Sinsheim - 1899 Hoffenheim überrollt mit starkem Kombinationsspiel einen schwachen VfB Stuttgart und beschert den Schwaben mit dem 4:1 im baden-württembergischen Derby die sechste Pleite in Folge. Die Hoffenheimer spielten sich in einen Rausch und hätten durchaus auch noch höher gewinnen können.

Damit ist der VfB nur noch eine Niederlage von seinem Negativrekord aus der Saison 1986/87 entfernt. Der Ex-Stuttgarter Sven Schipplock (12. und 66.), Kevin Volland (49.) und Roberto Firmino (90.+2) trafen unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw für Hoffenheim. Antonio Rüdiger war für Stuttgart erfolgreich (78.). Stuttgarts Moritz Leitner (80.) sah wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte.

Gisdol: "Das war ein dickes Ding"

1899-Trainer Markus Gisdol ist vollauf zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: "Das war ein dickes Ding, das meine Mannschaft da rausgehauen hat. Die Spieler haben wie aufgedreht gespielt. Das war eine super Leistung. Dafür werden wir die Jungs belohnen. Am Montag und Dienstag machen wir frei."

Stuttgarts Trainer Thomas Schneider erkennt die Überlegenheit von Hoffenheim an und weiß was verbessert werden muss: "Das war ein verdienter Sieg für Hoffenheim. Für uns war es ein weiterer Tief- und Rückschlag. Es bleibt das Problem, dass wir uns in den Zweikämpfen nicht gut anstellen. Da fehlt es, da müssen wir weiter hart arbeiten."

Khedira rettet für geschlagenen Ulreich

In der Rhein-Neckar-Arena hätten die Gastgeber, die am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals am Ligarivalen VfL Wolfsburg gescheitert waren (2:3), eigentlich nach 80 Sekunden in Führung gehen müssen. Nach Vorarbeit von Sejad Salihovic kam Fabian Johnson völlig freistehend zum Abschluss. Der Stuttgarter Rani Khedira rettete aber für seinen bereits geschlagenen Torwart Sven Ulreich kurz vor der Linie.

Die Schwaben, bei denen der gesperrte Ex-Hoffenheimer Vedad Ibisevic und der verletzte Kapitän Christian Gentner fehlten, verbuchten ihrerseits nach sieben Minuten die erste Möglichkeit durch Martin Harnik. Insgesamt war die Begegnung auf dem schwer bespielbaren Boden in der Anfangsphase hart umkämpft, der Derbycharakter kam deutlich zum Vorschein. Das Spiel wogte bei Dauerregen hin und her.

Schipplock zum Ersten

Die Kraichgauer, bei denen acht ehemalige VfB-Spieler unter Vertrag stehen, ließen sich durch die widrigen Wetterverhältnisse nicht beirren und drängten weiter auf die Führung. Nach Vorarbeit von Roberto Firmino staubte Schipplock ab.

Die Stuttgarter, deren Trainer Thomas Schneider im Hinspiel sein Bundesliga-Debüt und den höchsten Einstands-Sieg eines VfB-Trainers (6:2) feierte, waren kurz darauf dem Ausgleich nahe. Jungstar Timo Werner ließ die Chance aber liegen (14.). Danach dauerte es bis zur 33. Minute, ehe die Gäste durch Leitner wieder gefährlich vor dem Hoffenheimer Tor auftauchten. Auf der Gegenseite traf Salihovic aus der Distanz den Pfosten (41.).

Schipplock zum Zweiten

Kurz nach dem Seitenwechsel schlugen Hoffenheimer, die ohne den gelbgesperrten Sebastian Rudy auskommen mussten, wieder zu. Nach Vorarbeit von Salihovic erzielte Volland sein achtes Saisontor.

Kurz darauf hätte Volland zweimal für die Vorentscheidung sorgen können, er scheiterte aber zweimal an Ulreich (54. und 64.). Schipplock machte es bei seinem fünften Saisontor nach Vorarbeit Firminos besser. 

Spieler des Spiels: Sven Schipplock

Sven Schipplock gab zwei Torschüsse gegen seinen Ex-Verein ab und traf mit beiden.  Der Stürmer war sehr laufstark, legte in seinen 73 Minuten 38 Sprints hin und zeigte bei seinem Traumlupfer, über was für technische Fähigkeiten er verfügt.