Lissabon - Mit dem Schlusspfiff ließen die Schalker Spieler im Stadion Jose Alvalade die Köpfe hängen. Sie wussten, dass das 2:4 bei Sporting Lissabon nicht nur eine verdiente Niederlage war, sondern dass nach dem Ausfall von Julian Draxler vom Wochenende auch schonungslos die Probleme in der Offensive deutlich wurden.

"In der ersten Halbzeit haben wir keinen vernünftigen Spielaufbau hinbekommen - und sind deshalb unter Druck geraten“, übte Kapitän Benedikt Höwedes Selbstkritik. Dennis Aogo, der mit dem zwischenzeitlichen 2:3 sein erstes Pflichtspieltor für die Königsblauen erzielte, pflichtete ihm bei: "Wir müssen die Gründe für die Niederlage bei uns suchen. Ich glaube nicht, dass Lissabon so stark war, dass wir hätten verlieren müssen.“

Die Folge war, dass auch die zuletzt so stabil stehende Defensive ungewohnte Lücken ließ. Torhüter Ralf Fährmann war es zu verdanken, dass das Ergebnis am Ende nicht höher zugunsten der Portugiesen ausfiel.

"Vier Gegentore sind einfach zu viel"

"Wir haben dem Gegner viel zu viele Räume gelassen. Das hatten wir uns anders vorgenommen: Wir wollten kompakter stehen. Vier Gegentore sind einfach zu viel. Wir müssen gewisse Situationen cleverer lösen, da fehlt es das eine oder andere Mal noch an der Absprache“, analysierte Fährmann den Auftritt der Abwehr.

Trainer Roberto Di Matteo sah seine Mannschaft aber nicht so schlecht, wie die Spieler selbst. Der Italiener wirkte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gefasst. "Wir haben uns heute mehr Chancen herausgearbeitet als in den vergangenen Spielen, diese aber nicht ausreichend genutzt. Wir haben ein paar Fehler gemacht, die uns viel gekostet haben. Wir hatten teilweise auch ein wenig Pech, hätten aber unabhängig davon in der Abwehr besser arbeiten müssen“, so Di Matteo.

Kirchhoff nicht fit für die Startelf

Was den Schalkern hoch anzurechnen ist, dass keiner die angespannte Personalsituation als Ausrede hernahm. So wurde Kevin-Prince Boateng doch nicht rechtzeitig fit für die Startelf und auch Mittelfeldabräumer Jan Kirchhoff musste wegen eines leichten Infekts zuerst auf der Bank Platz nehmen.

"Nein, das ist kein Thema für mich und ich würde das auch nicht behaupten. Ich konzentriere mich auch nicht darauf, wer verletzt ist. Wichtig ist, dass die Spieler, die zur Verfügung stehen, ihre Leistung bringen“, erklärte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar.

"Noch alles selbst in der Hand“

Doch bei aller Enttäuschung spricht das Tabellenbild in der Champions League immer noch für den S04, auch wenn die Gruppenkonstellation für die restlichen zwei Spieltage mit dem Heimspiel gegen Chelsea und dem Abschluss in Maribor nicht unbedingt ein Vorteil ist.

"Die Niederlage ist sehr bitter, aber letztlich haben wir mit fünf Punkten und Platz zwei in der Gruppe immer noch alles selbst in der Hand“, meinte Fährmann. Nationalspieler Höwedes haderte zwar ebenfalls mit dem Ergebnis in Portugal, blies aber im gleichen Atemzug zur Attacke: "Wir haben einen großen Schritt in die richtige Richtung verpasst. Wir brauchen noch dringend Punkte, um die K.o.-Runde zu erreichen. Das heißt: Mit aller Macht Punkte sammeln gegen Chelsea.“

Jetzt nach Freiburg

Bevor es jedoch in der Königsklasse weitergeht, steht erst einmal am Samstag die Auswärtspartie in Freiburg auf dem Programm. Und dort müssen unbedingt drei Punkte her, will man den Anschluss an die Spitzengruppe nicht verlieren.

Huntelaar blickt mit dem Prinzip Hoffnung auf den Auftritt im Breisgau voraus. "Jedes Spiel ist immer eine neue Möglichkeit, sich erneut zu beweisen. Manchmal klappt das, in Lissabon klappte das aber nicht. Hoffentlich dann jetzt wieder in Freiburg“, sagte der "Hunter“.

 

Aus Lissabon berichtet Michael Reis