlich mit ihm ausgetauscht. Aber er war ja ein bisschen befangen. (lacht) Er wollte, dass ich zur Eintracht komme. Insofern musste ich herausfinden, ob alles der Wahrheit entspricht, was er mir gesagt hat. Aber er hat es ja geschafft, dass ich gekommen bin.

bundesliga.de: Hat es der Wahrheit entsprochen?

Reinartz: Ja, vieles schon.

"Die Fans sind der Unterschied"

bundesliga.de: Beschreiben Sie doch einmal den Unterschied zwischen Frankfurt und Leverkusen. Hier die Großstadt, der Verein mit vielen Fans und Tradition, auf der anderen Seite die Werkself, die international Dauergast ist.

Reinartz: Den internationalen Fußball bekommt man in Leverkusen aber auch nicht geschenkt. Den mussten wir uns erarbeiten. Die Fans sind ein Unterschied. Obwohl ich es gewusst habe, war ich überrascht, dass unser Saisoneröffnungsspiel gegen den FC Tokio ausverkauft war. Über 50.000 Zuschauer sind schon eine Hausnummer. Man merkt auch, dass wir hier extrem viel Presse haben, viele Tageszeitungen, die berichten wollen. Das unterscheidet sich stark von Leverkusen, wo es einen Ticken ruhiger ist.

bundesliga.de: Ist die Eintracht in der Stadt auch verwurzelter als die Werkself?

Reinartz: Das kann ich noch nicht beurteilen. Bayer Leverkusen ist in der Stadt Leverkusen extrem präsent. Allerdings ist Leverkusen auch nicht so groß. (lacht)

bundesliga.de: Was ist für die Eintracht in der Saison drin? Haben Sie eine Tendenz erkennen können, wohin der Weg der Eintracht geht?

Reinartz: Nein. Vier Punkte aus drei Spielen lassen Interpretationen in alle Richtungen offen. Wenn wir das nächste Spiel gewinnen und sieben Punkte aus vier Spielen haben, ist es ein guter Start, bei einer Niederlage nicht. Das wird sich wohl durch die ganze Saison ziehen. Mit zwei, drei Siegen ist man wahrscheinlich nahe an der Europa League dran, mit einigen Niederlagen in Folge rutscht man schnell in die Nähe der Abstiegsränge.

bundesliga.de: Sie haben das nächste Spiel angesprochen. Es geht gegen den 1. FC Köln, der sieben Punkte aus den ersten drei Spielen eingefahren hat. Sie kennen den Nachbarn FC noch aus Ihrer Zeit in Leverkusen. Was macht die Aufgabe gegen Köln schwer?

Reinartz: Ich gehe davon aus, dass es ein schweres Spiel wird. Letztes Jahr haben die Kölner extrem defensiv und gut gestanden und waren vorne durch Konter gefährlich. Sie wollten nun in der neuen Saison ihre Spielweise ein Stück weit ändern. Das scheint gut gelungen zu sein, wie man an dem Start sieht. Trotzdem haben wir ein Heimspiel, das wir gewinnen wollen. Mit einem guten Spiel werden wir die Kölner auch knacken.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski