München - Ein Blick in die Historie der Bundesliga legt den Schluss nahe, dass der FC Bayern auf dem Weg zur 23. Meisterschaft nicht mehr aufzuhalten ist - zumindest wenn man den nackten Zahlen glaubt. bundesliga.de wagt einen statistischen Ausblick auf die Rückrunde.

Für die Prognose wurden die Hinrundenpunkte der Teams mit den Durchschnittspunkten addiert, die sie durchschnittlich in ihren Rückrunden geholt haben.

Prognose: Bayern vor Dortmund

Für die Bayern würde das bedeuten, dass sie laut Prognose am Ende der Saison auf 69 Punkte kämen. Im Moment haben die Münchener 37 Punkte auf ihrem Konto. In der Rückrunde haben sie in der Vergangenheit durchschnittlich 32 Zähler geholt. Zusammengezählt ergibt das 69 Punkte, welche die Prognose bilden.

Führt man dieses Rechenspiel nun für alle anderen Bundesligisten durch, ergibt sich eine Prognose für die Abschlusstabelle dieser Saison, bei der Dortmund vor Gladbach Platz 2 holen würde.

Da Dortmund im Gegensatz zu den 32 Punkten der Bayern im Schnitt nur 25 Rückrundenpunkte geholt hat, wäre das Meisterschaftsrennen eindeutig entschieden - der Titelverteidiger käme nur auf 59 Zähler. Den 2. Platz würde der BVB behaupten, denn Schalke holte im Schnitt 24 Rückrunden-Punkte und würde damit lediglich auf 58 kommen - womit sie aufgrund des Torverhältnisses hinter Gladbach auf Rang 4 fallen würden. Die "Fohlen" ergatterten bisher im Schnitt, wie der BVB, 25 Punkte in der Rückrunde und würden damit ebenfalls bei 58 Zählern landen.

Verschiebungen im Tabellenkeller

Im Abstiegskampf käme es zu einigen gravierenden Verschiebungen in der Tabelle. Während Kaiserslautern starke 24 Punkte "erwarten" könnte, fiele das Resultat für Nürnberg mit 19 Punkten in der Rückrunde bescheidener aus. Das würde dazu führen, dass Kaiserslautern das rettende Ufer auf Rang 15 erreichen würde, während Nürnberg in die Relegation müsste.

Freiburg und Augsburg würden die Plätze tauschen. Da der FCA noch keine Rückrunde in der Bundesliga gespielt hat, wurden für die Prognose die Hinrundenpunkte verdoppelt. Damit kämen die Augsburger auf 30 Punkte, während Freiburg dank durchschnittlich 19 Rückrundenpunkten noch 32 Zähler erreichen würde.

Für Leverkusen ist noch alles möglich

Soweit die Prognose - doch es gab in der Vergangenheit auch Beispiele für gravierendere Änderungen als die maximal zwei Plätze, die anhand der Durchschnittswerte prognostiziert wurden.

Was in der Rückrunde drin ist, könnte in dieser Saison Bayer Leverkusen erfahren. Mit 26 Punkten steht die "Werkself" auf Rang 6 der Tabelle. Für das Team von Robin Dutt ist noch die gesamte Bandbreite an Platzierungen möglich. Mit 26 Punkten zur Saison-Halbzeit wurde der VfL Wolfsburg 2009 noch Meister, während Eintracht Frankfurt in der vergangen Saison mit eben dieser Punktzahl am Ende abgestiegen ist.

Historische Höhenflüge und Debakel

Die Veränderungen können sogar noch deutlicher ausfallen - und zwar in beide Richtungen. Die größte Tabellenplatzverbesserung von der Hinrunde zum Saisonende schaffte der Hamburger SV in der Saison 2006/2007. Die Hanseaten verbesserten sich von Rang 17 nach der Hinrunde auf Rang 7 am Ende der Saison. Den gleichen Sprung von 17 auf 7 schaffte Schalke in der Spielzeit 1968/1969.

In die andere Richtung gab es noch größere Differenzen zwischen Hinrunde und Rückrunde. Den größten Einbruch verzeichnete der MSV Duisburg in der Rückrunde 1992. Nachdem die Duisburger zum Jahreswechsel noch auf Tabellenplatz 7 gestanden hatten, rangierten sie am Ende der Saison auf einem desaströsen 19. Platz - eine Verschlechterung um zwölf Plätze. Ebenso viele Plätze verlor der HSV in der Saison 1966/1967, die Hamburger waren nach der Hinrunde noch mitten im Meisterschaftskampf auf Platz 2, und fielen in der Rückrunde noch auf Rang 14 in den Abstiegskampf zurück.

Diese Beispiele zeigen, wie viel in der Rückrunde möglich ist. Aber bei aller Liebe zur Statistik gilt doch immer, was schon der ehemalige Bundesliga-Trainer Alfred Preißler wusste: "Grau is alle Theorie - entscheidend is auf'm Platz."

Daniel Knoke