Hamburg - Miroslav Klose und Mario Gomez, nur Klose oder vielleicht nur Gomez - ist das hier die Frage? Beim Prestige-Duell mit den Niederlanden am Dienstag in Hamburg (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) wird Bundestrainer Joachim Löw das System mit beiden Top-Torjägern zwar voraussichtlich einem Härtetest unterziehen. Mit Blick auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine sehen sich die beiden Stürmer aber in einem harten Konkurrenzkampf um nur einen Platz im deutschen Angriff.

"Das wird wohl nicht das System sein, das wir bei der EM spielen. Es wäre eher ein angepasstes System für bestimmte Gegner. Ich glaube nicht, dass der Bundestrainer das System umstellt, nur weil wir beide spielen wollen", sagte Gomez im "kicker" zur Zwei-Stürmer-Variante. Auch Klose äußerte sich dazu zuletzt skeptisch: Derartige Taktikumstellungen würden nicht "von heute auf morgen" funktionieren, sondern bedürften mehrerer Testläufe.

Gomez hat aufgeholt

Viele Gelegenheiten, das 4-4-2 nachhaltig zu testen, bleiben Löw bis zur EM aber nicht mehr, weshalb Klose und Gomez auf Sicht von einem Zweikampf ausgehen. "Es bleibt ein Kampf zwischen Miro und mir. Wir wollen beide den einen Platz", meinte Gomez, der sich aber längst als "ernsthafte Alternative" zu Klose sieht.

In der Tat hat der 26-Jährige in den vergangenen Monaten viele Pluspunkte gesammelt. In Abwesenheit des einige Male verletzten Klose erzielte er wichtige Tore und setzte Akzente. Beim 3:3 am Freitag in der Ukraine durfte der Bayern-Torjäger in seinem 50. Länderspiel (21 Tore) sogar erstmals die Kapitänsbinde tragen - was seine gesteigerte Wertschätzung auch nach außen zu unterstreichen schien.

Klose auf Müllers Spuren

Klose kann derweil für sich in Anspruch nehmen, dass er in der DFB-Auswahl eigentlich immer überzeugte. Nicht umsonst wandelt der 33-Jährige von Lazio Rom auf den Spuren von Gerd Müller. Mit bisher 62 Toren in 112 Länderspielen fehlen ihm inzwischen nur noch sechs Treffer, um den "Bomber der Nation" in der "ewigen" DFB-Torjägerliste einzuholen.

Deshalb lassen ihn die Diskussionen um den deutschen Angriff auch kalt. "Das habe ich schon oft gehört, ohne dass sich etwas geändert hätte", sagte der Ex-Münchner der "Sport Bild": "Ich mache mein Ding. Ich weiß aus Erfahrung, dass sich Qualität immer durchsetzt." Aber auch er spricht von einem "extremen Konkurrenzkampf".

"Sind beide keine Stinkstiefel"

Der aber ausschließlich mit fairen Mitteln ausgetragen wird. "Wir sind vom Charakter her beide keine Stinkstiefel. Auch wenn es für viele von außen her schwer nachzuvollziehen ist: Es ist ein sportlich fairer Zweikampf, mehr nicht", betonte Gomez bereits.

Löw habe ein "Luxusproblem", meinte zuletzt sogar "Kaiser" Franz Beckenbauer angesichts der Klasse von Klose und Gomez. Während Klose seit Sommer in Italien für Furore sorgt, schießt Gomez für den Rekordmeister Tore wie am Fließband.

Qual der Wahl

Gomez, Torschützenkönig der Vorsaison, bringt es in der Liga nach nur zwölf Spieltagen bereits wieder auf 13 Treffer. Dazu kommen fünf Tore in der Champions League, zwei in der DFB-Auswahl und ein Treffer im DFB-Pokal. Mit dieser Bilanz liegt er vor Klose, der in dieser Spielzeit in der Serie A sechs Mal, in der Europa League zwei Mal und in der DFB-Auswahl ein Mal erfolgreich war.

Wenn beide am Dienstagabend in der Imtech Arena beginnen, wäre dies immerhin bereits zum zehnten Mal der Fall. Zuletzt durfte das Duo am 12. August 2009 beim 2:0 in Aserbaidschan gemeinsam auflaufen.