München - Ein Daumen hoch hier, ein Abklatschen da und vor allem vier Mal ausgelassener Jubel - der FC Bayern hat gegen den FC Schalke spielerisch höchst eindrucksvoll die Steilvorlage aus Hannover genutzt und sich wieder vorbei an 96 auf den 3. Platz geschoben.

Der riesige Druck, die Qualifikation zur Champions League zu verpassen, war auf dem Rasen wie weggeblasen. "Das war Wahnsinn wie das Bällchen gelaufen ist", sagte Thomas Müller, der mit zwei Treffern und 14 Torschuss-Beteiligungen am Samstagabend beim 4:1-Fußball-Fest in der Allianz Arena noch herausgestochen war, und scherzte: "Vielleicht machen wir auch zwei, drei Tore zu wenig."

"Ich weiß nicht, ob viele Mannschaften auf der Welt so Fußball spielen können", war Bastian Schweinsteiger vom "Sieg der Spielfreude" begeistert.

"Geben Platz 3 definitv nicht mehr her"

Das "Plätzchen-Wechsel-Dich"-Spiel - zum fünften Mal in Folge tauschte der FCB mit Hannover die Plätze - soll nun ein Ende haben. "Ich gehe davon aus, dass wir nun durchziehen", so Müller. Und auch die Kollegen stießen ins selbe Horn.

"Wir geben Platz 3 definitiv nicht mehr her. Wir müssen von unserer Qualität überzeugt sein, und wenn wir in den nächsten Spielen auch so auftreten, kann uns nichts passieren", versicherte Arjen Robben. Aber: "Wir müssen natürlich was machen. Wir bekommen nichts umsonst."

Gegen die "Königsblauen", die gedanklich schon beim Halbfinal-Rückspiel der Champion league bei Manchester United schienen, "machten" die Münchner viel. Robben, der das muntere Toreschießen eröffnet hatte, wirbelte rechts wie links, grätschte eifrig und kombinierte wunderbar mit Müller, Mario Gomez und Franck Ribery - die FCB-Stars untermauerten mit nunmehr 71 Treffern ihren Status als beste Offensive der Bundesliga.

Gomez lobt - Rummenigge warnt

"Wir haben ein klasse Spiel gezeigt, nicht nur nach vorne, sondern auch nach hinten. Alle haben zusammengearbeitet, das hat sehr gut funktioniert", war Gomez zufrieden. Der Angreifer darf sich nach seinem 24. Saisontreffer berechtigte Hoffnungen auf die Torjägerkanone machen. "Ich werde mein Bestes geben. Und wenn ich das noch zwei Mal schaffe und ich nochmal treffe, wird es vielleicht reichen."

Die gegen Leverkusen wiedergewonnene und in Frankfurt kurzfristig verloren gegangene Spielfreude war auf jeden Fall zurück. Und das zeigten die Spieler eben auch auf dem Platz mit ihren Gesten. Mit der gezeigten "Geschlossenheit und Aggressivität" (Gomez) sowie "Leidenschaft und Begeisterung" (Robben) sollen jetzt noch zwei Siege folgen.

Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete schon die Aufgabe am kommenden Wochenende als "ganz schweres Spiel. St. Pauli ist zwar so gut wie abgestiegen, wird aber sicherlich versuchen, sich mit Anstand aus der Bundesliga zu verabschieden." Danach kommt der VfB Stuttgart nach München, und der FCB-Vorstandschef warnte vor zu viel Euphorie: "Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht."

Müller ist "ein wenig enttäuscht"

"Unsere Meisterschaft ist Platz 3", wiederholte Gomez angesichts der Titel-Feierlichkeiten in schwarz-gelb das bereits vor Wochen ausgerufene Vorhaben. Und so machte die Glanzleistung gegen die "Knappen" auch ein bisschen wehmütig.

"Wir haben in der ersten Halbzeit das Spiel schon gewonnen. Das hätten wir in der Saison öfter machen können", gab sich Schweinsteiger selbstkritisch.

Müller nannte es "bitter, dass wir aus dem Potenzial, was in der Mannschaft steckt, so wenig rausgeholt haben. Wenn man sieht, dass wir um den 3. Platz kämpfen müssen. Da ist das ein wenig enttäuschend, dass wir so wenig aus der Saison gemacht haben." Den versöhnlichen Abschluss haben sie jetzt aber zumindest wieder in der eigenen Hand.

Tim Tonner