München - Von einem Fußball-Fest war das 0:0 der Nationalmannschaft in Göteborg sicherlich weit entfernt. Für einige Spieler hat sich die Reise nach Schweden aber dennoch gelohnt, gaben sie doch ihr Debüt im DFB-Trikot.

Holtby, Schmelzer, Schürrle, Götze freuten sich über ihren ersten Einsatz - aber konnten Sie auch überzeugen? Die DFB-Akteure in der Einzelkritik von bundesliga.de:

Rene Adler: Der Torhüter kam zu seinem ersten Einsatz seit dem Argentinien-Spiel im März. Manuel Neuer nahm - wie vorher von Bundestrainer Löw angekündigt - auf der Bank Platz. Adler muss gefroren haben, denn er bekam keinen Ball aufs Tor. Griff nur bei Rückpässen mit ein.

Jerome Boateng: Boateng ersetzte den pausierenden Philipp Lahm auf der rechten Seite. War nach langer Verletzungspause auch endlich wieder dabei, man merkte dem Spieler von Manchester City aber an, dass er noch nicht alles abrufen kann. Gewann nur die Hälfte seiner sechs Zweikämpfe und blieb in der Pause mit muskulären Problemen in der Kabine.

Heiko Westermann: Hatte viele Ballkontakte, weil die Schweden sehr tief und kompakt standen. Oft wurde das Leder hinten rum gespielt. Ansonsten wie die gesamte Abwehr nur wenig geprüft. Blieb in sieben von zehn Zweikämpfen Sieger.

Mats Hummels: Harmonierte bei seinem Startelf-Debüt ähnlich souverän und ballsicher wie in der Bundesliga bei Borussia Dortmund. Hatte mit 98 die meisten Ballkontakte auf dem Platz. Eine starke Alternative in der Innenverteidigung.

Marcel Schmelzer: Erstes Länderspiel für den Dortmunder. Und dann gleich von Beginn an. Vorweg: Schmelzer machte eine ordentliche Partie. Gewann zwar nur vier seiner sieben Zweikämpfe, ließ aber nur einmal in Strafraumnähe die nötige Achtsamkeit vermissen. Schmelzer war anzumerken, dass er gerne mehr für die Offensive getan hätte. Das ging aber aufgrund des Spielverlaufs nicht.

Sami Khedira: Musste ohne seinen Teamkollegen bei Real Madrid Mesut Özil auskommen. Dafür aber wieder wie gewohnt mit Bastian Schweinsteiger auf der Doppel-6. Khedira suchte häufig den direkten Weg zum Tor, schoss zweimal aufs Gehäuse von Isaksson. Unauffälliges Spiel. In der 59. Minute für Christian Träsch ausgewechselt.

Bastian Schweinsteiger: Hatte viel zu tun, schließlich musste er als Kapitän die junge Rasselbande zusammenhalten. Das gelang sehr ordentlich. Nur fielen auch Schweinsteiger keine zündenden Ideen ein, um den Abwehrriegel der Hausherren zu knacken. Machte in der 60. Minute Platz für Teamkollege Toni Kroos.

Kevin Großkreutz: Es war kein schlechtes Spiel von Kevin Großkreutz. Aber so dominant wie bei Borussia Dortmund war er bei weitem nicht. Lief auf der für ihn eher ungewohnten rechten Position im Mittelfeld auf. Wenig Ballkontakte, gewann nur zwei seiner fünf Zweikämpfe. In der 78. Minute ersetzte ihn Mario Götze.

Lewis Holtby: Ein Gewinner dieses trostlosen Remis. Der Mainzer agierte auf der Özil-Position. War immer anspielbar, forderte die Bälle. Schoss zwei Mal aufs Tor und legte einmal mustergültig auf. Hatte mit einem linken Hammer das 1:0 auf dem Fuß. Tolle Ansätze machen Lust auf mehr.

Marko Marin: Es ist nicht das Spiel des Marko Marins, das Ruder an sich zu reißen. Marin besticht vor allem durch die überraschenden Einzelaktionen. Davon gab es aber vom Bremer zu wenig. Ein, zwei Mal setzte er sich klasse über die linke Bahn durch, legte dann auch klasse für Holtby auf. Aber das war s. Cacau kam für Marin nach 60 Minuten.

Mario Gomez: Rannte, ackerte und kämpfte – aber trotzdem fand Mario Gomez nicht so richtig ins Spiel. Vor allem fand er nicht ins Kombinationsspiel mit dem Mittelfeld. Strahlte keine Torgefahr aus. Kam in einigen Situationen einen Schritt zu spät. Das kann Gomez besser.

Andreas Beck: Kam zur zweiten Halbzeit für den verletzten Boateng. Der Hoffenheimer sorgte gleich für ordentlich Offensiv-Power auf der rechten Seite. Flankte mehrmals scharf vors schwedische Tor - einen Abnehmer fand er aber nicht. Gute Vorstellung.

Christian Träsch: Ersetzte nach einer guten Stunde seinen ehemaligen Vereinskollegen Sami Khedira. Und reihte sich nahtlos in das Spiel des Neu-Madrilenen ein. Träsch fiel auch nicht sonderlich auf. Verteilte die Bälle aus dem Mittelfeld aber gut.

Toni Kroos: Wenn einer den Abwehrriegel mit klugen Pässen aushebeln hätte können, dann sicherlich Kroos. Aber der feine Techniker fand auch keine Mittel. Schoss einmal mutig per Direktschuss aufs Tor. Eine Vorlage fand auch sein Ziel. Eine sichere Wahl als Ersatzspieler.

Cacau: 30 Minuten im Spiel. Aber eigentlich ist der Auftritt nicht der Rede wert. Keine Aktion. Nur zehn Ballkontakte.

Mario Götze: Diesen Tag wird Mario Götze so schnell nicht mehr vergessen. Sein Debüt im Nationaltrikot. In zwölf Minuten konnte er aber auch keine Bäume mehr ausreißen.

Andre Schürrle: Wie bei Götze: Debüt in der Nationalelf. Warf sich mutig in die Zweikämpfe und gewann auch deren drei (von vier). Aber wie bei auch Götze, konnte Schürrle nicht die entscheidende Wendung geben.