München - Ralf Rangnicks Wunsch nach einem zusätzlichen Stürmer wurde am Freitag mit der Verpflichtung von Ciprian Marica erfüllt. Sorgenfrei ist das Arbeitsleben des Schalker Trainers damit aber noch nicht. Denn er tüftelt noch am richtigen System für seine "Knappen".

Eine entscheidende Rolle darin könnte Lewis Holtby spielen. Gleich beim ersten Treffen in der Kabine machte Rangnick dem 20-Jährigen zumindest schon einmal ein bezeichnendes Geschenk: die Rückennummer 10. Er soll also den Spielmacher geben.

Gedränge im offensiven Mittelfeld

Diesem Vertrauensbeweis muss Holtby nun gerecht werden und sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Immerhin drängen sich auf der gleichen Position noch die beiden anderen Talente Julian Draxler und Jose Manuel Jurado. Es bleibt also abzuwarten, ob Holtby sich auf Dauer als Regisseur durchsetzen kann, zumal sich auch Raul oder Alexander Baumjohann für das offensive Mittelfeld anbieten würden.

Beim Supercup konnte er seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen, als Rangnick ihn als "Sechser" ins defensive Mittelfeld schickte, vielleicht auch eine Option für die Zukunft. Zumindest wäre dies eine Möglichkeit, den Streit um die Position mit Raul diplomatisch zu lösen.

Ein Tor gegen Schalke

Argumente für Holtbys Sonderstellung in der Mannschaft sind beim 1. FSV Mainz 05 zu suchen, wo er in der vergangenen Saison als Leihspieler verweilte. Dort spielte er an der Seite von Andre Schürrle und Adam Szalai eine begeisternde Saison. Die drei Feierbiester an der Eckfahne lehrten so manche Gegner das Fürchten, insbesondere in Gelsenkirchen ist das nicht unbemerkt geblieben: Das Rückrundenspiel auf Schalke gewannen die Rheinhessen mit 3:1, auch dank eines Treffers von Nachwuchsstar Holtby.

Seine Karriere begann bei Alemannia Aachen, nach zwei Spielzeiten wechselte er zu den Schalkern und kam von da an ganz schön herum. Zunächst wurde er nach Bochum ausgeliehen, kaum war er zurück, wurde er nach Mainz geschickt. Ein Höhepunkt und Lohn für seine Spielfreude war schließlich die Berufung in die Nationalmannschaft. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan wurde er in der 88. Spielminute eingewechselt.

Das Bilderbuchjahr 2010/11

Über die Monate in Mainz sagt der gebürtige Rheinländer selbst: "Es war ein echtes Bilderbuchjahr für ein Team, das ohne große Erwartungen begonnen hatte und dann so erfolgreich spielte." Der Startrekord der Mainzer mit sieben Siegen in Folge und die erste Niederlage, die gegen den späteren Deutschen Meister Dortmund erfolgte, belegen dies.

Jetzt soll Holtby also wieder für die "Knappen" punkten, nachdem er zuletzt in der Hinrunde 2009 genau vier Mal für die Schalker auf dem Platz stand. Dagegen brachte er es bei Mainz 05 in der Saison 2010/11 auf 23 Einsätze.

Und was für Einsätze: Er zeichnete für vier Tore und elf Assists verantwortlich und spielte sich neun Großchancen heraus. Insgesamt gab er ganze 38 Torschüsse ab. Die Bilanz seiner Zeit bei den "Königsblauen" ist weit weniger spektakulär: Gerade einmal ein Torschuss und zwei Vorlagen sind zu verzeichnen. Das wird sich demnächst wohl ändern.

Wie Pech und Schwefel

Eine besondere Beziehung besteht zwischen Lewis Holtby und dem 25-jährigen Christian Fuchs, deren Wege untrennbar miteinander verwoben zu sein scheinen. Nach Bochum und Mainz ist Schalke nun ihr dritter gemeinsamer Verein. Auf diese Kuriosität angesprochen erwiderte Fuchs jedoch, dies sei nur ein Zufall und liege nicht an der Freundschaft zu Holtby. Sicher kann es jedoch nicht schaden, solch einen langjährigen Freund an seiner Seite zu wissen.

Die Unbekümmertheit der Tage am Bruchweg dürfte inzwischen doch der Gelsenkirchener Realität gewichen sein. Dort muss man nämlich die Fans wieder für sich gewinnen, die verpatzte Saison vergessen machen und den DFB-Pokal verteidigen. Allerhand zu tun für den Jungen mit dem Wasserflaschen-Mikrofon.

Sabine Glinker