Den bisherigen Tabellenführer vom Platz gefegt, selbst an die Spitze der Bundesliga gestürmt und sich zum Titelanwärter gekürt - doch an Ralf Rangnick prallte die Euphorie rund um 1899 Hoffenheim einfach ab.

"Soll ich auf den Tischen tanzen? Ich weiß, dass gerade jetzt die Gefahr besteht, Fehler zu machen", sagte der Trainer des Aufsteigers nach dem 3:0 (3:0)-Sieg im Topspiel des 9. Spieltags gegen den Hamburger SV.

"Es interessiert mich nicht, was im Mai ist"

Obwohl die Hoffenheimer erneut eine Gala-Vorstellung ablieferten und der HSV unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw mit den drei Gegentreffern durch den Nigerianer Chinedu Obasi (7., 36.) sowie den bosnischen Top-Torjäger Vedad Ibisevic (13.) noch recht gut bedient war, will Rangnick seine Schützlinge unter allen Umständen auf dem Boden halten.

"Das Wichtigste ist, dass die Jungs nicht glauben, was über sie berichtet wird", sagte der Coach und wehrte sich vehement gegen das aufkommende Meisterschafts-Gerede: "Es interessiert mich nicht, was im nächsten Mai ist. Das ist doch völliger Blödsinn. Wir sind gut beraten, uns auf das nächste Spiel zu konzentrieren und für die Partie am Mittwoch in Bochum alle Kräfte zu mobilisieren."

Abstieg kein Thema mehr

Obwohl Rangnick mit allen Mitteln versucht, die Euphorie zu bremsen, musste sich der 50-Jährige dann doch von seinem zuletzt propagierten Ziel ("Den Abstand zu Platz 16 vergrößern") endgültig verabschieden. "Wenn sich keine Naturkatastrophen ereignen, werden wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben", meinte der Coach und fügte hinzu, dass man sich "über die Qualität der Mannschaft nicht unterhalten muss".

Auch in der Mannschaft macht man sich so langsam Hoffnung auf mehr als den Kampf gegen den Abstieg. "Wenn wir so weiterspielen, ist viel drin in diesem Jahr", sagte Ibisevic bei "Premiere".

Hoffenheimer in Löws Notizblock?

Die Qualität des Teams könnte sich schon bald positiv auf die deutsche Nationalmannschaft auswirken. Löw wird die starke Leistung der seit Wochen in Topform spielenden Marvin Compper und Andreas Beck nicht verborgen geblieben sein. Doch ganz in seinem Stil der Zurückhaltung wollte Rangnick seine Profis nicht in die deutsche Auswahl reden: "Da muss man Jogi fragen - er hat das Spiel ja gesehen."

Die Partie hatte selbstverständlich auch HSV-Trainer Martin Jol verfolgt, allerdings wollte der Niederländer diese Tatsache am liebsten leugnen. "Ich möchte das Spiel schnell vergessen. Wir waren nicht existent. Vorne nicht, hinten nicht und in der Mitte nicht", meinte Jol, der keine Ausreden suchte.

Auch HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer fand deutliche Worte: "Wir sind nicht als Mannschaft aufgetreten. Der HSV hat einen anderen Anspruch."