Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg hat den vorzeitigen Einzug in die K.o.-Runde der Europa League verspielt und steht nun vor einem "Endspiel". Der Bundesliga-Zweite verlor sein Heimspiel am Donnerstagabend gegen den FC Everton trotz drückender Überlegenheit mit 0:2 (0:1) und muss um seine erste Europapokal-Zwischenrunde seit fünf Jahren bangen.

Die Niederlage leitete ausgerechnet der belgische Nationalstürmer Romelu Lukaku, an dem auch die Wolfsburger im Sommer starkes Interesse gezeigt hatten, mit seinem Treffer in der 43. Minute ein. Lukakus Landsmann Kevin Mirallas (75.) erhöhte in der Schlussphase.

Niederlage trotz starker Leistung

Zum Gruppenabschluss in zwei Wochen beim französischen Vertreter OSC Lille reicht dem VfL ein Unentschieden, um sich als Zweiter hinter Everton für die nächste Runde zu qualifizieren. Eine Niederlage würde für die hochgehandelten Wolfsburger aber das frühe Aus bedeuten.

Spielerisch war den Wölfen gegen den Tabellenneunten der englischen Premier League, gegen den es im Hinspiel eine 1:4-Pleite gegeben hatte, bis auf die mangelhafte Chancenauswertung kaum etwas vorzuwerfen. Vor 23.375 Zuschauern entwickelte sich ein munteres Spiel mit zahlreichen Chancen. Auf Seiten der Wolfsburger vergaben in der Anfangsviertelstunde Nicklas Bendtner, Ivan Perisic und Aaron Hunt, auf der Gegenseite traf Sylvain Distin per Kopf die Latte.

Offensiv zu unkonsequent, defensiv mit Fehlern

"Meine Mannschaft hat eigentlich wieder einen guten Auftritt hingelegt, aber sie hat die Klarheit vermissen lassen, teilweise zu hektisch abgeschlossen. Jetzt müssen wir es in Lille richten", sagte VfL-Coach Dieter Hecking. "Wir haben es eigentlich gut gemacht, aber wir müssen unsere Torchancen nutzen", meinte Wolfsburgs Manager Klaus Allofs bei Sky: "Es gibt so Spiele. Es wäre anders gelaufen, wenn unser Tor zum 1:0 gezählt hätte."

Die Wolfsburger kombinierten sich sicher durch die gegnerischen Reihen, in der Defensive gab es aber den ein oder anderen Aussetzer, auf den Altstar Samuel Eto'o und Lukaku lauerten. Nach einem Fehler in der Vorwärtsbewegung fiel so auch das 0:1, bei dem sich der bullige Lukaku mit seiner ganzen Dynamik und Klasse durchsetzte.

In der 22. Minute hatte der VfL Pech, als ein reguläres Tor des auffälligen Perisic wegen vermeintlichen Abseits nicht anerkannt wurde. Die Wolfsburger, die ohne die verletzten Ricardo Rodriguez und Josuha Guilavogui antraten, drängten auch nach dem Seitenwechsel auf das Tor des starken US-Nationalkeepers Tim Howard.

Die Zuspiele wurden aber zunehmend ungenauer, die Unmutsäußerungen auf der Tribüne wurden lauter. In der 61. Minute vergab Aiden McGeady völlig freistehend für die Toffees, ehe auch der zweite Treffer nach einem Konter fiel. Diesmal leistete Lukaku die Vorarbeit für Mirallas.

SID

Stimmen zum Spiel:

Aaron Hunt:  Wenn man so eine Ausgangsposition hat, wie vor dem Spiel, hätte man ein Endspiel in Lille vermeiden müssen. Wir müssen jetzt noch einmal Vollgas geben in der Gruppe, dann habe ich keine Sorge, dass es klappt mit dem Weiterkommen.

Naldo: Bis zum Konter und dem Tor haben wir kompakt gestanden.  In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, ein Tor zu schießen. Leider hat es nicht geklappt. Wir haben gut gespielt, und müssen jetzt konzentriert weiterarbeiten, damit wir in der Europa League weiterkommen.  Wir waren heute besser, haben aber nicht clever genug gespielt. Aus unseren Fehlern müssen wir lernen, aber die Mannschaft ist gut genug, dass Spiel abzuhaken und gegen Mönchengladbach am Sonntag wieder zu gewinnen.

Robin Knoche: Wir waren nicht konsequent genug. Der Gegner hat zwei, drei Torchancen, und die hat er eiskalt genutzt. Wenn man dann auch noch sieht, dass der nicht gegebene Treffer in der ersten Hälfte klar nicht Abseits war, ist die Niederlage umso ärgerlicher. In Lille müssen wir jetzt wieder das Quäntchen Glück erzwingen.

Klaus Allofs: Wir hatten gute Torchancen, die haben wir nicht genutzt. Die Kontersituation vor dem 0:1 darf so nicht entstehen. Das hat das Spiel verändert. Wir haben dann Druck gemacht, und dann läuft man eben Gefahr, dass solche Torchancen für den Gegner wie beim zweiten Gegentor entstehen. Jetzt müssen wir den Punkt in Lille machen. Das traue ich uns natürlich zu, aber die Spannung hätte man nicht unbedingt haben müssen.

Dieter Hecking: Wir hatten in der ersten Halbzeit viele Chancen, haben dann aber leider einen entscheidenden Fehler gemacht, als wir zu offensiv gedacht haben und in den Konter reingelaufen sind. Im zweiten Durchgang haben wir viel versucht, aber leider die Klarheit in unseren Aktionen vermissen lassen, der letzte Pass kam zu selten an. Mit dem Kontertor zum 0:2 war das Spiel dann entschieden. Es ist eine ärgerliche Niederlage, weil es insgesamt ein guter Auftritt meiner Mannschaft war.  Jetzt müssen wir in Lille den letzten Punkt holen, der uns noch für den Einzug in die nächste Runde fehlt. Die Qualität dazu haben wir.

Everton-Trainer Roberto Martinez: Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird, denn die Wolfsburger haben eine sehr gute Mannschaft. Wir haben gut verteidigt und waren dazu auch immer torgefährlich. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die heute Charakter gezeigt hat. Der VfL hat eine Mannschaft mit Champions-League-Format, deshalb bin ich sehr zufrieden, dass wir diese schwere Gruppe als Erster abschließen werden.

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