Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat Tabellenführer Borussia Dortmund die erste Niederlage der Saison beigebracht. Der Vizemeister kassierte im ausverkauften West-Schlager trotz langer Überlegenheit ein 0:2 (0:0). Die Fohlen festigten durch den vierten Sieg im vierten Heimspiel ihren Platz in der Verfolgergruppe.

Gladbachs Nationalspieler Max Kruse verwandelte in der 81. Minute einen Foulelfmeter, Mats Hummels hatte zuvor nach einer Notbremse an Havard Nordtveit die Rote Karte gesehen (80.). Für die Entscheidung sorgte Raffael vier Minuten vor dem Abpfiff. Vor dem Auftritt am Niederrhein hatten die Westfalen, bei denen Trainer Jürgen Klopp nach seiner Sperre im Champions-League-Spiel gegen Olympique Marseille (3:0) wieder auf der Bank saß, in 18 Auswärtsspielen nur eine Niederlage kassiert.

Favre: "Es war ein Wunder"



Gladbachs Trainer Lucien Favre versucht mit einer Kabinenansprache seine Spieler wachzurütteln: "In der ersten Halbzeit haben wir geschlafen. Es war ein Wunder, mit 0:0 in die Kabine zu kommen. Wir haben viel zu langsam agiert, zu langsam gedacht. Ich habe in der Pause gesagt, dass wir die erste Halbzeit vergessen und endlich Fußball spielen müssen. Am Ende gewinnen wir unverdient, das können wir klar sagen."

Für BVB-Trainer Jürgen Klopp ist die Niederlage auch ein Verdienst seiner eigenen Mannschaft: "Das war ein ungewöhnliches Spiel. Diese Überlegenheit über einen langen Zeitraum schien in unseren Analysen nicht möglch, es war aber so. Wir haben den Gegner brutal unter Druck gesetzt, aber kein Tor geschossen. Aber wir hatten schon auch unseren Anteil an der Niederlage. Wir haben das Spiel offen und Gladbach am Leben gelassen."

Zur Pause 17:1 Torschüsse für den BVB



Im ausverkauften Borussia-Park trat der BVB von Beginn an mit großem Selbstbewusstsein auf, bestimmte über weite Strecken die Begegnung und schnürte die Hausherren teilweise in der eigenen Hälfte ein. Die insgesamt harmlosen Gladbacher konnten kaum einmal ihr gefährliches Konterspiel aufziehen und sahen dem Dortmunder Treiben vor der Pause fast tatenlos zu - 17:1 Torschüsse zugunsten des BVB unterstrichen nach 45 Minuten die Überlegenheit der Gäste.

Schon in der fünften Minute hatten die Westfalen die erste gute Chance. Nationalspieler Marco Reus zielte an seiner früheren Wirkungsstätte nach einer zu kurzen Abwehr der Gladbacher knapp übers Tor. Wenig später scheiterte Hummels nach einem Durcheinander in der VfL-Abwehr aus vier Metern an Gladbachs Schlussmann Marc-Andre ter Stegen (16.).

Der BVB blieb auch in der Folge die gefährlichere Mannschaft und hatte durch einen Distanzschuss von Kevin Großkreutz (23.), ein starkes Solo von Reus (25.) und einen Schuss aus spitzem Winkel von Pierre-Emerick Aubameyang (28.) weitere gute Chancen. Das 0:0 zur Pause war aus Sicht der Gladbacher äußerst schmeichelhaft.

Wendt vergibt beste Gladbacher Chance nach Kruse-Zuspiel



Nach dem Seitenwechsel nahm der VfL endlich auch am Spiel teil: Nach einem Schuss von Juan Arango gab es in der 48. Minute die erste Ecke für die Gastgeber, wenig später tauchte auch Nordtveit (50.) gefährlich vor BVB-Torhüter Roman Weidenfeller auf. In der 60. Minute hatte Dortmund schon einmal Glück, als der aufgerückte Verteidiger Oscar Wendt nach schönem Zuspiel von Kruse aus elf Metern knapp am rechten Pfosten vorbeischoss.

Anschließend übernahm Dortmund gegen die nun etwas aktiveren, aber im Spielaufbau fahrlässigen Fohlen wieder das Kommando. Der starke ter Stegen rettete gegen Reus (62.), auch Hummels (66.) verpasste knapp. Auf der Gegenseite kam der Dortmunder Innenverteidiger nach schöner Kombination der Gladbacher dann am Elfmeterpunkt zu spät gegen Nordtveit und musste dafür in seinem 156. Bundesliga-Spiel zum ersten Mal vom Platz.

Kruse ließ Weidenfeller vom Punkt keine Chance. Trotz Unterzahl kam der BVB noch einmal zur Ausgleichschance, Reus traf mit einem sehenswerten Freistoß aus 25 Metern aber nur die Latte. Raffael sorgte wenige Minuten später für die endgültige Entscheidung, als er einen Gladbacher Konter nach Zuspiel von Arango eiskalt abschloss.

Spieler des Spiels: Marc-Andre ter Stegen

Marc-Andre ter Stegen brachte die Dortmunder reihenweise zur Verzweiflung. Der Gladbacher Keeper stand unter Dauerbeschuss, war 66 Mal am Ball (bei den Gladbachern nur Tony Jantschke öfter) und wehrte alle acht Torschüsse auf seinen Kasten ab. Damit war er bei Borussia Mönchengladbach letztlich der Garant für den Sieg.