Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg hat sich in der Bundesliga-Spitzengruppe festgesetzt und marschiert mit großen Schritten in Richtung Champions League.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht Klaus Allofs - Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg - über die Saisonziele der "Wölfe", die positive Entwicklung in Wolfsburg, den chinesischen Markt und die Lage der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Allofs, 1:0 gegen Verfolger Borussia Mönchengladbach gewonnen. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Klaus Allofs: Das war ein sehr gutes Spiel unserer Mannschaft. Sie hat mit viel Herz, aber auch viel Verstand gespielt. In der Vergangenheit haben wir oft das erste Tor geschossen und dann weiter Risiko gespielt. Das ist natürlich nicht immer falsch, weil die Chance, das 2:0 oder 3:0 zu machen, sehr viel größer ist. Aber nach so einem schweren Spiel wie gegen Everton am Donnerstag ist es sinnvoll, schlau zu spielen. Wir haben die Situationen immer gut gelöst und hatten wenige Ballverluste.

bundesliga.de: Lassen Sie uns nach 20 Pflichtspielen in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League ein kurzes Fazit ziehen...

Allofs: Das ist vielleicht nicht der passende Moment, weil wir noch nicht wissen, wie es in der Europa League weitergeht. Im Pokal überwintern wir, und auch in der Bundesliga hat es sich sehr gut entwickelt. Das ist nach dem ersten Drittel der Saison natürlich sehr erfreulich. Die Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Aber wir wissen auch, dass das nicht immer so weitergeht.

"Wir haben viele Möglichkeiten"

bundesliga.de: Fehlt dem Verein der Mut, das Ziel Champions League öffentlich auszurufen?

Allofs: Ich glaube, es ist weiterhin eine realistische Einschätzung. Wir dürfen nicht vergessen, dass der VfL vor zwei Jahren noch gegen den Abstieg gespielt hat. Wir haben gesagt, wir wollen mittelfristig zurück ins internationale Geschäft. Das haben wir mit Rang fünf in der Vorsaison früher geschafft, als gedacht. Jetzt geht es darum, dieses gute Abschneiden zu bestätigen. In der Vergangenheit ging es oft Auf und Ab. Diese Berg-und Talfahrt wollen wir vermeiden. Richtig ist: In den nächsten Jahren wollen wir zu den vier besten Vereinen in Deutschland gehören. Wenn wir dieses mittelfristig gesteckte Ziel kurzfristig erreichen, wäre das natürlich wunderbar. Vielleicht revidieren wir unser Saisonziel ja schon in der Winterpause.

bundesliga.de: Verletzungsbedingte Ausfälle hat der VfL in der Saison sehr gut kompensiert. Würden Sie sagen, der VfL ist auf jeder Position doppelt gut besetzt?

Allofs: Ja, das finde ich schon. Auf einigen Positionen sogar dreifach gut. Wir haben viele Möglichkeiten auf Verletzungen, Sperren oder auch Formschwächen zu reagieren. Das ist eine unserer Stärken in diesem Jahr.

bundesliga.de: Im Kader stehen gestandene Profis wie Olic, Naldo oder Luis Gustavo, Nachwuchstalente wie Arnold und Robin Knoche, Bendtner, für den der VfL vielleicht die letzte Chance darstellt oder auch hervorragende Akteure wir Rodriguez oder de Bruyne, die noch jung und noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind. Das erinnert so ein wenig an Bremen mit jungen Leuten um Spieler wie Johan Micoud, Diego oder Miroslav Klose herum. Ist das die Fußball-Philosophie eines Klaus Allofs?

Allofs: Wir wollen einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern haben. Das muss sein. Es geht schon allein wirtschaftlich nicht, dass wir elf Spieler vom Format eines De Bruyne oder Luiz Gustavo verpflichten. Junge Spieler müssen lernen und angelernt werden. Das machen die Älteren bei uns sehr gut. Und wenn alle dann auch noch gut spielen, ist es die ideale Voraussetzung. Besonders freut es uns, wenn Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in den Profikader schaffen wie Arnold und Knoche. Und natürlich schauen wir uns auch woanders nach jungen Leuten um, wie zum Beispiel Junior Malanda.

"Es gibt Vorurteile gegen die Stadt"

bundesliga.de: Es gibt die Geschichte, dass die Frau des Ex-HSVers Valdas Ivanauskas einen Wechsel in die Stadt Wolfsburg verboten hat. Wie überzeugen Sie einen Spieler, der in Madrid, London, Rom oder auch München spielen kann, nach Wolfsburg zu kommen, vor allem, wenn sie bisher nicht mit dem Argument Champions League wuchern konnten?

Allofs: Natürlich muss man den Spielern erklären, was die Stadt Wolfsburg für Möglichkeiten bietet und sie am besten auch zeigen. Es gibt Vorurteile gegen die Stadt, die in keinster Weise begründet sind. Gerade erst ist Wolfsburg zur dynamischsten Stadt Deutschlands gewählt worden. Aber im Endeffekt ist die sportliche Perspektive ausschlaggebend. Da sind Gustavo und de Bruyne die besten Beispiele. Sie hätten bei ganz anderen Klubs spielen können.

"Wir interessieren uns für Xizhe"

bundesliga.de: Der "Kicker" vermeldete vor gut zwei Wochen, dass der VfL den Chinesen Xizhe Zhang "an der Angel" habe. Wie ist der aktuelle Stand?

Allofs: Wir interessieren uns für diesen Spieler. Natürlich sportlich, das ist die Voraussetzung, aber es ist natürlich auch im Interesse unseres Sponsors VW, der ja in China einen riesigen Absatzmarkt hat. Diese Kombination guter Spieler und aus China, das würde wunderbar zu Volkswagen und zum VfL passen.

bundesliga.de: Wie genau beobachten Sie den Markt? Bei über 1,3 Milliarden Menschen sollten gute Fußballer dabei sein. Mit Yao Ming fand man im Land der eher kleinen Menschen ja sogar einen NBA-Star.

Allofs: Wir beobachten die Liga und die Nationalmannschaft. Da gibt es einige interessante Spieler. Aber der chinesische Fußball befindet sich noch in der Entwicklung. Ich bin ganz sicher, dass bei den vielen Menschen viele gute Fußballer dabei sind. Da wird sich in Zukunft viel entwickeln. Wenn wir Xizhe verpflichten sollten,  werden wir sehen, wie es mit der Mentalität, mit der Eingewöhnung funktioniert. Und dann kann man einordnen, was es in der Bundesliga bedeutet, ein guter Spieler in China zu sein.

bundesliga.de: Kommen wir zur Bundesliga: Wolfsburg ist Zweiter, sieben Punkte hinter den Bayern. Ist Bayern schon Meister?

Allofs: Nein, natürlich sind sie noch nicht Meister. Das Spiel in Manchester hat gezeigt, dass die Bayern durchaus verwundbar sind. Aber trotzdem sind sie natürlich der haushohe Favorit, und ich befürchte fast, dass sie auch aus diesem Spiel die richtigen Lehren ziehen werden.

bundesliga.de: Es gab ja so die Hoffnung bei der Konkurrenz, dass die Bayern wie in den vergangenen Jahren nach einer WM oder EM ein wenig schwächeln...

Allofs: Diese Einschätzung war unberechtigt. Die Bayern 2014 haben einen so breiten und starken Kader, dass sie solche Belastungen wegstecken.

"Ich drücke Bremen die Daumen"

bundesliga.de: Sagen Sie bitte kurz, was Ihnen zu folgenden Stichworten einfällt. VfL-Fans...

Allofs: Ich muss sagen, ich war von Beginn an positiv überrascht, wie sie zu ihrer Mannschaft stehen und sie unterstützen. Großes Kompliment, unsere Anhänger machen das richtig gut.

bundesliga.de: Bayern-Jäger...

Allofs: Ich bin der Meinung, das Wort wird falsch interpretiert, denn mal ist der eine näher dran mal der andere - und immer heißt es gleich, das ist der Bayern-Jäger. Wenn wir bei dem Begriff bleiben wollen, dann würde ich eher von einer Jagdgesellschaft sprechen. Es ist ja bei einer Jagd auch so: Wenn man etwas Besonderes erlegen will, dann geht man ja auch nicht allein auf die Jagd. Das ist, was im Moment in der Bundesliga passiert. Es sind, fünf, sechs Mannschaften, die versuchen, den Abstand zu verringern und die Position hinter den Bayern einzunehmen. Und zu denen gehören wir auch.

bundesliga.de: Werder Bremen...

Allofs: Werder war sechs Jahre in Folge in der Champions League. Es ist, besonders mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die dort herrschen, nicht leicht, das immer zu bestätigen. Werder ist ein Traditionsverein mit tollen Fans, und wenn sie die Ruhe bewahren, kann sich das auch wieder in diese Richtung drehen. Ich war viele Jahre dort und drücke Bremen auf jeden Fall die Daumen - außer wenn sie gegen uns spielen.

Das Gespräch führte Jürgern Blöhs