Hamburg - Trotz einer weiteren Pleite darf der Hamburger SV weiter davon träumen, dass die Bundesliga-Uhr nach fast 51 Jahren weiter ticken darf. Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka unterlag Bayern München im Nord-Süd-Klassiker mit 1:4 (0:1), dank Patzern der Konkurrenz hat Hamburg es am letzten Spieltag in Mainz aber in der eigenen Hand, den ersten Abstieg der Bundesliga-Geschichte noch abzuwenden und sich über die Relegation zu retten.

Die Pleite gegen den Rekordmeister war die fünfte Niederlage in den vergangenen sechs Spielen - es könnte das vorerst letzte Erstligaspiel in der Hansestadt gewesen sein. Vor dem letzten Spieltag bleibt der HSV allerdings auf dem Relegationsplatz.

Boateng sieht Rot

Mario Götze mit seinen Saisontreffern neun und zehn (32. und 70.) und Thomas Müller (55.) brachten die Bayern auf die Siegesstraße. Der eingewechstelte Claudio Pizarro machte mit einem sehenswerten Fallrückzieher alles klar für den Meister (75.). Hakan Calhanoglu traf zum zwischenzeitlichen 1:3 für den im zweiten Abschnitt überforderten HSV (72.). Beim FC Bayern sah Nationalspieler Jerome Boateng nach einer Tätlichkeit die Rote Karte (86.).

Die Bayern zeigten sich vier Tage nach der 0:4-Schmach in der Champions League gegen Real Madrid zumindest in der zweiten Hälfte bestens erholt. Das Team von Coach Pep Guardiola feierte seinen 28. Saisonsieg und holte sich frisches Selbstvertrauen für das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund in zwei Wochen

HSV beginnt stark, Bayern trifft

Hoch konzentriert, gut organisiert und zweikampfstark: Die Hamburger, die kurzfristig auf Nationalspieler Marcell Jansen (Knöchelprobleme) verzichten mussten, begannen im letzten Heimspiel der Saison überraschend gut. Während das gefürchtete Kurzpassspiel der Münchner zunächst für keinerlei Torgefahr sorgte, setzten die Norddeutschen immer wieder kleine Nadelstiche und erspielten sich sogar die besseren Möglichkeiten. Erst verzog Ivo Ilicevic, der den verwaisten Platz in der HSV-Spitze einnahm, nach einem Querschläger von Manuel Neuer knapp (13.). Nur zwei Minuten später verfehlte Youngster Calhanoglu bei einem Konter das Ziel.

Götze trifft doppelt, Pizarro zaubert

Auch in der Folge zeigte sich die Bayern-Defensive immer wieder unkonzentriert und fahrig. Vor allem das Mittelfeld um Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos leistete sich den ein oder anderen leichtsinnigen Ballverlust. Erst als Götze, der für den verletzten Franck Ribery (Rückenprobleme) in die Startelf gerückt war, nach feinem Doppelpass mit Arjen Robben wie aus dem Nichts zur schmeichelhaften Führung traf, erhellten sich die Mienen auf der Bayern-Bank.

Im zweiten Abschnitt präsentierten sich die Gäste deutlich konzentrierter, drückten auf das 2:0 - und wurden schnell belohnt. Nachdem Robben zunächst noch aus kurzer Distanz an HSV-Torwart Rene Adler scheiterte (53.), hatte Müller wenig später keine Mühe, als er einen Götze-Schuss nach einer Ecke unhaltbar ins Hamburger Tor abfälschte. Pizarro traf im Nachschuss per Fallrückzieher, Götze nach Vorarbeit von Müller.

Im weiteren Spielverlauf hatte der HSV nichts mehr zuzusetzen, so dass die Münchner leichtes Spiel hatten und das Ergebnis sogar noch ausbauten.

Spieler des Spiels:
Mario Götze

Mario Götze (r.) schnürte erstmals im Bayern-Trikot einen Doppelpack und hatte auch noch an den weiteren Treffern seinen Anteil. Es waren seine Saisontore Nummer neun und zehn, womit er seinen persönlichen Rekord aus der letzten Spielzeit eingestellt hat.