Hamburg - Martin Dahlin wird das Freundschaftsspiel zwischen Schweden und Deutschland am Mittwoch in Göteborg (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) besonders interessiert verfolgen. Der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach und des Hamburger SV arbeitet heute als Spielervermittler und erhofft sich natürlich einen gelungenen Auftritt seiner "Klienten" Ola Toivonen, Andreas Granqvist oder Behrang Safari.

"Bei Deutschland werden natürlich ein paar wichtige Spieler geschont. Aber das ist auch bei Schweden der Fall. Aber egal wie, Deutschland bleibt und ist natürlich der Favorit", blickt der ehemalige Top-Torjäger im bundesliga.de-Interview auf das Duell voraus.

Dahlin erklärt zudem den Umbruch im schwedischen Team, analysiert die Stärken der Schweden und nennt die großen Talente, auf die das Team von Bundestrainer Joachim Löw ein besonderes Augenmerk legen sollte.

bundesliga.de: Herr Dahlin, welchen Stellenwert hat das Freundschaftsspiel gegen Deutschland für die "Blågult"?

Martin Dahlin: Spiele gegen Deutschland sind immer etwas Besonderes. Die schwedische Nationalmannschaft vollzieht gerade einen Generationswechsel. Viele erfahrene Spieler sind nicht mehr dabei, viele junge wollen ihr Talent zeigen. Aber sie brauchen noch Erfahrung. Und dann sind solche Spiele gegen große Mannschaften wie Deutschland sehr, sehr wichtig.

bundesliga.de: 2009 endete nach acht Jahren die Ära des Trainer Lars Lagerbäck. Kam der Umbruch mit dem neuen Coach Erik Hamren zur rechten Zeit?

Dahlin: Es ist nie einfach, wenn man fast eine komplette Mannschaft auswechselt. Aber vielleicht war es deshalb der richtige Zeitpunkt. Die meisten Spieler müssen sich neu beweisen. Und bislang haben sie das auch ganz gut hinbekommen. Aber es wird noch länger dauern, bis sich das Team vollständig entwickelt hat.

bundesliga.de: Haben die schwedischen Fans denn die nötige Geduld, bis sich der Erfolg einstellt?

Dahlin: Der Druck ist in Schweden von Haus aus nicht so groß wie in Deutschland. Aber dennoch sind es die schwedischen Fans gewöhnt, dass die Nationalmannschaft bei den großen Turnieren dabei ist. Von daher war die verpasste Qualifikation für Südafrika schon ein Schlag. Aber das Verständnis für die junge Mannschaft ist da.

bundesliga.de: In der EURO-Qualifikation setzte es beim 1:4 in den Niederlanden aber eine herbe Schlappe.

Dahlin: Das war eine Lehrstunde. Die Niederlande waren einfach zu stark. Immerhin sind sie Vize-Weltmeister. Schweden wird aber die richtigen Schlüsse aus der Partie ziehen.

bundesliga.de: Welche wären das?

Dahlin: Wir waren gegen die Niederlande - in meinen Augen - zu offensiv. Bei den Fans kommt diese Spielweise sehr gut an. Aber Schweden hat sich nie für Welt- und Europameisterschaften qualifiziert, weil wir das technisch beste und angriffslustigste Team waren. Wir haben uns qualifiziert, weil wir taktisch klug gespielt haben und als echte Einheit aufgetreten sind.

bundesliga.de: Dennoch gibt es auch bei Schweden traditionell viele Talente. Auf wenn muss das DFB-Team besonders aufpassen?

Dahlin: Ola Toivonen hat sicherlich einen große Zukunft als Stürmer vor sich. Im Mittelfeld hat Pontus Wernbloom ein riesiges Potenzial. Und in der Abwehr ist Andreas Granqvist für sein Alter schon ein sehr kompletter Innenverteidiger.

bundesliga.de: Bundestrainer Joachim Löw verzichtet auf die WM-Stars Mesut Özil, Thomas Müller und Philipp Lahm - die Chance für Schweden?

Dahlin: Bei Deutschland werden natürlich ein paar wichtige Spieler geschont. Aber das ist auch bei Schweden der Fall. Allen voran Zlatan Ibrahimovic, der jederzeit und gegen jede Mannschaft ein Spiel alleine entscheiden kann. Aber egal wie, Deutschland bleibt und ist natürlich der Favorit.

Das Gespräch führte Michael Reis