Köln - Seit über 30 Jahren steigt bei den Fanclubs des FC Bayern München die Vorfreude, je näher Weihnachten rückt. Dabei geht es nicht um den 24. Dezember und Geschenke zu Heiligabend. Bescherung findet in dem Fall früher statt - dieses Jahr bereits am 29. November.

Am Sonntag schwärmten die Stars des deutschen Rekordmeisters zu ihren traditionellen Weihnachtsbesuchen bei einigen ihrer Fanclubs aus - übrigens inklusive der Clubspitze um Präsident Karl Hopfner, den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Sport-Vorstand Matthias Sammer. Selbst Cheftrainer Pep Guardiola setzte sich ins Auto und sorgte in Vilsbiburg bei den "Bayern Bazis" in Niederbayern bei Landshut für den Ausnahmezustand.

Unterwegs im ganzen Land

Was sich rund um den FC Bayern München abspielt, ist eine Art Lotteriespiel mit einem besonderen Hauptgewinn. Zu gewinnen gibt es für rund 27 der insgesamt 4030 registrierten FCB-Fanclubs einen Star der Münchner. Unter den "Bewerbern" wird gelost – wer Glück hat, bekommt für rund zwei bis drei Stunden hohen Besuch auf seiner Fanclub-Weihnachtsfeier. 

Der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga dürfte der einzige Verein der Welt sein, der mit der aufwendigen Aktion besondere Nähe zu seinen über 314.919 weltweit registrierten Anhängern dokumentiert. Der Reiseradius hat mitten in der laufenden Saison bei einem Spielrhythmus von nahezu drei Tagen natürlich seine Grenzen. Was möglich ist, aber nehmen die Bayern auf sich.

Von Südtirol bis Hamburg, von Potsdam bis Traunstein und den Besuchen in den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind die Reiseziele gestreut. Dabei kann sich der Kader der FCB-Reisegesellschaft sehen lassen. Alles, was Rang und Namen hat, ist dabei. Einmal, nämlich 2014, musste das Spektakel wegen der Club-Weltmeisterschaft in den Januar verlegt werden – quasi als "Neujahrsempfang".

Guardiola beim Maßkrugstemmen

Innenverteidiger Jerome Boateng jettete dieses Jahr per Flugzeug zu den "The flying stars" nach Potsdam, Torjäger Robert Lewandowski ließ sich die 165 Kilometer zu den "Bayern-Freunden" nach Weinsfeld kutschieren, Sturmkollege Thomas Müller nahm die 214 Kilometer in die Nähe von Passau nach Hauzenberg und "Hauzenberger Bayern-Power" auf sich, Flügelflitzer Arjen Robben kurvte nach Traunstein zum Fanclub "Rot-weiße Traun", Nationalkeeper Manuel Neuer fuhr nach Neufahrn zu "De roud weißen Neiflinger",  WM-Final-Torschütze Mario Götze reiste nach Bergisch-Gladbach zu "Die Elche" und Sportvorstand Sammer stieg zum "Fanclubverbund Sachsen" in Großpösna in Flugzeug und Auto wo – je nach Fanclubgröße - 80 bis über 700 Fans mit Autogrammwünschen, Redebedarf und Überraschungen wie ein Schwertschlucker bei Javier Martinez warteten.

© gettyimages / Alexander Hassenstein

Versteht sich von selbst, dass die Aktion einige Wochen Vorbereitungszeit braucht. Das aber, glaubt der FC Bayern, ist es wert, denn besondere Nähe zahlt sich aus. Selbst der Direktor Fan-Betreuung Raimond Aumann steigt in die Bütt und fährt nach Vechta zu den "Bakumer Germanen". Schon zur aktiven Zeit des heute 52-Jährigen Ex-Torwarts (1982 – 1994), sechsmaligen Deutschen Meisters und Weltmeisters von 1990 gab es die weihnachtlichen Fanclub-Besuche. "Das", so Aumann, "ist auch ein kleines Dankeschön an unsere Fans, die viel auf sich nehmen, um uns zu unterstützen".

Geschenke aber gab es auch für die Bayern-Stars, die im Gegenzug fleißig Autogramme schrieben und zu gemeinsamen Fotos bereit standen. Mancher allerdings musste sich inmitten vieler Nikoläuse einer besonderen Prüfung unterziehen bevor es ans ausgelassene feiern ging. Trainer Pep Guardiola machte beim Maßkrugstemmen gegen versierte Experten eine gute Figur. Mittelfeldstratege Xabi Alonso erwies sich als Handwerker von Weltklasse, als er mit Hammer und Nägeln hantierte.   

Von Oliver Trust

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