Mönchengladbach - Die Situation prekär, die Hoffnung auf den Klassenerhalt verschwindend gering, doch Lucien Favre startet mit großer Zuversicht in seine "Mission impossible" bei Borussia Mönchengladbach.

"Wir haben noch zwölf Spiele und es gibt noch 36 Punkte zu holen. Wir können es schaffen", sagte der Schweizer vor seinem Debüt auf der Trainerbank des Tabellenletzten im Heimspiel gegen Schalke 04 am Sonntag (ab 17 Uhr im Live-Ticker).

Von einem "Wunder" will er nicht sprechen. "Im Fußball kann alles schnell gehen. Wir haben ein hartes Programm, aber das macht es interessant. Es ist möglich, den Abstieg zu vermeiden", betonte Favre und versuchte, seinen verunsicherten Spielern neues Selbstbewusstsein zu vermitteln.

Favre: "Jede Mannschaft hat auch Schwächen"

Akribisch hat der 53-Jährige seine zweite Station im deutschen Profifußball in Angriff genommen, viele Einzelgespräche geführt und in langen Trainingseinheiten den Borussen seine taktischen Gedankenspiele vermittelt.

Immer wieder fallen Wörter wie Spaß, Leidenschaft, Spielintelligenz oder Balleroberung - alles Aspekte, die nicht gerade für das Gladbacher Spiel in den bisherigen 22 Saisonspielen standen. Doch will Favre, der einen Vertrag bis 2013 unterschrieb, tatsächlich den dritten Abstieg abwenden, muss er in erster Linie die Heimmisere beenden. Seit April 2010 hat die Borussia kein Heimspiel mehr gewonnen.

Gegen den Vizemeister soll die Negativserie reißen. "Schalke ist eine Top-Mannschaft, aber jede Mannschaft hat auch Schwächen", sagte Favre. Der Trainer wollte noch nichts Genaueres zu seiner Aufstellung verraten, nicht einmal zur Torwartposition. Mit Ausnahme von Marc-André ter Stegen (Muskelfaserriss) und Jean-Sebastién Jaurès (Knieprobleme) kann der Schweizer Coach auf alle Spieler zurückgreifen. Auch auf Havard Nordtveit, dem unter der Woche eine Prellung Probleme bereitete und auf Marco Reus, der seinen Muskelfaserriss auskuriert hat. Stürmer Igor de Camargo sitzt seine Rotsperre aus dem vergangenen Spiel beim FC St. Pauli (1:3) ab.

Schalke mit Rückenwind aus der "Königsklasse"

Die Gladbacher treffen auf Gegner, die mit reichlich Selbstvertrauen vom Champions-League-Spiel aus Valencia (1:1) zurückgekehrt sind. Schalkes Trainer Felix Magath sieht seine Mannschaft im Vorteil, weil die Formkurve seiner Schützlinge sowohl in Valencia als auch gegen den SC Freiburg (1:0) nach oben zeigte.

Aber auch, "weil die Gladbacher Mannschaft durch die Misserfolge der Vergangenheit immer noch unsicher sein wird. Deshalb müssen wir versuchen, diese Unsicherheit auszunutzen." Von Beginn an werde seine Mannschaft nach vorne spielen. Dass der Gegner einen neuen Cheftrainer hat, sei natürlich "immer unangenehm", so Magath.

Magath glaubt, dass ein Trainerwechsel stets einen gewissen, wenn auch nur kurzfristigen Motivationsschub mit sich bringe: "Die Spieler wollen sich beim neuen Mann zeigen und legen daher oftmals eine Schippe drauf." Ohnehin habe Gladbach fast schon die letzte Gelegenheit, "um mit einem Sieg am Sonntag die Chance auf den Klassenerhalt zu wahren. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass der Gegner ums Überleben kämpfen wird."