Hannover -  46 Minuten sind gespielt in der AWD Arena, da stehen Schiedsrichter Marco Fritz und die Spieler von Hannover 96 erneut zu einem Anstoß bereit. Doch sie müssen sich gedulden. Alle Leverkusener Feldspieler feiern tief in der Hälfte ihren Torsschützen.

Kein Wunder: Nach 859 torlosen Minuten hat Stefan Kießling endlich wieder getroffen. Eine so lange Durststrecke hatte der Torschützenkönig von 2013 in zwölf Profijahren nicht erlebt. Und Bayer ist nach nur einem Sieg in den vergangenen sechs Ligaspielen und dem Sturz von der Tabellenspitze auf Rang 6 an den 96ern vorbeigezogen und wieder in der Spur Richtung Champions League.

Kießling - ein stiller Genießer

Während Kießling die Erlösung in aller Stille genoss und den wartenden Medienvertreter jedes Interview verweigerte, taten das stellvertretend seine Mitspieler und Offizielle des Vereins.
"Er hat immer Gas gegeben und sich mit seinem Tor nun endlich wieder einmal belohnt. Wir alle freuen uns für ihn", so Keeper Bernd Leno. Und Rudi Völler sprach aus eigener Erfahrung. "Jeder Stürmer hat so eine Krise doch schon erlebt. Ich auch", sagte der Sportdirektor. "Da ist so ein Tor extrem wichtig."

"Er beschäftigt immer zwei Gegenspieler"

Wie wichtig die Tore des 30-Jährigen für die Werkself sind, zeigt ein Blick auf die Statistik der vergangenen Saison. Elf Punkte mehr hatte Bayer Dank der Tore des Top-Stürmers auf dem Konto, statt im Mittelfeld der Tabelle auf Rang acht zog die Werkself in die Champions League ein.

Doch allein an Toren will Roger Schmidt seinen Angreifer nicht messen. "Das ist super für ihn, und ich freue mich für ihn", so der Bayer-Trainer, "aber auch ohjne Tor hat er eine sehr gute Partie gemacht. Und das nicht nur heute. Stefan ackert pausenlos für die Mannschaft, reißt Löcher und beschäftigt immer ein, zwei Verteidiger des Gegners."

Schöne Woche mit Kießling-Treffern?

"Natürlich war das ein ganz wichtiges Tor", so Schmidt. "Es war das schwere Spiel, das wir erwartet haben, In der ersten Halbzeit begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe. Es war ein Abnutzungskampf. nach dem 1:0 haben wir dann das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagert. Und ich hatte den Eindruck, dass wir uns das Spiel nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Auch, wenn es nach hinten hin ein bisschen weniger wurde."

Grund genug für die richtige Mischung aus Training und Pflege, denn "am Mittwoch wollen wir gegen Monaco den Einzug in die K.o.-Runde der Champions League klarmachen", so Leno. Und dann kommt es am Samstag in der BayArena zum prestigeträchtigen Duell rechtes gegen linkes Rheinufer gegen den Nachbarn 1. FC Köln. "Das kann eine schöne Woche werden", blickt Leno auf die kommenden Aufgaben in der Champions League gegen den AS Monaco (Mittwoch, 20:45 Uhr) und das prestigeträchtige Duell gegen den Nachbarn 1. FC Köln voraus. Vor allen Dingen, wenn Kießling wieder regelmäßig trifft.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs