Stuttgart - Brisanter geht's kaum: Wenn am Mittwoch der VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Halbfinale auf den SC Freiburg trifft (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), dann steht eine ganze Region Kopf. Vor allem für die schwäbischen Gastgeber ist es das Spiel des Jahres, denn mit einem Sieg könnten sie sich doch noch für das internationale Geschäft qualifizieren.

Es war am Sonntagabend etwa gegen 19 Uhr, als am Stuttgarter Trainingsgelände ein Bus mit Spielern eintraf - mit genau den Spielern, die wenige Stunden zuvor ihr Heimspiel hatten. VfB-Trainer Bruno Labbadia hatte sich als Vorbereitung auf den Pokal-Halbfinal-Kracher gegen den SC Freiburg zu ungewöhnlichen Maßnahmen entschieden.

Labbadia: "Gewinnen einen Tag Vorbereitung"



Direkt nach dem Abpfiff hieß es noch in der Kabine ordentlich Kohlenhydrate futtern, alles im Dienste der Fitness für das wohl wichtigste Saisonspiel aus VfB-Sicht. Danach wurden die Muskeln in der Reha-Welt mit entspanntem Radeln gelockert, während die Reservisten des Gladbach-Spiels noch einmal auf dem Platz mussten. "Wir gewinnen so einen Tag Vorbereitung", begründete Labbadia die Maßnahmen. Schließlich hätten die Freiburger, die bereits am Freitag gespielt haben, zwei Tage mehr zur Regeneration als die schwäbischen Rivalen.

Aber es ist nicht nur die körperliche Komponente, die den Freiburgern in die Karten spielen könnte, sondern auch ihre derzeit blendende Verfassung. Seit Wochen und Monaten brilliert die Mannschaft von Trainer Christian Streich in der Bundesliga, zuletzt beim , beim dem Max Kruse und Jonathan Schmid trafen, und schnuppert mittlerweile sogar an der Qualifikation für die begehrte Champions League.

Streich glaubt VfB in Zugzwang



Streich unternahm vor dem brisanten schwäbisch-badischen Duell dann auch alles, um die Euphorie rund um seine Breisgauer Himmelsstürmer zu dämpfen. "Das ist ein ganz normales Spiel", sagte er, um hinterherzuschieben: "Natürlich sind wir sehr fokussiert." Freiburger Taktik scheint es auch zu sein, den Druck auf die Stuttgarter zu erhöhen. "Für den VfB hat das Spiel eine andere Wichtigkeit, weil sie eher gewinnen müssen. Wir haben kein Ziel definiert", so Streich weiter. In der Tat würde ein Erfolg am Mittwoch schon die Teilnahme an der Europa League garantieren. Denn Endspielgegner Bayern München spielt als Deutscher Meister definitiv in der Champions League.

Klar ist: Wie die Freiburger befinden sich auch die Stuttgarter in starker Form. Nachdem der VfB in dieser Saison eine sportliche Achterbahnfahrt erlebt, sind die Schwaben aktuell wieder auf Kurs. Gegen Mönchengladbach zeigten sie eine eindrucksvolle Vorstellung und überzeugten endlich einmal wieder mit feinem Fußball und teilweise tollen Kombinationen.

11.000 SC-Fans reisen nach Stuttgart



Der Aufschwung des VfB hat Gründe: Mit dem rumänischen Neuzugang Alexandru Maxim, der mittlerweile als Spielmacher und Standardexperte nicht mehr wegzudenken ist, haben die Stuttgarter deutlich an Qualität gewonnen. Von ihm profitieren vor allem die Offensivakteure. "Maxim ist sehr ballsicher. Ich weiß, dass ich ihn jederzeit anspielen kann und den Ball auch zurück bekomme. Maxim will immer kombinieren und das ist perfekt für mein Spiel. Er ist ein absoluter Gewinn für unser Team”, war beispielsweise Ibrahima Traore nach dem Gladbach-Spiel gegenüber bundesliga.de voll des Lobes. Auch Labbadias Idee, den technisch versierten Arthur Boka als Mittelfeld-Abräumer zu installieren, fruchtet.

Personell können beide Mannschaften fast aus dem Vollen schöpfen, beim VfB war nach dem Abschlusstraining am Dienstag lediglich Serdar Tasci wegen Problemen mit der Achillessehne fraglich. Die Freiburger, die von sage und schreibe 11.000 Fans ins Schwäbische begleitet werden, können also auf ihre zuletzt so erfolgreiche Elf vertrauen.


Voraussichtliche Aufstellungen:

VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci (Rüdiger), Niedermeier, Molinaro - Gentner, Boka - Harnik, Maxim, Traore - Ibisevic

SC Freiburg: Baumann - Mujdza, Krmas, Diagne, Sorg - Ginter, Schuster - Schmid, Daniel Caligiuri - Rosenthal, Kruse

Schiedsrichter: Meyer

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer