München - 35 Minuten spielte die Türkei in Berlin gegen Deutschland gut mit, hatte sogar etwas mehr Spielanteile. Doch dann schalteten die Hausherren einen Gang höher und gingen noch vor der Pause verdient mit 1:0 in Führung - es hätte auch noch ein zweiter Treffer fallen können.

In der Folge hatte die DFB-Elf das Spiel dann - bis auf die Großchance von Halil Altintop - im Griff und siegte letztlich auch in der Höhe verdient mit 3:0. bundesliga.de nimmt die deutschen Spieler genau unter die Lupe.

Manuel Neuer: Es war die 53. Minute, als Manuel Neuer das erste und fast einzige Mal richtig gefordert wurde. Halil Altintop tauchte plötzlich völlig frei vor dem Schalker Torwart auf. Neuer bewies seine Klasse, verkürzte den Winkel und machte sich richtig breit. Er parierte den Schuss des Frankfurter Stürmers und hielt Deutschland damit auf der Gewinnerstraße.

Philipp Lahm: So hat man Philipp Lahm schon lange nicht mehr wirbeln sehen. Hinten machte er seine rechte Seite in der Viererkette dicht. Vorne tauchte er immer wieder mit hohem Tempo in der Hälfte der Türken auf – und bereitete durch eine präzise Flanke und einem schnellen Pass die beiden ersten Tore vor.

Per Mertesacker: Der Abwehrchef der Nationalmannschaft fiel in den 90 Minuten gar nicht richtig auf. Aber was er machte, dass hatte Hand und Fuß. Voll konzentriert gewann er alle seine Zweikämpfe. Im Abspiel auch mit wenig Fehlern. In der ersten Halbzeit nur einmal nicht ganz im Bilde.

Holger Badstuber: Man hätte glauben können, dass Holger Badstuber schon seit Jahren das Innenverteidger-Duo mit Per Mertesacker in der Nationalelf bildet. Nicht nur, dass die beiden perfekt harmoniert haben. Badstuber war auch immer da, wo es brannte und bereinigte die brenzligen Situationen in souveräner Manier. Dabei strahlte er unglaubliche Ruhe aus und wirkte zu jeder Zeit hoch entschlossen.

Heiko Westermann: Nein, die linke Seite der Viererkette ist nichts für Heiko Westermann. Nicht, dass der Kapitän des Hamburger SV ein schlechtes Spiel abgeliefert hätte. Aber Westermann merkte man an, dass er sich nicht wohl gefühlt hat. Ab und an schaltete er sich mit in den Angriff ein. Musste aber zumeist den defensiv nicht so fleißigen Podolski absichern.

Sami Khedira: Die Last auf seinen Schultern wog schwer. Ohne Schweinsteiger sollte er das Mittelfeld ordnen und zusammenhalten. Damit hatte er ordentlich zu tun. Khedira verlor ungewöhnlich viele Zweikämpfe - fünf von zehn. In der Offensive sah man ihn auch nicht oft, musste aber auch nicht. In der zweiten Halbzeit dann gewohnt souverän.

Toni Kroos: Es stand zwar schon relativ früh fest, dass Kroos als Ersatz für Schweinsteiger als zweiter "Sechser" agieren sollte. Doch die Zeit reichte nicht ganz, um die Nervosität abzulegen. Aber Kroos fand sich schnell in der Position zurecht. Und ab Mitte der zweiten Halbzeit drehte der Bayern-Youngster auf. Immer anspielbar und stark im Abschluss - vier Torschüsse, zwei Torschussvorlagen.

Thomas Müller: Es ist schon imposant, welche Wege der WM-Torschützenkönig Spiel für Spiel zurücklegt. Müller war immer in der Nähe, wenn es gefährlich wurde. Wirkte dabei aber ein wenig glücklos. Vier Torschüsse und fünf Torschussvorlagen sind aber eine beeindruckende Ausbeute. Mit seinem Kopfball bereitete er zudem das 1:0 durch Miroslav Klose mustergültig vor und leitete in der Folge fast jeden Konter der DFB-Elf ein.

Mesut Özil: Für den Spielmacher war es ein schwieriges Spiel. Bei jedem Ballkontakt wurde er von den türkischen Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert bedacht, weil er sich damals für den DFB anstatt für die Türkei entschieden hatte. Doch mit zunehmender Spieldauer machte ihn das immer stärker. Özil nahm Fahrt auf und drückte dem Spiel immer wieder seinen Stempel auf. Der krönende Abschluss war sein Treffer zum 2:0, als er Volkan Demirel eiskalt bezwang. Sein Jubel hielt sich aus Respekt zu seinen türkischen Wurzeln aber in Grenzen.

Lukas Podolski: In der ersten Halbzeit knüpfte der Kölner an seine Leistungen in der Bundesliga an. Er trat kaum in Erscheinung. Leistete sich zu Beginn der zweiten Halbzeit einen katastrophalen Ballverlust, der beinahe zum Ausgleich geführt hätte. Doch "Poldi" steigerte sich und sorgte mit seinen schnellen Flankenläufen immer wieder für Gefahr. Hätte das 2:0 machen müssen, schob den Ball aber am leeren Tor vorbei.

Miroslav Klose: Der Mann des Spiels! Klose schoss die Tore 56 und 57 für die Nationalmannschaft. Und das im 104. Länderspieleinsatz, mit dem er den "Kaiser", Franz Beckenbauer, überholte. Klose ackerte zudem über 90 Minuten und war sich für keinen Weg zu Schade. In den drei Quali-Spielen hat er jetzt fünf Mal getroffen. Wurde in der 90. Minute gegen Cacau ausgewechselt.

Christian Träsch: Kam in der 85. Minute für Podolski. Vergab eine große Chance per Direktschuss aus 15 Metern.

Marko Marin: In der 90. Minute für Özil eingewechselt. Zeigte mit einem Dribbling seine Offensivstärke.

Cacau: Ersetzte Klose beim Doppelwechsel kurz vor Schluss. Trat nicht mehr in Erscheinung.