Köln - Rollstuhlfahrer gehören inzwischen seit Jahrzehnten zum Alltag eines Bundesliga-Spieltags. So war es schon in den neunziger Jahren ein gewohntes Bild im damaligen Köln-Müngersdorfer Stadion, dass sich die FC-Spieler bei ihren "Rolli-Fans" am Rand der roten Tartan-Laufbahn nach Spielschluss bedankten.

Heute finden viele weitere Fans mit anderen Formen der Behinderung regelmäßig den Weg ins Bundesliga-Stadion: hörgeschädigte, blinde oder sehbehinderte Zuschauer.

Jährliche Qualifizierungsseminare für Blindenreporter

Blinde und sehbehinderte Fußballfans erhalten bei mittlerweile mehr als zwei Drittel der Clubs in Bundesliga und 2. Bundesliga eine Audio-Live-Reportage durch einen speziell geschulten Reporter. Aufgabe des so genannten Blindenreporters ist es, das Stadionerlebnis für blinde und sehbehinderte Fußballfans hautnah erlebbar zu machen.

Um diesen außergewöhnlichen Service für Blinde und Sehgeschädigte fortlaufend zu verbessern, führt die DFL Deutsche Fußball Liga jährliche Qualifizierungsseminare für diese Blindenreporter durch. Den ersten Live-Kommentator dieser Art hatte Bayer 04 Leverkusen am 15. Oktober 1999 beim Heimspiel gegen den SSV Ulm 1846 eingesetzt.

Mehrere DEAF-Fanclubs gegründet

Daneben haben sich in den vergangenen Jahren bei einigen Vereinen so genannte DEAF-Fanclubs mit gehörlosen Mitgliedern gegründet, deren Belange zukünftig ebenfalls stärker berücksichtigt werden sollen.

Um den speziellen Belangen von Fußballfans mit Handicap Rechnung zu tragen, wurden bei den meisten Clubs Behindertenfanbeauftragte installiert. Der Behindertenfanbeauftragte ist Spezialist in Fragen rund um die Betreuung von Fußballfans mit Handicap.

Netzwerk von Experten

Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit verschiedenen Behindertenfanorganisationen wie beispielsweise der Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft (BBAG e.V.), dem Fanclub Sehhunde e.V. (Sehbehinderte) oder auch Gehörlosen-Fanclubs wurde mittlerweile ein Netzwerk geschaffen, das bei vielen Projekten der DFL mit der jeweiligen Fachexpertise einbezogen wird. Nur durch die Mitwirkung dieser Behindertenorganisationen ist es möglich geworden, den Clubs eine umfassende Beratung bezogen auf die Belange von Menschen mit Behinderung zu geben.

So stellt beispielsweise Arminia Bielefeld neben den Rollstuhl-und Sehbehindertenplätzen noch speziell 34 Plätze für geistig Behinderte und Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70 Prozent sowie 20 Plätze für schwerstgehbehinderte Menschen mit einem GdB von mindestens 70 Prozent bereit.