Köln/München - Zwei Spiele, sechs Punkte: Die deutsche Mannschaft ist perfekt in die EM-Qualifikation gestartet. War das 1:0 in Belgien eher ein glücklicher Arbeitssieg, spielte das DFB-Team beim 6:1 gegen Aserbaidschan groß auf.

Kein Wunder, dass Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie voll des Lobes war. Vor allem Lukas Podolski heimste ein Sonderlob ein. "Lukas beweist seine Stärke in der Nationalmannschaft immer wieder. Allein seine Torquote spricht für ihn", sagte Löw.

Frage: Herr Löw, 6:1 gegen Aserbaidschan – das Spiel der deutschen Mannschaft hat sicherlich auch Ihnen viel Freude bereitet?

Joachim Löw: Gut war, dass wir nach dem 3:0 nicht aufgehört haben Fußball zu spielen. Die Mannschaft ist immer wieder nach vorn gegangen, hat unglaublich gut kombiniert. Es hat Spaß gemacht, diese enorme Spiel- und Kombinationsfreude zu sehen. Das war schwierig, weil der Gegner unheimlich tief stand.

Frage: Vor allem Lukas Podolski spielte grandios auf. Was haben Sie ihm nach dem Belgien-Spiel gesagt?

Löw: Wir sollten das Spiel in Belgien nicht überbewerten. Lukas ist nach der WM auch erst wieder vier Wochen im Training. Ihm war gegen Aserbaidschan anzumerken, dass er gewillt war, viel Laufarbeit zu absolvieren. Lukas beweist seine Stärke in der Nationalmannschaft immer wieder. Allein seine Torquote spricht für ihn. Ich denke, er hat eine unglaubliche Dynamik gezeigt. Er hat sich viele Möglichkeiten erarbeitet und war stets gefährlich.

Frage: Insgesamt hat die deutsche Mannschaft so kurz nach der WM auch spielerisch schon wieder überzeugt. Haben Sie damit gerechnet?

Löw: Wir haben seit einigen Monaten, vor und während der WM, diese Dinge einstudiert, um den Ball flach und im hohen Tempo nach vorne zu spielen. Man spürt, dass diese Automatismen langsam greifen.

Frage: Überraschend stand nach dem Ausfall des Hamburgers Marcell Jansen der Wolfsburger Sascha Riether in der Startelf. Warum hatten Sie sich zunächst für Riether und gegen Heiko Westermann entschieden?

Löw: Das war für mich eine ganz logische Sache. Denn nach dem Ausfall von Jansen wollte ich gegen so einen defensiven Gegner einen Spieler auf der Außenbahn haben, der permanent in die Offensive geht und die Stürmer unterstützt. Heiko Westermann ist eher ein Spieler für das Zentrum, hat zudem gegen Belgien seine Qualitäten eher in der Defensive gezeigt.

Frage: Die Innenverteidiger hatten gegen Aserbaidschan viele Ballkontakte und mussten sich immer wieder ins Offensivspiel mit einschalten.

Löw: Die Spielkultur beginnt auch schon in der Abwehr, nicht erst vorne. Da muss alles eingefädelt werden, um solche Spiele dann auch zu gewinnen. Die Innenverteidiger haben ein großes Laufpensum absolviert. Aserbaidschan hat immer die Mitte aufgemacht, so dass Westermann und Badstuber fast bis zum 16er gehen konnten.

Frage: Philipp Lahm hat mal wieder auf der linken Seite der Viererkette gespielt. War das eher eine Ausnahme?

Löw: Ja. Das war die Ausnahme, weil Jansen verletzt und Westermann eher Innenverteidiger ist. Gegen einen so defensiv eingestellten Gegner wie Aserbaidschan ist es zudem wichtig, dass man Außenverteidiger hat, die permanent mitgehen und nach vorne spielen.

Frage: In fünf Wochen kommt es zum ersten Spitzenspiel in der Gruppe A zwischen Deutschland und der Türkei in Berlin. Die DFB-Auswahl geht nach der Tor-Gala gegen Aserbaidschan als Tabellenführer in die Partie. Aber auch die Türkei hat sechs Punkte auf dem Konto.

Löw: Dass die Türkei gegen Belgien gewinnt, war zu erwarten. Wir stehen erst am Anfang der Qualifikation, aber die Ausgangssituation ist klar. Jetzt kommt das wichtige Spiel gegen die Türkei, dass wir vor eigenem Publikum in Berlin auch unbedingt gewinnen wollen.