Mönchengladbach - Viele Fragezeichen, aber zumindest einige Hoffnungsschimmer: 25 Stunden vor der Meldefrist seines endgültigen 23-Mann-Kaders für die WM in Brasilien hat Bundestrainer Joachim Löw einige unliebsame Erkenntnisse gewonnen. Beim 2:2 (0:0) gegen den Weltranglisten-50. Kamerun bog die deutsche Nationalelf zwar einen Rückstand zwischenzeitlich um, doch gaben vor allem der nicht fit wirkende Sami Khedira und der offensichtlich weiterhin im Formtief steckende Mesut Özil Anlass zur Sorge.

"Bei uns hat man germerkt, dass die Frische fehlt. Das Passpiel wr nicht gut, wir haben viele, viele Fehler gemacht", sagte Löw: "Wenn wir in Führung gehen, hätte es der Mannschaft geholfen. Es zieht sich durch die letzten Jahre, dass wir viele Chancen brauchen. Mesut Özil hat nicht seinen besten Tag gehabt, er braucht noch zwei Wochen, dann werden wir bei der WM einen starken Mesut sehen." 

"Haben uns das Leben selber schwer gemacht"

"Über weite Strecken haben wir es nicht gut gemacht. Sobald wir die Bälle schnell verlieren, kriegen wir gegen jede Mannschaft der Welt Probleme", sagte Kapitän Per Mertesacker. "Wir haben uns schlechter verkauft, als wir sind und uns das Leben selber schwer gemacht", so Torschütze Thomas Müller in der "ARD".

Özil wurde bei seiner Auswechslung von Pfiffen begleitet. Zudem erhielt Löw, der ohne seine noch nicht fitten Führungsspieler Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer auskommen musste, 15 Tage vor dem WM-Auftakt gegen Portugal einen weiteren Beweis dafür, dass Mario Götze als "falsche Neun" nicht das Allheilmittel in der Offensive ist.

Durm überzeugt beim Debüt

Dort angeboten hat sich allerdings Thomas Müller, der Torschützenkönig der vergangenen WM, der kurz nach dem Vorrücken ins Zentrum den Rückstand durch Samuel Eto'o (62.) egalisierte (66.). Eine schöne Aktion zweier eingewechselter Offensivspieler sorgte für das 2:1: Lukas Podolski bediente Torschütze Andre Schürrle (71.). Maxim Choupo-Moting (78.) vom 1. FSV Mainz 05 glich aber noch für Kamerun aus.

Erfreulich war die Leistung von drei Dortmundern: Roman Weidenfeller überzeugte in seinem zweiten Länderspiel voll und zeigte, dass er im Falle eines verletzungsbedingten WM-Ausfalls von Neuer eine verlässliche Alternative wäre. Erik Durm sammelte bei seinem Länderspiel-Debüt als Linksverteidiger durchaus Argumente für ein Brasilien-Ticket, Marco Reus setzte nach seinem starken Saisonfinale beim BVB offensiv einige Akzente. Die DFB-Elf absolviert am Donnerstag in Mainz noch einen Test gegen Armenien und fliegt dann am Freitag nach Brasilien. Am Montag muss Löw noch drei Spieler streichen.

Boateng verteidigt rechts, Klose sitzt auf der Bank

Vor dem Anpfiff hatte Löw für zwei kleine Überraschungen gesorgt: Jerome Boateng begann statt der erwarteten Kandidaten Benedikt Höwedes oder Kevin Großkreutz, die nun mehr denn je um ihr WM-Ticket bangen müssen, als rechter Außenverteidiger. Im Sturm gab Löw zunächst Götze den Vorzug vor Miroslav Klose.

Und diese Elf begann ausgesprochen schwungvoll und schnürte die "unbezähmbaren Löwen" in der eigenen Hälfte ein. Schon nach 40 Sekunden gab es die große, ja hundertprozentige Chance zur Führung. Nach einem sehenswerten Pass von Boateng kam Özil aus zehn Metern zentral frei zum Schuss, verzog aber knapp. Zwei Minuten später köpfte Mertesacker knapp drüber. Weitere acht Minuten darauf wurde Götze von Müller schön in Szene gesetzt, seinen Schuss lenkte Kameruns Keeper Charles Itandje mit letzter Kraft an den Pfosten.

Weidenfeller rückt mehr und mehr in den Fokus

Vor allem das Mittelfeld war in der ersten halben Stunde deutsches Hoheitsgebiet. Die vom Deutschen Volker Finke trainierten Gäste versuchten, vor allem körperlich dagegenzuhalten und damit die spielerischen Nachteile wettzumachen. Die erste Chance war dann auch eher ein Zufallsprodukt: Nach einem Querschläger von Khedira schloss Kameruns Stürmerstar Samuel Eto'o aus etwa zehn Metern ab, für DFB-Keeper Roman Weidenfeller war dies in seinem zweiten Länderspiel aber allenfalls eine erste Aufwärm-Übung (18.). Beim DFB-Team schien nun die Luft raus und so wäre vor der Pause sogar fast das 0:1 gefallen. Benjamin Moukandjo scheiterte nach Zuspiel von Eto'o aber freistehend am stark reagierenden Weidenfeller (38.).

Überraschenderweise wechselte Löw zur Pause noch nicht, obwohl er angekündigt hatte, das Kontingent von sechs Wechseln auf jeden Fall ausschöpfen zu wollen. Doch sein Team startete ähnlich vielversprechend wie im ersten Durchgang: Nach einem sehenswerten Doppelpass mit Müller verzog Reus aber mit dem Außenrist knapp (48.).

Müller und Schürrle drehen Rückstand

Nach knapp einer Stunde nahm der Bundestrainer den ersten personellen Austausch vor, einher ging auch gleich der erste taktische Wechsel: Schürrle kam für Götze, Müller rückte in die vorderste Spitze. Doch das Tor fiel auf der anderen Seite: Den ersten Schuss von Eto'o wehrte Weidenfeller noch gut ab, Boateng verhinderte die erneute Hereingabe nicht und Hummels schaltete in der Mitte zu spät.

Boateng machte seinen Fehler schnell wieder gut: Nach seiner Flanke köpfte Müller den Ball aus kurzer Distanz ein. Den Schwung nahm das DFB-Team mit, nur fünf Minuten nach dem Ausgleich sorgte Schürrle für die Führung. Auf der Gegenseite setzte Choupo-Moting einen satten Schuss in die Maschen. 

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