Seit Marcel Schäfers Wechsel vom TSV 1860 München zum VfL Wolfsburg im Sommer 2007 kennt die Trendkurve seiner Karriere nur eine Richtung: steil nach oben.

In seiner ersten Saison 2007/08 etablierte er sich als Stammspieler bei den "Wölfen", im November 2008 feierte er sein Debüt in der A-Nationalmannschaft und im Mai 2009 reckte er gemeinsam mit seinen VfL-Kollegen die Meisterschale in den Himmel. Der 25-Jährige spricht mit bundesliga.de über das Duell mit dem FC Bayern (Sa., ab 18 Uhr im Live-Ticker/Ligaradio) und seine Titelfavoriten.

bundesliga.de: Herr Schäfer, wie waren die Reaktionen nach der Heimniederlage gegen den HSV? Spricht man gleich in der Kabine über die Gegentore oder wird das in Ruhe am nächsten Tag analysiert?

Marcel Schäfer: Nach dem Spiel waren alle enttäuscht, da wurde nicht mehr viel geredet. Am nächsten Tag hat der Trainer das Spiel analysiert. Unsere Fehler wurden angesprochen und im Training aufgearbeitet.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft hatte sich nach dem Rückstand wieder gefangen und konnte sogar den Ausgleich erzielen. Warum war der Spielfluss dann wieder weg?

Marcel Schäfer: Das wissen wir selbst nicht, wir haben keine schlüssige Antwort darauf gefunden. Vielleicht kamen mehrere Faktoren zusammen. Jedenfalls war das der Knackpunkt des Spiels.

bundesliga.de: Jetzt geht es am kommenden Samstag zu den Bayern, die bekanntlich einen sehr schlechten Saisonstart hatten. Was erwarten Sie sich von dem Spiel?

Marcel Schäfer: Natürlich wird jetzt viel über die Bayern geredet, aber deren Mannschaft wird sich zu wehren wissen. Es ist vom Sportlichen her für beide Vereine kein leichtes Spiel. Aber natürlich werden wir auch dort, wie in jedem Spiel, versuchen zu punkten

bundesliga.de: Beide Mannschaften müssen Wiedergutmachung leisten. Wie will der VfL gegen die Bayern auftreten?

Marcel Schäfer: Wir wollen natürlich unser gutes Offensivspiel durchsetzen, dazu im Defensivverhalten kompakter agieren als zuletzt gegen den HSV.

bundesliga.de: Sind Sie nach solch einer Heimniederlage und dem Ende dieser beeindruckenden Siegesserie in der Volkswagen-Arena besonders heiß, und kommt dann eine Top-Mannschaft wie Bayern eher recht oder ungelegen?

Marcel Schäfer: Wir konnten ja nicht davon ausgehen, dass unsere Heimserie ewig hält. Ansonsten nehme ich den Spielplan so wie er kommt.

bundesliga.de: Unterschätzen werden Sie die Bayern sicherlich nicht, aber der Rekordmeister hat eklatante Schwächen in der Defensive gezeigt. Wie werden Sie in diese Partie reingehen?

Marcel Schäfer: Der FC Bayern hat für mich nach wie vor den besten Kader der Bundesliga. Und gerade die Spieler, die jetzt öffentlich stark kritisiert werden, werden alles daransetzen sich zu rehabilitieren.

bundesliga.de: Der VfL Wolfsburg ist der amtierende Deutsche Meister. Wie geht die Mannschaft mit dem Titelgewinn in der neuen Saison bisher um?

Marcel Schäfer: Die letzte Saison und damit auch der Titelgewinn liegen in der Vergangenheit. Natürlich werden diese Ereignisse ständig an uns herangetragen. Aber ich denke, dass die Mannschaft gut damit umgeht. Wir wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern haben weiter ehrgeizige sportliche Ziele.

bundesliga.de: Fühlen Sie sich beim FC Bayern jetzt auch als Favorit und fahren mit breiter Brust nach München?

Marcel Schäfer: Nein. Der FC Bayern ist bei seinen Heimspielen immer Favorit. Trotzdem müssen wir in München selbstbewusst auftreten, wenn wir etwas erreichen wollen.

bundesliga.de: Wen zählen Sie zum Kreis der Titelkandidaten und wer wird am Ende das Rennen machen?

Marcel Schäfer: Die letzte Saison hat doch gezeigt, welch hohe sportliche Qualität in der Bundesliga steckt. Zehn Mannschaften haben bis fast zum Ende um die Europapokalplätze gespielt. Eine ähnliche Konstellation erwarte ich wieder.

bundesliga.de: Stört es Sie, dass, obwohl Wolfsburg Meister ist, immer noch die meisten über den FC Bayern reden?

Marcel Schäfer: Nein, überhaupt nicht. Das ist kein Problem. Eine solche Popularität muss man sich verdienen - und Bayern war in den letzten 40 Jahren der mit Abstand erfolgreichste deutsche Verein. Für uns Spieler ist es natürlich ein Vorteil, wenn man sich allein auf das alltägliche Training und das Spiel am Wochenende konzentrieren kann und es nicht zu viele Einflüsse von außen gibt.

Die Fragen stellte Barnabas Szöcs