Arbeitssieg nach Elfmeter-Komödie und Billard-Tor: Europameister Spanien hat die nächste Hürde auf dem Weg zum ersten WM-Titel übersprungen und will nun Deutschland wie schon im EM-Finale 2008 den großen Triumph verwehren.

Der Topfavorit zog durch ein mühevolles 1:0 (0:0) in einem verrückten Spiel gegen Außenseiter Paraguay erstmals in ein WM-Halbfinale ein. Am Mittwoch geht es in Durban gegen die DFB-Auswahl.

Paraguay kann trotz der Niederlage in seinem ersten WM-Viertelfinale erhobenen Hauptes nach Hause fliegen.

Zwei Elfmeter in 60 Sekunden

55.359 Zuschauer im Ellis Park von Johannesburg erlebten zunächst eine wohl einmalige Elfmeter-Posse in drei Akten: Erst versagten Paraguays Oscar Cardozo die Nerven (59.), 60 Sekunden später zeigte Schiedsrichter Carlos Batres aus Guatemala wieder auf den Punkt, und der Spanier Xabi Alonso verwandelte sicher - jedoch nur im ersten Anlauf.

Als Batres eine Wiederholung anordnete, hielt Torhüter Justo Villar. Beim Nachschuss wurde Cesc Fabregas zwar von Villar elfmeterreif gefoult, aber Batres hatte offenbar genug von Strafstößen.

Ping-Pong-Tor durch Villa

David Villa knackte schließlich die kompakte Defensive der Südamerikaner mit dem nicht weniger kuriosen Siegtor (83.). Drei Pfostentreffer in drei Sekunden waren seinem fünften Turniertor vorausgegangen. Spaniens Torhüter Iker Casillas rettete gegen die eingewechselten Lucas Barrios und Roque Santa Cruz den Sieg (89.).

Deutschland hat gegen die Iberer nach bisher 20 Duellen eine positive Bilanz (8 Siege, 6 Niederlagen, 6 Unentschieden), auch bei WM-Endrunden: Von drei Spielen ging keines verloren, zuletzt trafen beide Mannschaften 1994 in der Vorrunde in den USA aufeinander (1: 1). Jedoch blieb das letzte Duell in schlechter Erinnerung: Es war das 0:1 im EM-Finale von Wien 2008.

Torres zu harmlos

Das heutige Sorgenkind Fernando Torres erzielte damals den Siegtreffer, und der Blick auf die spanische Aufstellung zeigte deutlich, dass Trainer Vicente Del Bosque eine Nibelungentreue zu seinem Angreifer entwickelt hat. Obwohl Torres in den ersten vier WM-Spielen insgesamt nur zwei Schüsse aufs gegnerische Tor gebracht hatte, bekam er noch einmal eine Chance.

Torgefahr allerdings strahlte er zunächst nicht aus, und die Spanier spielten generell nicht, wie die Nummer 2 der Weltrangliste gegen die Nummer 31 spielen sollte.

Paraguay bissig

Paraguay störte sehr aggressiv und laufintensiv die Kreise des Europameisters, der somit nicht in der Lage war, sein gefürchtetes Kurzpass-Spiel aufzuziehen. In der 56. Minute hielt selbst Del Bosque nicht mehr am wieder erschreckend harmlosen Torres fest, Fabregas kam als Ersatz.

Dass Paraguays Trainer Gerardo Martino seine Mannschaft nach der schwachen Achtelfinal-Vorstellung gegen Japan in der Offensive komplett umgestellt hatte, machte sich nicht negativ bemerkbar.

Barrios nur auf der Bank

Im Gegenteil: Jonathan Santana, einer von sechs Neuen in der Startelf, hatte bereits in der ersten Minute eine Chance, den 16-m-Schuss des Wolfsburgers parierte Casillas.

Barrios von Borussia Dortmund war eines der Opfer der großen Rotation, für ihn spielte sein Teamkollege Nelson Valdez im Sturm. Spanien schien von der Spielweise des Außenseiters überrascht und bekam keine Ordnung ins Spiel. Wo immer ein Spanier am Ball war, kam ein Gegner herangeflogen.

Spanien siegt ohne Glanz

Allerdings stellte sich nach 25 Minuten doch eine spanische Dominanz ein, der Topfavorit kam zu ersten Gelegenheiten, aber nur aus der Distanz, weil Paraguay klug Pässe in die Tiefe verhinderte. Xavi schoss aus 20 Metern aufs Tornetz (29.), Torres verpasste eine scharfe Flanke von Andres Iniesta (34.).

Paraguay war nun gezwungen, auf Konter zu setzen, einen hätte Santana fast zum 1:0 genutzt - er verpasste den Ball nach Hereingabe von Claudio Morel um Zentimeter. Ein Treffer von Valdez (41). wurde zu Recht wegen Abseits nicht anerkannt. Nach dem Strafstoß-Festival war Spanien besser, aber keineswegs zwingend - bis zum Tor.


Schema:

Paraguay: Villar - Veron, da Silva, Alcaraz, Rodriguez - Victor Caceres (84. Barrios) - Santana, Barreto (64. Vera), Riveros - Valdez (73. Santa Cruz), Cardozo

Spanien: Casillas - Ramos, Pique, Puyol (84. Marchena), Capdevila - Busquets - Xavi, Xabi Alonso (75. Pedro) - Iniesta, Villa - Torres (56. Fabregas)

Schiedsrichter: Carlos Batres (Guatemala)

Tor: 0:1 Villa (83.)

Zuschauer in Johannesburg/Ellis Park: 55.359

Gelbe Karten: Victor Caceres, Alcaraz, Rodriguez, Santana - Pique, Busquets

Besondere Vorkommnisse: Casillas hält Foulelfmeter von Cardozo (59. ), Villar hält Foulelfmeter von Xabi Alonso (62.)