Wenn es in der Bundesliga Tore hagelt, hat Borussia Mönchengladbach meistens die Füße mit im Spiel. Wie jetzt auch wieder beim 4:3-Sieg der "Fohlen" gegen Werder Bremen. So langsam werden irre Spiele im Borussia-Park zur Normalität.

Als einziger Bundesligist hat die "Elf vom Niederrhein" bereits zwei Partien trotz dreier Gegentore noch gewonnen. Dem 5:3 gegen Hannover 96 vor einigen Wochen ließen die Schützlinge von Trainer Michael Frontzeck ein weiteres Spektakel mit Happy End folgen.

Spektakel für die Zuschauer

Spaßfußball pur im Borussia-Park. Die Fans kommen voll auf ihre Kosten, können die Torfluten aber nicht immer stressfrei genießen.

Denn selbst eine vermeintlich klare 3:0-Führung verwandelt die Borussia nicht automatisch in ungefährdete Siege. Eher ist das Gegenteil der Fall. Am 1. Spieltag verspielten die Borussen ein 3:0 in Bochum (Endstand 3:3), gegen Hoffenheim gab es am 6. Spieltag nach einem 2:0-Vorsprung noch ein 2:4 und auch gegen Hannover und Bremen wurde es noch einmal richtig eng. Aber dieses Mal ging gut aus.

Sonderapplaus für Bobadilla

So hat Mönchenglabach nach 20 Runden mit 25 Zählern auf dem Konto punktemäßig zum amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg aufgeschlossen, einen respektablen 12. Tabellenplatz erkämpft und satte acht Vorsprung auf den Relegationsrang 16. Und die Borussia verfügt wieder über einen Stürmer in ihren Reihen, den manche bereits abgeschrieben haben: Raul Bobadilla.

Der 22-jährige, kräftige Argentinier war ohne Frage der Mann des Tages. Erst legte er zwei Tore auf, dann vollstreckte er selbst im "Doppelpack". Mit stehenden Ovationen wurde er bei seiner Auswechslung nach 80 Minuten gefeiert.

"Ich bin überglücklich. Ich bin mit mir und der Mannschaft sehr zufrieden", jubelte Bobadilla ohne Dolmetscher in passablem Deutsch. "Es war ein schöner Sieg. Ein Supertag. Es war schwer, so lange auf ein Tor warten zu müssen. Aber ich habe immer gesagt, dass ich ein bisschen Zeit brauche. Jetzt im neuen Jahr kommen neue Tore. Ich habe an mich geglaubt."

Extralob für Bobadilla

Nach nur einem Tor Bobadillas in der Vorrunde kamen kritische Stimmen auf. "Ich bin froh, dass er den ganzen Leuten einen Maulkorb verpasst hat, die schon wieder angefangen hatten zu erzählen: so viel Ablöse und nur ein Tor", freute sich Borussias Außenverteidiger Tobias Levels mit dem Südamerikaner, zu dem er dank seiner Spanischkenntnisse einen guten Draht hat.

"Wenn man so erfolgreich spielt wie Raul heute und zwei Tore vorbereitet und zwei Tore selbst macht, dann muss man voll integriert sein", sagte Levels: "Nach der Kritik hat er sich seine Gedanken gemacht. Dann spielt die Psyche eine große Rolle. Er ist nicht 30 Jahre alt, er ist erst 22 und hat eine große Qualität. Ich freue mich besonders für ihn, dass der Knoten jetzt komplett geplatzt ist."

Auch von Borussia Mittelfeldrackerer Thorben Marx gab es ein Extralob für den neuen Goalgetter: "Nicht nur wegen seiner Tore hat er überzeugt, sondern auch wegen seiner ganzen Arbeit für die Mannschaft. Wenn er demnächst nicht mehr trifft, aber so für die Mannschaft arbeitet, dann sind wir auch alle zufrieden."

Levels kann nicht aus seiner Haut

Vor dem kommenden Spiel am nächsten Sonntag in Mainz hat die Borussia also wieder rechtzeitig in die Erfolgsspur der Hinrunde zurückgefunden, aus der man mit dem Stotterstart gegen Bochum (1:2) und in Berlin (0:0) im neuen Jahr etwas geraten war. Die Truppe liegt im Soll. "Wenn wir unsere Verfassung so konservieren können, werden wir in der Rückrunde keine Probleme bekommen", sagt Levels selbstbewusst.

Nur eins stört den kantigen Abwehrspieler. "Solche Spiele wie gegen Bremen brauche ich nicht jede Woche. Wenn man 4:3 gewinnt, freut man sich für die Zuschauer. Die werden sicher alle wiederkommen", erklärte der Verteidiger: "Mir gefällt aber generell ein solides 1:0 besser als ein 4:3."

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski