Hamburg - Gut gekämpft und trotzdem verloren: Mit der vierten Niederlage in Folge wird die Abstiegsgefahr für den FC St. Pauli immer größer. Seit dem Derby-Sieg im Nachholspiel über den großen Nachbarn Hamburger SV haben die Stadtteilkicker nur noch verloren. Galt nach dem Derby noch die Statistik, dass noch nie eine Mannschaft abgestiegen ist, die nach 22 Spieltagen 28 Punkte gesammelt hat, finden sich die "Kiez-Kicker" nur vier Spiele später auf Relegationsrang 16 wieder. Es droht der bittere Gang zurück in Liga zwei.

"St. Pauli hat ein geiles Spiel gemacht. Power-Fußball ohne Ende!" Für das Lob von Gäste-Trainer Bruno Labbadia konnten sich die Gastgeber nach der 1:2-Niederlage im Abstiegs-Duell gegen den VfB Stuttgart nichts kaufen.

"Es geht in die richtige Richtung"

Trotzdem macht die Partie gegen die Stuttgarter Mut. "Ich bin enttäuscht, dass wir unsere Leistung nicht in Punkte umsetzen konnten. Das war nach drei schwachen Spielen endlich wieder ein gutes Spiel von uns. Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Es geht in die richtige Richtung", meinte Trainer Holger Stanislawski zu dem Spiel seiner Mannschaft.

"Das ist der Weg, den wir weitergehen müssen", zeigte sich Ralph Gunesch gegenüber bundesliga.de ebenfalls zufrieden mit dem Spiel und mahnt zur Ruhe: "Wer jetzt Panik macht, ist auf dem falschen Weg."

Immer auf Sieg spielen

Dabei ist den Spielern bewusst, dass angesichts des Restprogramms die Luft immer dünner wird. "Nach der Pleite ist scheißegal, ob wir gegen Frankfurt spielen oder gegen Bayern. Wir müssen jede Woche auf drei Punkte spielen", beschreibt Keeper Thomas Kessler die Situation des Aufsteigers acht Spieltage vor Ende der Saison.

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Acht Spieltage voller Dramatik. Fünf Punkte trennen St. Pauli von Borussia Mönchengladbach auf Rang 18, aber auch von Schalke 04 auf dem sicheren Mittelfeldrang zehn.

Zuhause keine Macht

Besonders am einst gefürchteten Millerntor liegen die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück. Erst vier Heimsiege konnten die Hamburger vor stets ausverkauften Rängen feiern. Eben so viele wie auf gegnerischen Plätzen. Der ein oder andere Punkt mehr hätte es laut Florian Bruns schon sein dürfen.

"Wir wollen jedes Spiel gewinnen", erklärt der Mittelfeldspieler die Philosophie der Norddeutschen. "Aber manchmal muss man auch den einen Punkt mitnehmen. In unserer Situation ist jeder Punkt wichtig. Da muss man auch mal Beton anrühren", ärgert sich der 31-Jährige gegenüber bundesliga.de über die verschenkten Punkte in den Schlussminuten der letzten beiden Heimspiele gegen Hannover und Stuttgart.

Gute Auftritte gegen direkte Konkurrenten

Gegen Eintracht Frankfurt sind die Hamburger fast schon zum Siegen verdammt, um den Abwärtstrend zu stoppen. Immerhin hat St. Pauli in der Rückrunde durchaus bewiesen, dass es für Punkte gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf gut ist, denn zum einen blieb die Partie gegen den VfB lange Zeit offen, zum anderen gewann man gegen Mönchengladbach und Köln.

Und diese Siege will der Trainer weiter mit erfrischendem Offensiv-Fußball erringen. Eine Abkehr von seiner Philosophie werde es nicht geben. "Wir haben immer auf Angriff gespielt, und das wird sich auch nicht ändern, so lange ich hier Trainer bin", stellt St. Paulis Urgestein Stanislawski klar. Es wäre hilfreich, wenn außer dem Lob der gegnerischen Trainer auch wieder mal etwas Zählbares aus den Angriffsbemühungen herausspringen würde.

Jürgen Blöhs