München - Das Eröffnungsspiel ist bereits Geschichte. Timo Konietzka erzielte am 24. August 1963 für Borussia Dortmund bei Werder Bremen in der 1. Minute den ersten Treffer der Bundesliga-Geschichte. Auf den Tag genau 49 Jahre später eröffnen diese beiden Teams am Freitagabend in feierlichem Rahmen die 50. Saison und Jubiläums-Spielzeit der weiterhin boomenden und sportlich so überaus attraktiven Liga.

Liga-Präsident Reinhard Rauball wird traditionell den offiziellen Startschuss in jenem Stadion geben, in dem der amtierende Meister beheimatet ist. Selbst für den Juristen und Kopfmenschen Rauball ist es ein besonders emotionaler Moment. Denn vor 112 Tagen, am 5. Mai, durfte der BVB-Präsident an gleicher Stelle seinem Club zum zweiten Mal in Folge die Meisterschale überreichen.

BVB und Bayern in der Favoritenrolle



Kein Wunder also, dass die "Schwarz-Gelben", die ihrer Rekordsaison (81 Punkte) mit dem Pokalsieg die Krone aufsetzten, bei der Konkurrenz zusammen mit dem FC Bayern München als Top-Favorit auf den Titel gehandelt werden. Doch die Westfalen üben sich weiterhin in Zurückhaltung.

"Wer am Ende oben steht? Ich weiß es nicht. Ich glaube, die anderen wissen es auch nicht. Es gibt nur einen Verein, für den es die einzige Möglichkeit ist, erfolgreich zu sein, das ist Bayern München. Ich freue mich einfach, dass wir dabei sind", sagte der Trainer des Jahres, Dortmunds Coach Jürgen Klopp. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geht "unaufgeregt und gelassen" ins Unternehmen Titelverteidigung: "Der FC Bayern ist nach wie vor der Branchenprimus."

Die Münchner spielten den Ball prompt zurück: "Wenn eine Mannschaft zwei Mal hintereinander Meister wird, kann sie die Favoritenrolle nicht abstreiten. Aber natürlich werden wir Borussia Dortmund attackieren und alles daran setzen, dass wir wieder den Titel nach München holen", sagte Coach Jupp Heynckes. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge prophezeite dem FCB am Dienstag sogar ein "hartes, kein einfaches Jahr".

"Jeder kann jeden schlagen"



Laut Rauball ist es ohnehin "eine der Stärken dieser Liga, dass jeder jeden schlagen kann". Die vergangene Saison habe erneut bewiesen, dass Geld keine Tore schießt.

Auch eine neue Zuschauer-Bestmarke (Saison 2011/12: 44.293 im Schnitt) ist nicht ausgeschlossen. Und im finanziellen Bereich ist Wachstum programmiert, nicht nur durch den neuen Fernsehvertrag, der ab der Spielzeit 2013/14 greifen und den Profi-Clubs Millionen bescheren wird. Eine Arbeitsgruppe brütet bereits über dem Verteilungsschlüssel.

Die Wirtschaftskraft der Liga steigt. Der Umsatz der 18 Vereine beträgt inzwischen zwei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Gesamtetat der 16 Bundesliga-Gründungsclubs belief sich auf vergleichsweise bescheidene 25 Millionen Mark.

Nur ein internationaler Titel fehlt



Damit belegt die deutsche Eliteliga mittlerweile hinter England und vor Spanien und Italien Platz zwei in der Umsatz-Rangliste von Europas Top-Ligen. Die Spiele werden weltweit in vielen Ländern im TV übertragen - Tendenz steigend.

Die Bundesliga, des deutschen "liebstes Kind", hat sich in einen riesigen Unterhaltungskonzern verwandelt. Was ihr zur Krönung noch fehlt, ist ein internationaler Titel als prunkvolles Etikett. Seit dem Champions-League-Sieg der Bayern 2001 stehen lediglich einige Final-Teilnahmen in diversen Wettbewerben in der Chronik. Zuletzt gab der FC Chelsea im Finale der "Königsklasse" am 19. Mai den Münchnern das Nachsehen.

Am Freitagabend vor 80.645 Zuschauern im seit langem ausverkauften Signal Iduna Park wird sich die Liga beim historischen Eröffnungsspiel dennoch von ihrer glanzvollsten Seite zeigen. Für Reinhard Rauball ist bei seinem Heimspiel Gänsehaut garantiert.