Gefährliches Offensiv-Trio: Ritsu Doan, Vincenzo Grifo und Daniel-Kofi Kyereh - © DFL/Getty/Daniel Kopatsch
Gefährliches Offensiv-Trio: Ritsu Doan, Vincenzo Grifo und Daniel-Kofi Kyereh - © DFL/Getty/Daniel Kopatsch
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Der Sport-Club Freiburg hat sich eindrucksvoll als Spitzenteam der Bundesliga zurückgemeldet

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Selbst ein 0:5 beim FC Bayern München konnte sie nicht aus dem Tritt bringen: Die Freiburger haben sich mit zwei souveränen 2:0-Siegen zurückgemeldet und bleiben nach zwölf Spieltagen Dritter. Christian Streich hat aus seinem SC ein Spitzenteam der Bundesliga geformt.

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"Wir waren zu brav, viel zu brav. Wir sind insgesamt zu brav, das ist so bei uns. Unsere Spieler sind sehr anständig. Aber heute waren wir noch anständiger als sonst": So versuchte Christian Streich die derbe 0:5-Niederlage des Sport-Club Freiburg beim FC Bayern München zu erklären. "Wir hatten keine Chance gegen Bayern", konstatierte der Coach, der aber nachschob: "Das ist kein Unglück für uns." Wohl wahr, denn trotz der verheerenden Niederlage beim Rekordmeister blieb der SC nach dem zehnten Spieltag auf dem veritablen dritten Platz, einem Rang, der am Ende der Saison zur Champions-League-Qualifikation führen würde.

Dass es die Breisgauer aber auch weniger brav, sondern gar frech können, bewiesen sie direkt am elften Spieltag: Den Elfmeter zum 2:0-Endstand gegen den SV Werder Bremen verwandelte der in dieser Saison wieder überragend aufspielende Vincenzo Grifo im Panenka-Stil. Der italienische Nationalspieler verlud Keeper Jiri Pavlenka, lupfte das Rund locker mittig in die Maschen. Am vergangenen Wochenende gab es das nächste direkte Duell mit einem Aufsteiger: Beim 2:0-Erfolg beim FC Schalke 04 ließen die Breisgauer den Knappen keine Chance. Grifo erzielte die beiden Treffer, machte das 1:0 mit einem traumhaften Schlenzer und verwandelte erneut eiskalt vom Punkt zum 2:0.

Führt den SC sukzessiv nach oben: Christian Streich - Daniel Kopatsch/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images

Freiburg ist im "Flow"

"Im Moment läuft’s. Und wenn es läuft, dann geht auch so einer rein", sagte Kunstschütze Grifo über sein 1:0 nach seinem siegbringenden Doppelpack auf Schalke. Der Deutsch-Italiener kommt nun schon auf sechs Treffer in dieser Saison. Die Breisgauer kommen auf 24 Punkte. Das ist die beste Bundesliga-Bilanz in der Bundesliga-Geschichte des Sport-Clubs. Aktuell hat der SCF einen überragenden Zählerschnitt von 2,0 pro Partie. Auf die Saison hochgerechnet würde dies eine Fabel-Punktzahl von 68 ergeben. In den letzten 20 Jahren haben 68 Zähler in 18 Fällen zur direkten Qualifikation zur Champions League gereicht. Nur 2001/02 nicht für den FC Bayern und 2005/06 für den Hamburger SV, die beide jeweils mit 68 Punkten Dritter wurden und in die Champions-League-Qualifikation mussten.

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Doch soweit werden die bescheidenen Breisgauer bestimmt noch nicht denken. Eine kleine Kampfansage für die kommenden Wochen gab es dennoch von Grifo: "Wir sind im Flow, es herrscht große Freude auf den Endspurt." Nach der Baku-Tour in der Europa League, als es am vergangenen Donnerstag zu Qarabag Agdam in Aserbaidschan ging, warten in der Bundesliga drei Duelle mit weiteren Europapokal-Startern: Es geht gegen den 1. FC Köln, zu RB Leipzig und der aktuelle Tabellenführer 1. FC Union Berlin ist zu Gast im Breisgau. "Wir wollen da das Maximale erreichen", sagt Grifo.

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Zuzutrauen ist es der Mannschaft von Christian Streich allemal: In der Europa League hat sich der SC frühzeitig und souverän den ersten Platz in der Gruppe G gesichert, in fünf Spielen gab es bislang vier Siege und ein Remis. Neben der tollen Punktausbeute in der Bundesliga kommt noch die Qualifikation fürs Achtelfinale des DFB-Pokals hinzu. Dort wartet Anfang Februar ein Duell beim SV Sandhausen aus der 2. Bundesliga. Das Viertelfinale winkt also in dem Wettbewerb, wo 2022 erst im Finale im Elfmeterschießen gegen Leipzig Schluss war.

Ein Trumpf der Freiburger: "Wir haben inzwischen Spieler, die über viele Jahre viele Bundesligaspiele bestritten haben und lange zusammenarbeiten", sagt Streich. Das helfe laut dem Trainer, der bereits seit Dezember 2011 die Freiburger anleitet, "enorm". Zu den Routiniers gehören neben Grifo beispielsweise auch der ewige Antreiber Christian Günter, der es mittlerweile bis in die Deutsche Nationalmannschaft geschafft hat, oder auch Mittelfeld-Abräumer Nicolas Höfler. Zudem sind in Rückkehrer Matthias Ginter, der gegen Schalke sein 100. Pflichtspiel für Freiburg absolviert hat, und Michael Gregoritsch zwei absolute Bundesliga-Veteranen zum Kader hinzugestoßen.

Gefährlicher Standardschütze: Christian Günter - DFL/Getty/Daniel Kopatsch

Der Dribbler Ritsu Doan, der 2020/21 in Bielefeld große Spuren in der Bundesliga hinterlassen hat, sowie Daniel-Kofi Kyereh runden den gelungenen Transfer-Sommer der Freiburger ab. In Lucas Höler stand gegen Schalke zudem ein lange Zeit verletzter Eckpfeiler der vergangenen Saison wieder in der Startformation des SC. Auch der pfeilschnelle Kevin Schade ist nach seiner Bauchmuskelverletzung wieder genesen und kann den immensen Konkurrenzkampf in der hochkarätig besetzten Offensive der Freiburger weiter verschärfen. Den erfahrenen und besten Joker der Bundesliga-Geschichte, Nils Petersen, kann Streich auch immer von der Bank bringen.

Diese Aufzählung könnte bei den Breisgauern gefühlt endlos weitergehen: Die Elf von Streich ruft nahezu Woche für Woche ihre Bestleistung ab. Der SC ist spielerisch richtig stark, setzt auf Kombinationsspiel. Seit Streich an der Freiburger Seitenlinie den Takt vorgibt, spielen die Breisgauer Jahr für Jahr mit die gefährlichsten Standard-Situationen der Bundesliga. Grifo und Günter sorgen mit ihren Hereingaben oder direkten Abschlüssen immer wieder für enorme Torgefahr. 177 Torschüsse gab der SC in dieser Saison bereits ab, nur die Bayern feuerten öfter ab (259). Auch gegen den Ball stimmt es: Die Mannschaft presst mutig, läuft früh an und kommt so zu vielen Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte. Mit bislang 13 Gegentreffern stellt man die drittbeste Defensive der Bundesliga, sieben der zwölf Spiele behielt man eine Weiße Weste - Bundesliga-Bestwert!

Wo geht die Reise Freiburgs noch in in dieser Saison? Da andere Teams wie Leipzig oder Leverkusen in dieser Saison straucheln, könnte wirklich die Stunde des SC schlagen und die Mannschaft könnte in die Champions League einziehen. Doch davon wollen Streich und Co. erstmal nichts wissen, im Breisgau bleibt man ruhig und bescheiden. Nur brav, brav wollen sie in nächster Zeit nicht mehr agieren.