Mönchengladbach - Der Jubel war groß bei Mannschaft und Fans, als Mönchengladbach am 12. Spieltag auswärts den 1. FC Köln im Rheinderby mit 4:0 geschlagen hatte. Die Borussia gab die "Rote Laterne" an den Rivalen ab und das Ende der Negativserie schien eingeläutet.

Vergangene Woche, im Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05, sah es denn auch bis zur 75 Minute tatsächlich so aus, als führe der VfL den zweiten "Dreier" in Serie ein. Marco Reus hatte die Borussia zwei Mal in Führung geschossen - doch zwei weitere Treffer von Sami Allagui drehten das Spiel: Die "Fohlen" verloren am Ende mit 2:3 und fielen auf den letzten Tabellenplatz zurück.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Marco Reus nicht nur über die aktuelle Lage und seine Vertragsverlängerung beim Bundesliga-Schlusslicht, sondern erklärt auch, warum noch längst nicht alles verloren ist.

bundesliga.de: Herr Reus, herzlichen Glückwunsch zum ersten "Doppelpack" in der Bundesliga. Dennoch haben Ihre beiden Tore gegen Mainz nicht zum Sieg gereicht. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Marco Reus: Als riesige Enttäuschung. Wir wollten nach unserem Auswärtssieg in Köln und dem Punktgewinn gegen die Bayern unbedingt nachlegen und haben uns gegen Mainz sehr viel vorgenommen. Es versteht sich ja wohl von selbst, dass ich auf meinen "Doppelpack" gern verzichtet hätte, wenn wir dafür gewonnen hätten! Wir hätten das Spiel nach unseren beiden Führungen niemals aus der Hand geben dürfen

bundesliga.de: Durch den 1:0-Sieg des 1. FC Köln in Stuttgart ist die Borussia erneut Tabellenletzter. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Wie geht sie damit um?

Reus: Wir haben jetzt 13 von 34 Spielen hinter uns - das ist eigentlich noch nicht der Zeitpunkt, darauf zu achten, wie die Konkurrenz spielt, vielmehr müssen wir nur auf uns schauen und unsere Punkte holen. Davon haben wir momentan viel zu wenig - und das ist das Entscheidende. Auf dem letzten Tabellenplatz zu stehen, ist aber alles andere als ein angenehmes Gefühl.

bundesliga.de: Welchen Anteil daran, dass Abstiegskampf angesagt ist, hat das Verletzungspech?

Reus: Das Verletzungspech soll nicht als Ausrede herhalten, es gibt natürlich mehr als nur einen Grund für die momentane Lage. Dass uns aber in unserer derzeitigen Situation mit Roel (Brouwers, Anm. d. Red.) und Dante unsere beiden erfahrensten Innenverteidiger ausfallen, ist natürlich ein großes Handicap.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Rezept im Abstiegskampf?

Reus: Eng stehen, kompakt sein und in jedem Zweikampf hellwach sein - das müssen wir in jedem Spiel über 90 Minuten zeigen. Gegen Bayern hat das in der zweiten Halbzeit funktioniert, in Köln das gesamte Spiel. Und in Mainz fehlten uns 15 Minuten zum Sieg…

bundesliga.de: In den vergangenen beiden Spielzeiten war die Borussia sehr heimstark und hat vor allem im BORUSSIA-PARK die Punkte geholt. Was läuft in dieser Saison falsch?

Reus: Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied in unserer Spielweise in Heim- oder Auswärtsspielen gibt. Zuhause ist bei uns einfach der Knoten noch nicht aufgegangen. Wir haben ja auch schon im BORUSSIA-PARK gute Spiele gezeigt und sind dafür am Ende einfach nicht belohnt worden - wie gegen Wolfsburg oder St. Pauli, auch die Spiele gegen Mainz, Nürnberg und Bayern kann man mit Abstrichen dazu zählen. Uns fehlt zuhause einfach ein Erfolgserlebnis.

bundesliga.de: Dortmund, Hannover, Freiburg und Hamburg heißen die letzten Gegner in diesem Jahr. Wie wird Ihr Team aus diesen Spielen in die Winterpause gehen?

Reus: Hoffentlich mit möglichst vielen Punkten. Wir spielen bis zum Winter ausschließlich gegen spielstarke Teams, meiner Meinung nach liegen uns solche Gegner.

bundesliga.de: Der nächste Gegner ist Tabellenführer Borussia Dortmund - die Mannschaft der Stunde. Was macht sie so stark?

Reus: Der BVB hat einfach eine individuell gute Mannschaft zusammen, die fußballerisch sehr stark ist und momentan auf der Erfolgswelle schwimmt.

bundesliga.de: Wie werden Sie diese Partie angehen?

Reus: Mit harter Arbeit. Wir bereiten uns die ganze Woche auf dieses Spiel vor mit dem Ziel, dort etwas mitzunehmen - und das ist auch in Dortmund nicht unmöglich. Aber wie gesagt: Dafür müssen wir hart arbeiten, in der Trainingswoche, aber auch am Samstag im Stadion.

bundesliga.de: Obwohl Sie mit Gladbach im Abstiegskampf stecken haben Sie erst kürzlich Ihren Vertrag bis 2015 verlängert. Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?

Reus: Weil ich mich hier einfach sehr wohl fühle, ich wurde hier von Anfang an super aufgenommen. Wir haben eine gute Mannschaft, in der es auch charakterlich stimmt. Als ich gefragt wurde, ob ich verlängern will, habe ich nicht lange gezögert. Ich freue mich, weiter ein Teil des Teams sein zu dürfen.

Die Fragen stellte Gregor Nentwig