München - Ein lauer Sommerabend, die Allianz Arena ausverkauft und ein FC Bayern, der dem Gegner mit spielerischer Leichtigkeit die Grenzen aufzeigte - die Auftaktpartie zur 48. Bundesligasaison gegen den VfL Wolfsburg geriet anfangs zum bayerischen Sommernachtstraum, live übertragen in 197 Länder der Welt. Der Auftritt beflügelte die Phantasien der Anhänger, die schon nach zehn Minuten vielstimmig von den Rängen schmetterten: "Deutscher Meister wird nur der FCB!"

WM-Shootingstar Thomas Müller hatte die Bayern nach einer herrlichen Kombination mit Toni Kroos in Führung geschossen (9.), die Zeichen standen auf Auftaktsieg. Weil die Bayern anschließend fahrlässig mit ihren Möglichkeiten umgingen, entwickelte sich der Traum jedoch alsbald zum packenden Sommernachtsdrama.

"Es war ein sehr gutes Spiel von uns", sagte Müller anschließend und schob vielsagend nach: "Wenn man die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit weglässt."

Es sprach von der Phase des Spiels, in der sich zeigte, dass das Spielkonzept der Bayern noch auf fragilem Fundament fußt. Abrupt verstummten in Hälfte zwei nicht nur die Gesänge der Fans, auch die Spielfreude der Hausherren verebbte. Der Grund: Wolfsburgs Coach Steve McClaren hatte zur Pause seinen Spielmacher Zvjezdan Misimovic eingewechselt.

Misimovic bringt FCB-Konzept durcheinander

Der quirlige Bosnier wirbelte die Defensivabteilung des FC Bayern völlig durcheinander. Binnen einer knappen Viertelstunde erspielten sich die "Wölfe" vier hochkarätige Torchancen, darunter ein Pfostenknaller von Wolfsburgs Neuzugang Mario Mandzukic. In der 55. war es dann Edin Dzeko, der folgerichtig zum Ausgleich einköpfte und vorher von Misimovic endlich die Bälle serviert bekommen hatte, die er zum Torabschluss braucht.

"Dass Wolfsburg mit Spielern wie Dzeko und Misimovic auch zu Chancen kommt, ist klar", analysierte Kroos nach der Partie, "dass es aber in einer Viertelstunde gleich vier oder fünf hochkarätige Möglichkeiten sind, geht nicht."

Bayern-Coach Louis van Gaal musste zusehen, wie ein einziger Gegenspieler die Defensive um Daniel van Buyten mehrfach in die Bredouille brachte. Im defensiven Mittelfeld waren die zuvor so dominanten Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger nicht mehr Herr der Lage. Van Gaals Einschätzung zu dieser Phase des Spiels: "Wir hätten auch zwei Gegentore kassieren können, aber zum Glück war das nicht der Fall. Ich denke, dass die Spieler etwas übermütig aus der Kabine gekommen sind."

Unglaublich fand es der Niederländer, "dass so viele Spieler so viele Fehler gemacht haben und so viele Ballverluste hatten".

Schweinsteiger: "Noch nicht auf dem Niveau der Vorsaison"

Mit Schweinsteiger war es schließlich der zweite WM-Held, der den FC Bayern vor einem ernüchternden Auftaktresultat bewahrte. In der Nachspielzeit erzielte der erneut zweikämpfstärkste Bayern-Akteur nach Vorarbeit des emsigen Franck Ribery den Siegtreffer. Das Happy End aus Münchner Sicht täuschte allerdings nicht über den Spielverlauf hinweg.

"Wir sind noch nicht ganz auf dem Niveau der vergangenen Saison", räumte Schweinsteiger ein. Nicht da, wo man hinwolle, sei das Team, befand auch Müller und formulierte ein drastisches Fazit: "Wir hatten es nicht verdient, zu gewinnen."

"Keine gemähte Wiese"

Die zweite Spielhälfte dämpfte merklich die Euphorie unter den Spielern. Und es wirkte, als käme den Bayern-Verantwortlichen dieser Umstand sogar zupass, um ihre Stars in die Pflicht zu nehmen.

"Außer Daniel van Byuten und Diego Contento ist keiner topfit", sagte Trainer van Gaal. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hob bereits warnend den Finger: "Es wird ein hartes Stück Arbeit, den Titel zu verteidigen. Die Meisterschaft ist keine gemähte Wiese."

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer