Hamburg - Der kleine Höhenflug des Hamburger SV ist abrupt gestoppt worden. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia verlor im kleinen Nordderby gegen Hannover 96 trotz zeitweise drückender Überlegenheit mit 1:2 (1:0) und verpasste leichtfertig den Anschluss an die Europacup-Plätze.

Michael Gregoritsch brachte den HSV zwar in der sechsten Minute in Führung, doch Hiroshi Kiyotake (59./Foulelfmeter) und Salif Sane (67.) drehten im zweiten Abschnitt binnen acht Minuten das Spiel.

Damit gelang Hannover der Befreiungsschlag im Tabellenkeller. Nach einer turbulenten Woche mit dem 1:2 in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt und dem 1:2 im Pokal bei Darmstadt 98 feierte das Team von Coach Michael Frontzeck seinen dritten Saisonsieg und kann im Abstiegskampf erst einmal durchatmen.

Zielstrebig, dominant, zweikampfstark: Mit dem besten Saisonstart seit fünf Jahren im Rücken präsentierten sich die Hamburger vor 54.607 Zuschauern im Volkspark überaus dominant und marschierten von Beginn an munter nach vorne. Und während sich der Gastgeber angesichts der zahlreichen Chancen nur den Vorwurf der schlechten Verwertung gefallen lassen musste, enttäuschte Hannover im ersten Abschnitt auf ganzer Linie und ließ keine echte Spielidee erkennen.

Keine sechs Minuten waren gespielt, als der HSV die Gäste-Verteidigung erstmals düpierte. Über Sven Schipplock gelangte der Ball zu Nicolai Müller, der auf der rechten Außenbahn auf und davon sprintete und von der Grundlinie mustergültig quer legte. Gregoritsch musste nur noch den Fuss hinhalten.

Auch in der Folge sahen die Zuschauer Hamburger Einbahnstraßen-Fußball. Erst zwang Dennis Diekmeier Nationalkeeper Ron-Robert Zieler zu einer Glanztat (18.), dann klatschte ein 20-m-Freistoß von Marcelo Díaz an den linken Außenpfosten (27.). Nur neun Minuten später vergab Müller völlig freistehend gegen Zieler.

Nach der Pause ebbte der Angriffswirbel der Hamburger plötzlich ab - und doch hatte Schipplock die große Chance zum 2:0. Aus zentraler Position verzog der Angreifer völlig freistehend.

Wie aus dem Nichts fiel im Gegenzug der Ausgleich. Nach einem Foul von Emir Spahic an dem eingewechselten Uffe Bech traf Hiroshi Kiyotake vom Punkt. Der HSV war schockiert und musste wenig später den Rückstand hinnehmen. Nach einer Flanke von Kiyotake schraubte sich Salif Sane in die Höhe und köpfte wuchtig aus elf Metern ins Tor. Damit war der Japaner Kiyotake an den letzten sieben 96-Treffern direkt beteiligt.

Einen besonderen Grund zur Freude hatte bei den Niedersachsen Torhüter Zieler. Der Nationalspieler überflügelte mit seinem 153. Ligaspiel in Folge den früheren 96-Verteidiger Jupp Hellingrath und stellte einen neuen Vereinsrekord auf. Zuletzt hatte Zieler am 2. April 2011 (1:4 bei Borussia Dortmund) ein Liga-Spiel verpasst.

SID

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Spieler des Spiels: Hiroshi Kiyotake

Hiroshi Kiyotake traf beim zwischenzeitlichen 1:1 erstmals in der Bundesliga per Strafstoß und gab die Torvorlage zum zweiten Tor, somit war er an sechs der letzten sieben Tore seiner Mannschaft direkt beteiligt. Gegen Hamburg war der Japaner an vier der fünf Hannoveraner Toschüsse beteiligt (einen abgegeben, drei vorbereitet).