Für Spieler, Fans und Verantwortliche von Hannover 96 kam die Saison 2009/10 einer Achterbahnfahrt gleich - mit einem versöhnlichen Ende. Am letzten Spieltag sicherten sich die Niedersachsen mit einem klaren 3:0 beim direkten Abstiegskonkurrenten VfL Bochum den Klassenerhalt.

Für die Spieler kein Grund zu überschäumender Freude, wie Christian Schulz bundesliga.de in einem Gespräch zum Ende der Saison verriet: "Unsere Gedanken waren bei Robert", beschreibt der 27-Jährige die Gefühle der Mannschaft, die - wie die gesamte Republik - am 10. November vom Freitod des Torwarts Robert Enke geschockt worden war.

Die vergangenen Monate seien "eine permanente Belastung" gewesen. "Solch eine Saison will bei Hannover keiner ein zweites Mal erleben." Für die kommende Saison verspricht Schulz einen Platz "mindestens im gesicherten Mittelfeld - gerne auch weiter oben. Das Potenzial haben wir dafür."

Ebenso wie der dreimalige Nationalspieler der DFB-Auswahl bei der WM durchaus den Titel zutraut, auch wenn "Favoriten wohl die Spanier" sind.

bundesliga.de: Herr Schulz, herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt. Wie war die Stimmung nach dem Spiel in Bochum?

Christian Schulz: Wir waren natürlich alle glücklich, nach dieser schwierigen Saison den Klassenerhalt noch geschafft zu haben. Unsere Gedanken waren aber auch bei Robert (Enke; die Red.), der nicht mehr dabei ist, der uns fehlt, als Mensch, als Torwart.

bundesliga.de: Beschreiben Sie doch bitte die letzten Monate mit den vielen Misserfolgen!

Schulz: Das war eine permanente Belastung. Wir haben immer versucht, alles zu geben, aber manchmal waren wir einfach nicht präsent auf dem Platz, irgendwie lief dann nichts zusammen. Es gab solche Spiele, dann aber auch immer mal wieder Siege wie gegen Schalke, die gezeigt haben: Wir sind noch da, wir können jeden schlagen. Das hat uns Mut gemacht, gerade auch für die letzten beiden entscheidenden Partien.

bundesliga.de: Sie erwähnten den Sieg gegen Schalke, holten einen Punkt in Hamburg - und dann wieder klare Heimniederlagen wie gegen Berlin und Köln. Wie ist das Auf und Ab zu erklären?

Schulz: Das kann ich auch nicht erklären. Es sollte nie wieder vorkommen. In der kommenden Saison müssen und werden wir konstanter auftreten.

bundesliga.de: Hatten Sie je das Gefühl, dass das Ziel Klassenerhalt verpasst werden könnte?

Schulz: Klar gab es Zweifel, aber der innere Kern der Mannschaft hat gegen Ende noch einmal alle Kräfte mobilisiert. Wir wussten, dass wir super fit waren, der Trainer uns richtig eingestellt hatte, die Fans immer hinter uns standen - so hat es dann doch noch geklappt.

bundesliga.de: Wenn Sie die Saison analysieren: Was lief falsch und was muss anders werden, damit Hannover nicht wieder so eine Zittersaison bevorsteht?

Schulz: Alle sind gefordert, sich künftig noch mehr zu konzentrieren, Fehler abzustellen. Wir brauchen Konstanz im Umfeld, richtige Ergänzungen für unseren Kader. Solch eine Saison will bei Hannover keiner ein zweites Mal erleben.

bundesliga.de: Auf welchen Positionen wünschen Sie sich Verstärkungen?

Schulz: Das wird sich zeigen müssen, wenn feststeht, wer uns wirklich verlässt und welche Spieler nach langen Verletzungen wieder zurückkehren.

bundesliga.de: Wo erwarten Sie den Club in der kommenden Saison?

Schulz: Mindestens im gesicherten Mittelfeld - gerne auch weiter oben. Das Potenzial dazu haben wir.

bundesliga.de: Sicher werden Sie in Ihrem Urlaub die WM verfolgen. Wer wird ihrer Meinung nach Weltmeister?

Schulz: Ich denke, dass wir trotz aller Unruhe im Vorfeld mit Deutschland rechnen können. Favoriten sind aber wohl die Spanier, die nach der Europameisterschaft konstant auf gutem Niveau weitergespielt haben. Dazu kommen die Brasilianer, mit denen man immer rechnen muss.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs