Stuttgart - VfB Stuttgart hat auch im Spiel gegen Braunschweig den Bann nicht gebrochen und den ersehnten Befreiungsschlag wieder verpasst. Im Abstiegskrimi gegen die Niedersachsen kamen die Schwaben am 24. Spieltag nach zuvor acht Pleiten in Folge nicht über ein 2:2 (2:1) hinaus.

Schneider: "Ich bin absolut enttäuscht"

VfB-Trainer Thomas Schneider zeigte sich konsterniert über den Spielverlauf der Partie: "Ich bin absolut enttäuscht. Man hat der Mannschaft 25 Minuten lang die Verunsicherung angemerkt. Wir haben eine gute Reaktion gezeigt und das Spiel gedreht. Mit dem Elfmeter hatten wir die Chance, das Spiel zu entscheiden. Es ist symptomatisch für die Phase, in der wir stecken."

Braunschweigs Trainer Lieberknecht sagte zu dem Spiel: "Wir haben sehr gut reingefunden und das Spiel kontrolliert. Dann haben uns fünf Minuten an den Rand der Niederlage gebracht. Wir mussten Drucksituationen überstehen, aber haben nicht aufgesteckt. Wir wissen noch nicht, wo die Reise hingeht, aber wir sind zumindest auf der Reise noch dabei."

Der VfB muss weiterhin vor dem zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte zittern. Braunschweig ergeht es nicht anders, die Niedersachsen bleiben trotz des Punktgewinns Schlusslicht.

Eintracht geht in Führung

Im Duell des bislang schwächsten Heimteams gegen die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft schockte Jan Hochscheidt (24.) die Schneider-Elf zunächst mit einem Rechtsschuss ins obere Eck. Das zweite Saisontor des Mittelfeldspielers ließ den VfB minutenlang regelrecht erstarren, bevor Alexandru Maxim (30.) mit dem 1:1 die Hoffnung zurückbrachte. Dem äußerst engagierten Martin Harnik (35.) gelang bald darauf das 2:1 für den nun endgültig wieder Mut schöpfenden Traditionsverein. Christian Gentner (52.) vergab per Elfmeter die große Chance, das Ergebnis auszubauen. Ermin Bicakcic (82.) nutzte das mit dem Ausgleich aus.

Vor den Treffern war die Schneider-Elf fahrig, ungeordnet und auch zu zaghaft. Zwar war dem VfB von Beginn an das Bemühen nicht abzusprechen, doch eine klare Linie im Spiel suchte man vergeblich. Die Elf von Torsten Lieberknecht, bei der Norman Theuerkauf den Gelb gesperrten Mirko Boland vertrat, machte anfangs den robusteren Eindruck und erarbeitete sich aus einer kompakten Defensive heraus gewisse optische Vorteile.

Volles Haus in Stuttgart

Trotz der Unterstützung durch viele der 59.000 Zuschauer im erst zum zweiten Mal in der Saison ausverkauften Stadion war die Nervosität und Verunsicherung durch die hochprekäre Lage förmlich zu greifen. Stuttgart, das links hinten Konstantin Rausch für Gotoku Sakai aufbot, zeigte große Schwächen im Aufbau, setzte auf zu viel lange Bälle, die zudem oft unpräzise waren. Dazu kam ein unerklärliche Unordnung in der Defensive. Cacau und Harnik im Sturmzentrum hingen erst einmal in der Luft.

Der Treffer von Hochscheidt war so auch ein Produkt dieser Umstände. Stuttgarts Daniel Schwaab sah am Flügel schlecht gegen Karim Bellarabi aus und dessen Eingabe lenkte Antonio Rüdiger direkt vor die Füße des Torschützen. Zuvor hätte bereits Ex-VfB-Profi Ermin Bicakcic (15.) fast die Führung erzielt.

Harnik dreht das Spiel

Zu dem Zeitpunkt völlig überraschend meldete sich der VfB zurück, als Arthur Boka auf Harnik flankte und dessen Ablage von Maxim über die Linie gedrückt wurde. Fünf Minuten später war es dann umgekehrt. Maxim gab den Ball nach innen und Harnik zog von der Strafraumgrenze unhaltbar zu seinem sechsten Saisontor ab.

Nach dem Wechsel hatte Stuttgart nach einem Foul von Eintracht-Torwart Daniel Davari an Harnik die Möglichkeit, frühzeitig die Weichen in Richtung Sieg zu stellen. Doch Kapitän Gentner schoss den fälligen Elfmeter zu wenig druckvoll - Davari parierte. Heikel wurde es nochmals in der 64. Minute, als Gentner eine Ecke Richtung Tor verlängerte und Braunschweigs Marc Pfitzner auf der Linie rettete. Danach setzte der eingewechselte Timo Perthel (76.) einen Freistoß hauchdünn neben das VfB-Tor. Schlussmann Sven Ulreich lenkte in der 80. Minute einen Kopfball von Benjamin Kessel über die Querlatte, doch gegen Bicakcic war er chancenlos. 

Spieler des Spiels: Martin Harnik

Martin Harnik bereitete den ersten Stuttgarter Treffer für Alexandru Maxim vor, traf dann selbst zum 2:1. Der Österreicher holte außerdem den Elfmeter heraus, den Christian Gentner vergab - es wäre das 3:1 gewesen. Harnik legte die meisten Sprints aller Stuttgarter hin (31).