Hertha-Trainer Friedhelm Funkel trifft am 14. Spieltag auf seinen langjährigen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt (Samstag ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio). Bundesliga-Aufstieg, Pokalfinale und -halbfinale sowie der Einzug in den UEFA-Cup waren die Highlights seiner Zeit bei den Hessen.

"Ich habe von 2004 bis Sommer dieses Jahres in Frankfurt gearbeitet und nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich mich rundherum wohl gefühlt habe. Es wird ein ganz besonders emotionales Spiel", sagte Funkel der "FAZ": "Nur in diesen Tagen ruhen die Kontakte."

"Probleme größer als gedacht"

Denn für Sentimentalitäten bietet die Lage in Berlin in diesen Tagen weder Zeit noch Anlass. Mit fünf Punkten steht Hertha am Tabellenende, mehr als doppelt so viele Zähler trennen die Hauptstädter vom Relegationsplatz.

Funkel trat Anfang Oktober die Nachfolge von Lucien Favre als Hertha-Coach an. Der erhoffte Schwung nach dem Trainerwechsel, verpuffte schnell. Sechs Spiele steht Funkel nun an der Seitenlinie. Zwei Punkte holte Hertha unter ihm.

So vertrackt hatte sich der 55-Jährige die Situation bei Amtsantritt selbst nicht vorgestellt. "Sportlich sind die Probleme größer als gedacht. Ich habe zwei, drei Wochen gebraucht, um allen klarzumachen, um was es geht", räumt er ein.

"Kleiner Schritt zur Stabilisierung"

Gegen Wolfsburg am 10. und gegen Stuttgart am 13. Spieltag holte Hertha immerhin je einen Punkt. Zwei Zähler gegen zwei spielstarke Mannschaften: Ein äußerst zarter Aufwärtstrend zwar, um daraus Hoffnung zu schöpfen, aber immerhin ein Trend.

Das 1:1 beim VfB am vergangenen Wochenende sei "ein weiterer kleiner Schritt zur Stabilisierung", gewesen, erklärte Funkel. Insbesondere weil es vorne endlich wieder klingelte: Funkels "Joker" Adrian Ramos stach und beendete die 490 Minuten andauernde Torflaute der Hertha.

Geheimtraining bei der Hertha

Weitere Tore sollen nun gegen die Eintracht fallen und zwingend mehr als ein Zähler herausspringen. Funkel betont: "Was uns fehlt, ist ein Sieg!" Intensiv arbeiten die Berliner auf die Begegnung hin. Funkel profitiert davon, dass er Stärken und Schwächen seiner ehemaligen Schützlinge bei der Eintracht genau kennt. "Ich hoffe, dass uns das hilft", sagt er.

Diesen Vorteil wollen die Berliner nicht aus der Hand geben: Mittwoch und Freitag sind Trainingseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt. Man wolle dadurch Beobachtern der Eintracht nicht die Möglichkeit geben, "hier das eine oder andere zu erkennen", wie Funkel sagt: "Vielleicht kennen die mich zu gut."

Aufrichten an Positivbeispielen

Die außergewöhnliche Maßnahme erklärt sich aus der prekären Lage. Noch nie konnte eine Mannschaft in der Bundesliga die Klasse halten, wenn sie nach 13 Spielen weniger als sechs Punkte hatte.

Der Coach ist zuversichtlich, dass zumindest in den ausstehenden Partien vor der Winterpause zu den mageren fünf Zählern weitere dazukommen. "Es gibt ja Beispiele, dass Mannschaften, die am Ende der Vorrunde nur zehn, elf Punkte hatten, doch drin geblieben sind", sagt der Trainer: "Der Eintracht ist das, glaube ich, auch mal gelungen."

Andreas Messmer