Köln - So manchem Bundesligisten zittern bereits die Knie, denn an diesem Wochenende wartet wieder ein Gegner, bei dem es traditionell nur wenig zu holen gibt. Speziell der 1. FC Köln, der Hamburger SV, der 1. FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt dürften sich angesprochen fühlen.

Das Phänomen Angstgegner ist am 4. Spieltag in der Bundesliga besonders ausgeprägt. Der 1. FC Köln empfängt am Sonntag (ab 17:00 Uhr im Live-Ticker) nicht nur einen Erzrivalen, sondern auch eine Mannschaft, gegen die der Club schon seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen hat. Die Domstädter kassierten in der Bundesliga bereits 44 Niederlagen und 216 Gegentore gegen die Fohlen - so viel wie gegen keine andere Mannschaft.

"Negative Energie"

Nur: Wie kommt das Phänomen Angstgegner eigentlich zustande? Ewald Lienen, Bundesliga-Trainer außer Dienst, der für beide Vereine gespielt hat, erklärt es sich in etwa so: "Es gibt einige Gesetzmäßigkeiten in der Bundesliga, die über alle Zeiten hinweg gelten. Eine davon ist, dass Borussia Mönchengladbach beim 1. FC Köln immer gut ausgesehen hat. Das war schon zu meinen Zeiten so. Es war immer in Köln eine komische Atmosphäre. Eigentlich hat in Köln in der Vergangenheit niemand so richtig daran geglaubt, dass gegen Gladbach etwas zu holen wäre. Das hat man gespürt, wenn man im Stadion saß. So eine negative Energie, die sich nicht abschütteln lässt." Immerhin gibt es ein wenig Hoffnung, denn der FC ist derzeit die einzige Mannschaft im deutschen Profifußball, die noch kein Gegentor bekommen hat.

Ähnlich wie den Kölnern dürfte es auch dem 1. FSV Mainz 05 ergehen. Denn ausgerechnet gegen die Dortmunder um Ex-Coach Jürgen Klopp (Samstag ab 18:00 Uhr im Live-Ticker) hagelte es zuletzt sechs Pleiten in Folge. Gegen keine anderes Team wartet Mainz so lange auf einen Punktgewinn.

Nur ein Sieg aus 16 Spielen

Auch Frankfurt gegen Schalke (Samstag ab 15:00 Uhr im Live-Ticker) war in der jüngeren Vergangenheit meist eine klare Angelegenheit. Die Hessen konnten in den letzten 16 Aufeinandertreffen nur ein einziges Mal gewinnen (1:0 am 20. April 2013). Der letzte Sieg der Hessen auf Schalke datiert sogar noch aus dem letzten Jahrtausend. Damals, am 22. Mai 1999, trafen Fjörtoft, Sobotzik und Janßen zum 3:2-Erfolg im mittlerweile abgerissenen Parkstadion.

Und dann wäre da ja noch der Hamburger SV, der als Tabellenletzter am Samstag um 15:30 Uhr den FC Bayern empfängt, gegen den er seit neun Spielen schon nicht mehr gewonnen hat. 58 Pleiten und 216 Gegentore fingen sich die Rothosen gegen die Münchner - jeweils Bundesliga-Rekorde. In den letzten sieben Spielen schossen die Bayern durchschnittlich sogar mehr als vier Treffer.

Ausgerechnet unter diesen Voraussetzungen feiert Josef Zinnbauer jetzt sein Trainer-Debüt für den HSV. Sein Glück: Es gibt nicht viel zu verlieren. Außer vielleicht die Angstgegner-Statistik gegen den FC Bayern.

Karol Herrmann