München - Einen Punkt Vorsprung hat der FC Bayern München vor Hannover 96. Ein Punkt, der entscheidet, ob man in der kommenden Saison in der Champions-League-Qualifikation startet oder doch "nur" Europa League spielt.

Nach 28 Spieltagen in der Bundesliga muss der Blick des Rekordmeisters sich auf die Verfolger richten, Spitzenreiter Borussia Dortmund ist mit 14 Punkten Abstand bei nur noch 18 zu vergebenen Zählern schier aussichtslos entfernt, und auch auf den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen fehlen bereits sieben Punkte - auch wenn es zwischen den beiden Teams am 30. Spieltag noch zu einem direkten Duell kommt.

Hannover und Mainz die härteste Konkurrenz

"Leverkusen ist sieben Punkte voraus. Die machen einen stabilen Eindruck, da muss schon viel passieren", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger: "Wir müssen diesen 3. Platz auf jeden Fall halten."

Die Bayern (51) wollen alles dransetzen, Hannover (50) und auch den 1. FSV Mainz 05 (45), der auf Platz 5 lauert, auf Abstand zu halten. Der 1. FC Nürnberg (42) sowie der Hamburger SV (41) haben dagegen schon einen deutlicheren Rückstand.

Doch der Schlussspurt der Münchner ist in der Bundesliga-Historie nicht immer von Erfolg gekrönt. bundesliga.de wirft einen Blick in die Datenbank und zeigt, wie Bayerns Chancen stehen, die Saison mit dem Minimalziel Champions-League-Qualifikation abzuschließen.

Sechs Siege eine Seltenheit

Sechs Spiele stehen noch aus und die Bayern können sich nach dem Aus in Champions League und DFB-Pokal ganz auf die Bundesligapartien konzentrieren. Doch sechs Siege aus den letzten sechs Partien gelangen dem FCB in seinen 45 Bundesliga-Spielzeiten erst zwei Mal.

2004/05 holte Bayern unter Trainer Felix Magath mit diesen Erfolgen die 19. Deutsche Meisterschaft. 1980/81 gelang dem Rekordmeister unter Pal Csernai das gleiche Kunststück.

Die Statistik spricht gegen einen blitzsauberen Endspurt

Von der Meisterschaft sind die Bayern in diesem Jahr ein ganzes Stück entfernt, aber mit sechs Siegen könnte man noch auf Platz 2 schielen, insbesondere da man im direkten Duell gegen Bayer den Rückstand auf vier Zähler verkürzen würde.

Allerdings steht die Erfolgsquote der Münchner bei knapp 56 Prozent. Etwas mehr als die Hälfte all seiner Bundesligaspiele (880 von 1.562) hat der Rekordmeister gewonnen, die restlichen gingen unentschieden oder mit einer Niederlage aus. Die Wahrscheinlichkeit auf sechs Siege ist also sehr gering (3,2 Prozent).

Platz 4 droht

Die Gefahr, dass insbesondere Hannover wieder an den Bayern vorbeiziehen könnte, ist größer. Fünf Mal stand der FCB nach dem 28. Spieltag auf Rang 3, ein Mal (1969/70) gelang den Münchnern noch der Sprung auf Rang 2, zwei Mal blieb es beim 3. Platz (1981/82 und 2001/02) und ebenfalls zwei Mal rutschten sie noch auf den 4. Rang ab (1982/83 und 1983/84).

Der Verlust von Rang 3 ist aber nicht ausschließlich auf durchwachsene Leistungen zurückzuführen, in den beiden betreffenden Spielzeiten zeigte der Rekordmeister zwei vollkommen unterschiedliche Endspurts. Während der FCB die bessere Platzierung 1982/83 selbst aus der Hand gab, da er bei sechs Spielen nur zwei Siege und ein Remis einfuhr, schob sich 1983/84 der HSV noch an den Bayern vorbei. Die Bayern gewannen damals vier Partien der Spieltage 29 bis 34 und holten ein Remis, Hamburg fuhr dagegen fünf Siege ein - darunter ein 2:1-Erfolg im direkten Duell.

Wenn 13 Punkte nicht reichen

Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel hätte Bayern damals 13 Zähler geholt, und trotzdem hätte es nicht zur Champions-League-Qualifikation gereicht. Weniger als fünf Punkte holten die Münchner im Saisonendspurt aber nie.

Neben Leverkusen gehören auch Nürnberg, Frankfurt, Schalke, St. Pauli und Stuttgart zum Restprogramm. Gegen diese sechs Gegner fuhr der FCB in der Hinrunde pikanterweise ebenfalls 13 Punkte ein. Doch die Geschichte zeigt, dass nur ein blitzsauberer Endspurt mit sechs Siegen eine Garantie dafür ist, dass 96 den Bayern nicht doch einen Strich durch die Rechnung macht.

Jessica Pulter